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Computerspiel lindert Phantom-Schmerzen

Dr. Max Ortiz Catalan von der Chalmers University in Göteborg hat eine neue Methode zur Behandlung von Phantomschmerzen entwickelt. Ein Computerspiel, in dem die Patienten virtuell ihren verlorenen Arm bewegten, linderte ihre Schmerzen.
Computerspiel

Computerspiel kann Phantomschmerzen lindern

Die Studie wurde im Fachmagazin Lancet veröffentlicht. Menschen, denen ein Arm oder ein Bein amputiert wurde, erleben oft Phantom-Schmerzen in dem nicht mehr vorhandenen Körperglied. Diese Schmerzen können chronisch werden und reduzieren erheblich die Lebensqualität der Patienten. Ihre Ursache ist noch unklar.

Es gibt verschiedene Ansätze, sie zu lindern, Spiegeltherapie, Akupunktur oder die Implantation von Nervenstimulatoren. Allerdings helfen die Therapien oft nicht. Für seine Studie rekrutierte Dr. Ortiz Catalan 14 Patienten aus Kliniken in Schweden und Slowenien, denen ein Arm amputiert worden war und die im Schnitt seit 10 Jahren unter Phantomschmerzen litten. Bislang hatten bei ihnen alle Methoden versagt.

Computerspiel lindert Phantomschmerzen

Das von ihm entwickelte System nimmt elektrische Signale der Muskeln aus dem verbliebenen Stumpf über Elektroden auf der Haut auf. Diese Signale werden in Bewegungen eines virtuellen Arms auf dem Bildschirm übersetzt. Bei einem Computerspiel können Patienten dann diesen virtuellen Arm in Echtzeit so bewegen, wie sie ihren echten Arm bewegen würden. Damit werden Bereiche des Gehirns reaktiviert, die den Arm steuerten, bevor er amputiert wurde.

Die Patienten wurden über 6 Wochen lang zweimal in der Woche behandelt. In der letzten Sitzung waren Intensität, Häufigkeit und Frequenz der Schmerzen um etwa 50 Prozent gesunken. Auch das Ausmaß, in dem die Schmerzen den Schlaf oder Aktivitäten des täglichen Lebens beeinträchtigten, war um die Hälfte reduziert. Zwei der vier Patienten, die Analgetika einnahmen, konnten die Dosis um 81 Prozent und 33 Prozent reduzieren.

 

Verbliebene Muskulatur wird besser genutzt

„In unserer Studie sahen wir, dass der Schmerz kontinuierlich mit jeder weiteren Behandlung zurückging. Die Schmerzreduktion erreichte kein Plateau. Das deutet daraufhin, dass eine weitere Verbesserung mit mehr Sitzungen erreicht werden könnte“, so der Wissenschaftler in einer Mitteilung der Universität.

Ortiz Catalan nimmt an, dass die Patienten bei dem Computerspiel lernen, die verbliebenen Muskeln im Stumpf besser zu nutzen. Dafür werden Gehirn-Ressourcen benötigt. Auch für die Verarbeitung von Schmerzsignalen sind Gehirn-Ressourcen erforderlich. Es könnte sein, dass die neue Gehirnaktivität die alte – das Schmerzempfinden – überschreibt.

Neue Studie soll auch Bein-Amputierte einschließen

Nun soll es eine größere klinische Studie geben, die auch Beinamputierte einschließt. Mehr als 30 Patienten aus verschiedenen Ländern werden teilnehmen, und sie werden mehr Behandlungssitzungen erhalten. Die Technologie steht als Open-Source-Forschungsplattform und in einer kommerziellen Version zur Verfügung, die eine Göteborger Firma vertreibt.

Diese Form der Augmented Reality, eine Kombination aus virtueller Realität und realen Informationen aus der physischen Welt, könnte in Zukunft auch für bei anderen Patienten eingesetzt werden, die ihre Bewegungsfähigkeit wiederherstellen wollen, etwas nach einem Schlaganfall, bei Nervenschäden oder Handverletzungen, das hoffen zumindest die Forscher.

Foto: Keddy/Fotolia.com

Autor: bab
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