Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Chronobiologie immer wichtiger

Montag, 7. September 2015 – Autor:
Unsere Lebensweise läuft immer häufiger unserer inneren Uhr zuwider. Auch deshalb werden chronobiologische Erkenntnisse immer wichtiger. Ein Forscherteam hat nun das Wissen zu tageszeitlichen Schwankungen von Erkrankungen zusammengetragen.
Chronobiologie

Die Wirksamkeit vieler Medikamente ist von der Uhrzeit abhängig – Foto: Richard Villalon - Fotolia

Wenn von der biologischen Uhr die Rede ist, sind genetisch festgelegte Uhrzeiten gemeint, die unsere physiologischen Vorgänge steuern. Zudem hängen viele körperliche Vorgänge von zeitlichen Zusammenhängen wie den Hell-Dunkel-Rhythmen, den Jahreszeiten, eigenen Aktivitäten und Ernährungsgewohnheiten zusammen. Diese Erkenntnisse können wichtig sein, um beispielsweise den Zeitpunkt der Medikamenteneinnahme bei bestimmten Erkrankungen zu optimieren. Und das wird immer bedeutsamer, insbesondere weil unsere Lebensweise immer häufiger unserer inneren biologischen Uhr zuwiderläuft. Ein Forscherteam der University of Texas (USA), der Ferrara-Universität (Italien), der Vigo-Universität (Spanien) und der University of Minnesota (USA) haben nun im Fachmagazin Sleep Medicine Reviews die bisherigen Erkenntnisse zu tageszeitlichen Rhythmen des menschlichen Körpers und verschiedener Erkrankungen aufgeführt.

Blutdruck und Herzprobleme unterliegen tageszeitlichen Schwankungen

Schon lange ist bekannt, dass der Blutdruckt tageszeitlichen Schwankungen unterliegt. So steigen sowohl der systolische als auch der diastolische Blutdruck morgens stark an und erreichen ihren Höhepunkt während der Tagesaktivitäten. Auch das Risiko für einen Herzinfarkt ist am Morgen höher als am Abend, und auch Schlaganfälle treten morgens gehäuft auf. Allerdings kommt es auch am Nachmittag und am frühen Abend relativ häufig zu Schlaganfällen, während das Risiko während des Schlafs relativ gering ist.  

Magenprobleme treten nach Angaben der Autoren besonders häufig morgens auf. Vor allem säurebedingte Magenschmerzen und ösophagealer Reflux reißen viele Betroffene sogar aus dem Schlaf. Magengeschwüre melden sich besonders häufig in der Nacht. Die Perforation eines Magengeschwürs findet allerdings am häufigsten zwischen 16 und 17 Uhr statt.

 

Medikamente der Chronobiologie anpassen

Entzündliche Erkrankungen, die vom körpereigenen Cortisol-Spiegel abhängig sind, unterliegen ebenfalls tageszeitlichen Schwankungen. Allergien, Neurodermitis oder Schuppenflechte verschlimmern sich, wenn der Cortisolgehalt im Blut besonders niedrig ist beziehungsweise in den Stunden danach. Die Patienten werden daher besonders nachts von den Symptomen geplagt, und durch den schlechten Schlaf sind die Betroffenen tagsüber häufig müde und unkonzentriert.

Auch andere Erkrankungen wie Rheumatoide Arthritis, Asthma oder Nierenerkrankungen unterliegen tageszeitlichen Schwankungen. Menschen mit Depressionen neigen üblicherweise zu einem ausgeprägten Morgentief; der erhöhte Stresspegel in den frühen Morgenstunden führt dann auch zum typischen Früh-Erwachen. Die Kenntnisse um die chronobiologischen Zusammenhänge sind wichtig, um Erkrankungen besser zu verstehen und Medikamente gegebenenfalls gezielter einsetzen zu können.

Foto: © Richard Villalon - Fotolia.com

Hauptkategorie: Medizin
 

Weitere Nachrichten zum Thema Medikamenten-Einnahme

20.07.2012

Zu Risiken und Nebenwirkungen... Das Wissenschaftliche Institut der AOK deckte auf, dass besonders ältere Patienten die Risiken bei der Einnahme mehrerer Arzneimittel unterschätzen.

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten


Die Wirkungen und Nebenwirkungen der Schutzmaßnahmen in der Corona-Krise seien kaum zu beurteilen. Das erklärte Prof. Hendrik Streeck am Freitag in Berlin. Der Virologe gehört zu der Sachverständigenkommission, die diese evaluieren sollte.
 
Interviews
Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin