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Chronische Schmerzen nach Intensivstation

Patienten, die auf einer Intensivstation behandelt werden, leiden oft noch monatelang unter Schmerzen. Ärzte haben nun einen Verdacht, woran das liegen könnte.
Eine Behandlung auf einer Intensivstationen zieht häufig chronische Schmerzen nach sich

Eine Behandlung auf der Intensivstationen zieht häufig chronische Schmerzen nach sich

Intensivstationen retten Leben. Wie es den Patienten anschließend geht, wurde kaum erforscht. Wissenschaftler vom Universitätsklinikum Jena haben das nun in einer Studie untersucht. Demnach leiden 30 Prozent ein Jahr nach Entlassung noch unter starken Schmerzen. Dabei war es egal, ob die Patienten während ihres Intensivaufenthaltes unter einer Sepsis litten. Allerdings waren Patienten, die einen hohen Entzündungswert CRP aufwiesen, deutlich anfälliger für den chronischen Schmerz.

Veränderungen an den Nervenfasern gefunden

Zunächst unerklärlich, stießen die Forscher auf ein Phänomen, das wahrscheinlich die Schmerzursache erklären könnte. Untersuchungen der Reizverarbeitung zeigten: Rund die Hälfte der Patienten wies eine ausgeprägte Fehlfunktion dünner Nervenfasern auf. Patienten mit diesen Veränderungen an den Nervenfasern klagten über eine erhöhte Schmerzbeeinträchtigung im Vergleich zu den übrigen Patienten. „Ein frühes Screening auf diese Veränderungen könnte dazu führen, dass gefährdete Patienten erkannt und rechtzeitig behandelt werden“, betont Projektleiter Philipp Baumbach.

Doch die Forscher entdeckten noch weitere Ursachen, die das Schmerzphänomen erklären könnten. Chronische Schmerzen traten insbesondere bei jüngeren Patienten auf und solchen, die bereits vor der intensivmedizinischen Behandlung unter Schmerzen litten. Auch diejenigen, die unmittelbar nach der Intensivbehandlung starke Schmerzen hatten, wurden den Schmerz nicht mehr los.  

 

Phänomen ähneltwie postoperative Schmerzen

„Diese Ergebnisse sind besonders interessant, denn sie ähneln unseren Befunden bei Operationsschmerzen“, sagt Studienautor Winfried Meissner. Es sei bekannt, dass die Gabe bestimmter Medikamente während und unmittelbar nach der Operation einer Chronifizierung entgegenwirken könne. „Sollten dieses Wissen übertragbar sein, eröffnen sich auch für Intensivpatienten neue Ansätze zur Vorbeugung chronischer Beschwerden.“

Patienten mit chronischen Schmerzen nach der Intensivbehandlung waren laut der Studie, teilweise erheblich in ihren Alltagstätigkeiten und ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt. Dies schlug sich auf die Lebensqualität nieder.

In der Studie wurden Schmerzen bei mehr als 200 Patienten nach einer Intensivbehandlung untersucht und mit gesunden Probanden verglichen. Das Projekt wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. 

Foto: © Yakov - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
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