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Chronisch krank: Sag ich’s meinem Chef?

Freitag, 3. Dezember 2021 – Autor:
Sprechen oder schweigen? Vor dieser Entscheidung stehen viele chronisch Kranke, die im Berufsleben stehen. Niemand muss mit dem Arbeitgeber darüber reden – schließlich ist Gesundheit Teil der Privatsphäre. Ein offener Umgang damit kann dennoch hilfreich sein – vor allem, wenn Betriebe ihrerseits aufgeschlossen sind und Betroffenen Unterstützung anbieten.
Präsentation vor Kollegen in der Firma.

Statistisch gesehen sind mindestens eine der berufstätigen Frauen auf diesem Bild und wahrscheinlich auch einer der Männer chronisch krank. – Foto: AdobeStock/Jacob Lund

Bei chronischen Krankheiten sind die Symptome oft unsichtbar, auch wenn sie die Arbeit erheblich erschweren. Gerade wenn man enger zusammenarbeitet, liegt schnell ein Gefühl in der Luft, dass da was ist. Sich zu outen, will trotzdem gut überlegt sein. Die Ängste vor möglichen negativen Folgen sind groß: Ablehnung und Diskriminierung, ein Karriereknick, im schlimmsten Fall der Verlust des Arbeitsplatzes. Andererseits bietet Offenheit auch die große Chance, die eigene Situation zu verbessern. „Die Beeinträchtigungen wirken sich ja konkret im Arbeitsalltag aus“, sagt Martin Danner, Geschäftsführer der „Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe", im Gesundheitsmagazin Apotheken Umschau. „Wer sie verschweigt, schneidet sich dadurch auch Unterstützungsmöglichkeiten ab.“

Fast die Hälfte der Erwerbstätigen über 35 sind „Chroniker“

Chronisch Kranke am Arbeitsplatz: Das ist keine exotische Randgruppe – das ist statistisch bald jeder Zweite. Nach einer Studie der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) von 2017 leben in Deutschland 41 Prozent der Männer und 48 Prozent der Frauen im Alter zwischen 35 und 59 Jahren mit mindestens einer lang andauernden Krankheit, die regelmäßig medizinisch behandelt werden muss. Dazu zählen beispielsweise Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Rückenleiden, Rheuma, Diabetes, chronische Atemwegserkrankungen, Krebs oder psychische Störungen.

 

Gesundheit ist Privatsache – erst mal

„Weil Gesundheit jedoch Privatsache ist, besteht keine Pflicht seine Situation mitzuteilen“, heißt es dazu in der Apotheken Umschau weiter. „Wichtige Ausnahme: Jemand gefährdet krankheitsbedingt sich selbst oder andere. Dennoch spreche vieles für die Offenlegung – spätestens dann, wenn sich der Gesundheitszustand der Betroffenen verschlechtert, oder sie eine neue, schwieriger zu bewältigende Aufgabe erhalten." Martin Danner von der BAG Selbsthilfe verweist zudem auf die steigenden Bemühungen von Unternehmen um das betriebliche Gesundheitsmanagement: „Es lohnt sich also oftmals, hier mutig zu sein und solche Unterstützungsmöglichkeiten im Unternehmen auch anzunehmen."

Ratgeber-Website für chronisch Kranke im Berufsleben – mit Selbsttest

Seit Frühjahr dieses Jahres gibt es ein Online-Hilfsangebot, bei dem sich chronisch Kranke im Berufsleben über einen so gesunden wie geschickten Umgang mit ihrem Problem informieren und sich konkrete Hilfe holen können. Die seit März 2021 geschaltete Ratgeber-Website www.sagichs.de wurde im Rahmen eines Projekts der Universität Köln entwickelt. Kernstück ist ein anonymer, interaktiver Selbsttest mit einer Vielzahl an Fragen rund um den Arbeitsplatz, das Teamklima und den Umgang mit gesundheitlich beeinträchtigten Beschäftigten im Unternehmen sowie individuelle Wertvorstellungen, Wünsche und Erfahrungen. Darüber hinaus können sich Betroffene etwa von Betriebsärzten, Betriebsrat, gesetzlichen Krankenversicherungen oder der Bundesagentur für Arbeit beraten lassen.

Stichwort „Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe“

Die oben erwähnte „Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe von Menschen mit Behinderung und chronischer Erkrankung und ihren Angehörigen“ mit Sitz in Düsseldorf ist ein Dachverband von 139 Verbänden, Arbeitsgemeinschaft und Selbsthilfeorganisationen von und für behinderte und chronisch kranke Menschen und deren Angehörige. Nach eigenen Angaben vertritt er inzwischen über eine Million Menschen.

Hauptkategorie: Prävention und Reha
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