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Cholesterinsenker werden oft nicht eingenommen - viele erreichen Zielwerte nicht

Mittwoch, 22. Juni 2022 – Autor:
Personen mit einem hohen kardiovaskulären Risiko benötigen laut Therapieempfehlungen eine cholesterinsenkende Therapie. Studiendaten zeigen allerdings, dass die Tabletten oft nicht eingenommen werden. Demnach erreicht nur jeder dritte seine Zielwerte.
Bestellt und nicht abgeholt: Bei der Einnahme von cholesterinsenkenden Medikamenten schludern viele

Bestellt und nicht abgeholt: Bei der Einnahme von cholesterinsenkenden Medikamenten schludern viele – Foto: © AOK Mediendienst

Viele Menschen, die eigentlich müssten, nehmen offenbar ihre cholesterinsenkenden Medikamente nicht ein. Die im Jahr 2019 veröffentlichte EUROASPIRE V-Studie zeigt, dass zwei Drittel der Patienten mit einem hohen kardiovaskulären Risiko zu hohe LDL (Low-Density Lipoprotein) – Cholesterinwerte haben. Demnach erreichte also nur jeder dritte seine damals noch gültigen Zielwert von 70 mg/dl. Seit Kurzem gilt ein neuer LDL-Wert für Herz- oder Gefäßkranke von maximal 55 mg/dl.

„Die Risikominimierung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wird aktuell nicht von den therapeutischen Möglichkeiten begrenzt, sondern vielmehr davon, dass sie nicht genutzt werden“, sagt Professor Dr. med. Alexander Mann, Ärztlicher Leiter des Endokrinologikums Frankfurt am Main. Das liege auch daran, dass viele überholte und falsche Informationen über Cholesterin in Umlauf seien. „Dies verunsichert die Erkrankten und hält sie von einer Medikamenteneinnahme ab.“

Hohes HDL Cholesterin reicht nicht

Eine dieser überholten Informationen ist die Annahme, dass erhöhtes LDL-Cholesterin durch einen hohen HDL-Cholesterin-Spiegel ausgeglichen kann. HDL gilt als das gute Cholesterin. Hohe Werte nützen jedoch Risikopersonen nichts. Erklärungsbedürftiger ist der Umstand, dass nicht jede Person mit einem hohen LDL-Cholesterin eine kardiovaskuläre Erkrankung wie einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erleiden wird. Umgekehrt bietet auch ein niedriges LDL-Cholesterin keinen absoluten Schutz.

Genetische Veranlagung, Empfindlichkeit der Gefäßwände und andere Risikofaktoren wie Diabetes, Rauchen oder Bluthochdruck erhöhen nach Auskunft von Alexander Mann ebenfalls das Risiko für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung. „Ärzte berücksichtigen deshalb das individuelle kardiovaskuläre Risiko bei der Wahl der Therapieart“, erklärt der Endokrinologe. So könne bei ansonsten gesunden Menschen eine Lebensstiländerung mit fettarmer Kost und mehr Sport schon ausreichen, das LDL-Cholesterin zu senken.

 

Risikopatienten sollten Cholesterinsenker nehmen

Aber: „Bei Patientinnen und Patienten mit hohem und sehr hohem kardiovaskulärem Risiko, etwa Menschen, die an Diabetes mellitus Typ-2 leiden, ist die Einnahme von Medikamenten zur Erreichung gesunder Cholesterinwerte jedoch unverzichtbar", so der Experte.

Zur zielwertgerechten Senkung des LDL-Cholesterins gibt es verschiedene therapeutische Möglichkeiten. Zunächst kommen Statine wie Atorvastatin und Rosuvastatin zum Einsatz. Reichen diese nicht aus oder werden nicht vertragen, ist eine Kombinationstherapie, etwa mit dem Cholesterinresorptionshemmer Ezetimib oder mit Bempedoinsäure möglich. Eine weitere therapeutische Option besteht in den sogenannten PCSK-9 Hemmern etwa Alirocumab, Evolocumab oder mit Inclisiran. Letzte Möglichkeit ist die sogenannte Lipidapherese, ein Blutreinigungsverfahren, das bestimmte Fette aus dem Blut filtert.

Hauptsache runter mit dem LDl-Cholesterin

Durch welches Mittel das Cholesterin gesenkt werde, sei letztlich egal, meint Prof. Stephan Petersenn, Mediensprecher der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie „Jede Senkung führt zur Verminderung kardiovaskulärer Erkrankungen.“ Der Umfang der kardiovaskulären Risikoreduktion hänge hierbei sowohl vom Maß der LDL-Cholesterinsenkung als auch davon ab, wie lange sie durchgeführt wird. Dabei gelte die Faustformel: „Je höher das kardiovaskuläre Risiko eines Patienten ist, desto niedriger sein persönliches LDL-Cholesterinziel“.

Hauptkategorie: Medizin
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