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29.04.2016

Charité und ver.di einigen sich auf Tarifvertrag für bessere Arbeitsbedingungen

Bessere Arbeitsbedingungen für alle, mehr Pflegepersonal am Krankenbett: Am Donnerstag konnten sich die Charité und die Gewerkschaft ver.di endlich auf den Tarifvertrag „Gesundheitsschutz und Demografie“ einigen. Damit geht eine gut drei Jahre andauernde Tarifauseinandersetzung zu Ende.
Streik und Flash Mob waren gestern: Am 28. April wurde endlich eine Einigung zwischen Charité und der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di erzielt

Streik und Flash Mob waren gestern: Am 28. April wurde endlich eine Einigung zwischen Charité und der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di erzielt

Der Tarifvertrag „Gesundheitsschutz und Demografie“ ist seit Donnerstag unter Dach und Fach. Zuvor sprachen sich in einer Urabstimmung 89,2 Prozent der an der Charité tätigen ver.di-Mitglieder für den Tarifabschluss aus. Damit kommt eine gut drei Jahre andauernde Tarifauseinandersetzung endlich zu ihrem Ende. Höhepunkt dieser Auseinandersetzung war ein zehntägiger Streik im vergangenen Sommer, der Europas größtem Universitätsklinikum teuer zu stehen kam. Kern der ver.di-Forderungen waren bessere Arbeitsbedingungen an der Charité sowie mehr Pflegepersonal am Krankenbett. Diese Forderungen wurden nun größtenteils erfüllt.

Höherer Personalschlüssel ohne ausreichende Gegenfinanzierung

„Mit diesem Tarifvertrag werden wir die personelle Ausstattung spürbar verbessern, was auch notwendig ist", sagt der Verhandlungsführer und Ärztliche Direktor der Charité Prof. Dr. Ulrich Frei. „Es muss jedoch festgehalten werden, dass die Charité damit in eine im Finanzierungssystem nicht vorgesehene Vorleistung geht, um einen Tarifkonflikt zu lösen, der eigentlich eine Lösung auf Bundesebene benötigt."

Die wichtigsten Vereinbarungen betreffen personelle Mindestbesetzungen in der Intensivpflege, der Kinderheilkunde und der stationären Erwachsenenpflege. Zudem wurden Festlegungen für zahlreiche Funktionsbereiche, wie Operationssaal oder Endoskopie, getroffen.

Wie viel Pflegepersonal nun genau am Bett stehen wird, lässt sich pauschal nicht beziffern. Jedoch wurden Personalmindeststandards und verbindliche Orientierungswerte festgelegt, die ein Abweichen nach unten begrenzen. Damit sei es gelungen, dem Abbau von Stellen, insbesondere in der Pflege, Einhalt zu bieten, betonte ver.di-Verhandlungsführerin Meike Jäger.

 

Fünf Prozent mehr Pflegepersonal am Krankenbett

Nach Charité Informationen wird im Bereich der Intensivpflege der Personalschlüssel gemäß einer hausinternen Qualitätsrichtlinie bemessen, der sich nach dem Schweregrad der Erkrankten richtet. Im Schnitt sei aber eine Pflegekraft für zwei Intensivpatienten vorgesehen – und somit die ver.di Forderung erfüllt. Für die Kinderkliniken am Standort Virchow wurde demnach eine Besetzungsquote festgelegt und die Personalausstattung im Nachtdienst um 40 Vollkräfte verstärkt, um Unterstützung und Pausenregelungen zu gewährleisten.

Im Bereich der stationären Pflege von Erwachsenen wird das Krankenpflegepersonal um fünf Prozent aufgestockt werden, wenngleich die Gewerkschaft hier gerne mehr gesehen hätte. Die Charité kommt den Forderungen jedoch insofern entgegen, indem sie mehr Personal bei besonderen Erschwernissen zur Verfügung stellt, zum Beispiel bei der Pflege von Patienten mit multiresistenten Keimen.

Meilenstein für bessere Arbeitsbedingungen

Sobald der Aufsichtsrat der Charité und der Bundesvorstand von ver.di zugestimmt haben, tritt der neue Tarifvertrag in Kraft. Ein Gesundheitsausschuss soll die Umsetzung begleiten und wenn nötig Überlastungssituationen beseitigen.

 „Wie immer stellt ein Tarifvertrag einen Kompromiss dar – nicht alle unserer Forderungen konnten wir durchsetzen“, sagte Meike Jäger von ver.di am Donnerstag. „Dennoch sehen wir in dem Tarifvertrag einen Meilenstein für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen im Krankenhaus.“ 

Hauptkategorien: Berlin , Gesundheitspolitik
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