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Charité richtet Tumorfatigue-Sprechstunde ein

Fast jeder dritte Krebspatient leidet unter langanhaltender Fatigue. An der Charité bekommen die Betroffenen jetzt medizinische Hilfe. Ende Juni öffnet die erste Tumorfatigue-Sprechstunde in Berlin.
Viele Fatigue-Betroffene suchen bislang vergeblich nach einer wirksamen Therapie. An der Charité gibt es jetzt eine spezielle Tumorfatigue-Sprechstunde

Viele Fatigue-Betroffene suchen bislang vergeblich nach einer wirksamen Therapie. An der Charité gibt es jetzt eine spezielle Tumorfatigue-Sprechstunde

An der Charité eröffnet Ende Juni Berlins erste Tumorfatigue-Sprechstunde. Das neue Angebot ist für Patienten gedacht, die ihre Krebsbehandlung bereits abgeschlossen haben, aber mindestens sechs Monate danach noch an Erschöpfung leiden. „Wir bieten Tumorfatigue-Patienten umfassende Hilfe“, verspricht Prof. Carmen Scheibenbogen, Leiterin der neuen Sprechstunde am Virchow Klinikum. Die Hämatologin und Immunologin bietet bereits eine Sprechstunde für das Chronische Fatigue-Syndrom (CFS) an. Sie vermutet, dass es einige Überschneidungen der beiden Krankheitsbilder gibt. Sowohl bei der Tumorfatigue als auch bei der CFS sind die Betroffenen ständig müde und erschöpft. Begleitend zur körperlichen Symptomatik treten häufig auch Konzentrationsstörungen und geistige Leistungseinbußen auf. In schweren Fällen sind Patienten so stark betroffen, dass sie nicht mehr arbeitsfähig sind.

Hinweise auf körperliche Ursachen

Bis vor wenigen Jahren war das alles medizinisch nicht erklärbar. Doch inzwischen gibt es Hinweise auf körperliche Ursachen. „Wir gehen von einem multifaktoriellen Geschehen aus, bei dem neben Verhaltens-assoziierten Faktoren auch immunologische, genetische und neuroregulative Faktoren eine Rolle spielen“, erklärt Scheibenbogen.

Neben Sport und Medikamenten empfehlen die Ärzte ihren Tumorfatigue-Patienten heute Elemente der Mind-Boy-Medizin wie Yoga. Oft ist es ein Mix aus allem. Tumorfatigue sei vermutlich ein sehr heterogenes Krankheitsbild, meint Carmen Scheibenbogen, so dass Patienten unterschiedlich behandelt werden müssten. Nicht jeder Patient profitiere zum Beispiel von Sport, genau wie Medikamente wie Ginseng oder Guarana nicht jedem helfen würden. Bei manchen Patienten könnten selbst neuromodulierende Medikamente, etwa das bekannte Ritalin, zu Besserungen führen. „Oft müssen wir einfach ausprobieren muss, was jemandem hilft“, so die Immunologin. In jedem Fall gehe jeder Patient mit einer individuellen Therapieempfehlung nachhause.

 

Es werden auch diganostische Marker untersucht

In der Sprechstunde werden die Patienten darum ausführlich zu ihrer Krankheitsgeschichte befragt. Außerdem werden Blutuntersuchungen angeboten, bei denen etwa Entzündungs- und Stressparameter gemessen werden. In einer begleitenden Studie sollen die Therapieeffekte evaluiert werden. Damit wollen die Charité Ärzte herausfinden, ob die untersuchten Marker diagnostisch einsetzbar sind und vorhersagen können, welche Therapiemaßnahmen am besten greifen. „Vielleicht liefern uns die Ergebnisse ja auch Hinweise auf neue Behandlungsmöglichkeiten“, hofft die Fatigue-Spezialistin.

Die Berliner Krebsgesellschaft hat das Angebot für ein Jahr mit einer fünfstelligen Summe gefördert. Damit es fortgesetzt werden kann, wollen Scheibenbogen und Letsch die Deutsche Krebshilfe von ihrer Arbeit überzeugen. Dafür werden sämtliche Daten zur Wirksamkeit der Sprechstunde gesammelt.

Tumorfatigue-Sprechstunde jeden Montag an der Charité

Die neue Tumorfatigue-Sprechstunde findet wechselweise jeden Montag am Virchow Klinikum im Wedding und am Benjamin Franklin Klinikum in Steglitz statt. Anmeldungen sind erforderlich Tel: (030) 450624103. Weiter Informationen unter: http://immunologie.charite.de/patientenversorgung/immundefekt-ambulanz

Foto: © Antonioguillem - Fotolia.com

Hauptkategorien: Berlin , Medizin
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