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Cannabis: Mehr Psychosen, mehr Rückfälle

Cannabis gilt schon lange als Trigger für Schizophrenie und andere psychotische Störungen. Tatsächlich zeigen Studien: In der kiffenden Community treten dreimal so häufig Psychosen auf wie in der Allgemeinbevölkerung.
Löst Cannabis eine Psychose aus? Ja, sie kann, sagt die Forschung. Das Risiko verdreifacht sich bei regelmäßigem Konsum

Löst Cannabis eine Psychose aus? Ja, sie kann, sagt die Forschung. Das Risiko verdreifacht sich bei regelmäßigem Konsum

Cannabis ist als Entspannungsmittel und Stimmungsaufheller äußerst beliebt. Keine andere illegale Droge wird in Deutschland so oft genutzt wie der Stoff aus der Hanfpflanze, der je nach Verarbeitung Haschisch oder Marihuana heißt. Die offizielle geschätzte Nutzerzahl wird mit 3,11 Millionen Menschen angegeben. Eine beachtliche Zahl. Und fragt man die 18- bis 25-jährigen, gibt jeder sechste an, Cannabis mindestens einmal in den letzten zwölf Monaten geraucht oder auf eine andere Art konsumiert zu haben. Männer nutzen Cannabis öfter als Frauen. Das Verhältnis beträgt etwa 3:2.

Die Drogenbeauftrage Marlene Mortler ist alarmiert. „Regelmäßiges Kiffen ist gerade für Kinder und Jugendliche wirklich gefährlich“, sagt sie. Die Entwicklung einer Cannabisabhängigkeit sei keine Seltenheit „und das Risiko für psychische Störungen, wie etwa Depressionen, Angsterkrankungen und Psychosen erhöht sich.“

Jeder dritte Psychose-Patient kifft

Etliche Belege dafür führt die soeben erschienene Studie CaPRis auf. Das Bundesgesundheitsministerium hat die 500-seitige Übersichtsarbeit in Auftrag gegeben, um die Folgen des Cannabiskonsums schwarz auf weiß dokumentieren zu können.

Dabei zeigt sich eindeutig, dass Cannabis psychotische Störungen wie Schizophrenien triggern kann. Im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung treten Psychosen unter den Cannabis-Nutzern dreimal so häufig auf wie in der Allgemeinbevölkerung. Oder anders ausgedrückt: Wer Cannabis regelmäßig nutzt, hat je nach Konsumverhalten ein bis 2- zu 3,4-fach erhöhtes Risiko zu erkranken. Das zeigt sich auch umgekehrt: Jeder dritte psychotische Patient (33,7%) kifft. In der Allgemeinbevölkerung tun dies nur sechs Prozent.

Das Erkrankungsrisiko hängt laut Studienlage stark von der Intensität der Nutzung sowie vom THC-Gehalt ab. Cannabis kann sowohl eine akute psychotische Störung mit Wahnvorstellungen und Halluzinationen auslösen, als auch zu einer manifesten Psychose führen. Hier differenzieren die Studien nicht immer genau. Andererseits zeigen Untersuchungen, dass Cannabisnutzer eine doppelt so hohe Rückfallquote haben. Außerdem sind bei ihnen die psychotischen Symptome stärker ausgeprägt und die Behandlung im Krankenhaus dauert länger. Die Prognose ist insgesamt ungünstiger. 

 

Je jünger, desto gefährlich wird Cannabis fürs Gehirn

Und noch etwas zeigt die aktuelle Forschung: Bei Cannabis-Nutzern bricht die Psychose im Schnitt 2,7 Jahre früher aus als bei anderen. Das könnte damit zusammenhängen, dass Cannabis empfindlich in die Hirnentwicklung eingreift. Das Gehirn ist erst frühestens mit 21 Jahren ausgereift. Wird vorher reglmäßig gekifft, führt das zu strukturellen Veränderungen in bestimmten Hirnregionen, wo besonders viele Cannabinoid-Rezeptoren sitzen. Tatsächlich wurden solche hirnstrukturellen Veränderungen schon auf MRT-Bildern nachgewiesen. Die Warnung, dass Cannabis für Kinder und Jugendliche besonders gefährlich ist, hat also ein solides wissenschaftliche Fundament.

Psychose nach einmal Kiffen

Psychotische Störungen haben natürlich immer mehrere Ursachen. Studien rechnen die anderen potenziellen Risikofaktoren deshalb immer heraus. Bis heute ist nicht ganz geklärt, was letztlich die genauen Auslöser sind. Meist kommen zu einer genetischen Disposition noch weitere Risikofaktoren hinzu. Cannabis ist einer von ihnen. Manche Menschen hat schon das „erste Mal“ in eine Psychose geführt. Ein hoher Preis für einen Joint.

Foto: © guruXOX - Fotolia.com

Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Berlin , Medizin
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