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Burnout oder Depression? Experte erklärt Unterschied

Ein Burnout ähnelt in vielem einer Depression. Doch es gibt Unterschiede. Auch die Behandlungsstrategien unterscheiden sich.
Erschöpft: Wer Stress schlecht verarbeitet, kann ein Burnout entwickeln

Erschöpft: Wer Stress schlecht verarbeitet, kann ein Burnout entwickeln

Fehlzeiten und Frühverrentungen wegen psychischer Erkrankungen haben in den letzten Jahren stark zugenommen. Eine Erklärung ist, dass psychische Erkrankungen heute weniger tabuisiert werden und sich darum mehr Menschen „outen“. Aber auch der Druck in der Arbeitswelt ist gestiegen  – trotz oder vielleicht sogar wegen flexiblerer Arbeitszeiten. Ständige Erreichbarkeit ist die Kehrseite der Medaille, hinzukommt, dass immer mehr Menschen mehrere Jobs machen müssen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Diese Konstellation treibt immer mehr Menschen in ein Burnout. Insbesondere Alleinerziehende und Manager sind gefährdet. Grundsätzlich kann das Gefühl der chronischen Überforderung und Erschöpfung aber jeden treffen.

Burnout ist Folge von Stress

„Während die einen den empfundenen "chronischen Stress" erstaunlich mühelos wegstecken und selbst in den brenzligsten Situationen ihre emotionale Kontrolle behalten, brechen andere bereits unter weitaus geringeren Anforderungen regelrecht zusammen“, erläutert Dr. Bastian Willenborg, Chefarzt der Oberbergklinik Berlin/Brandenburg die individuelle psychischen Widerstandskraft. Auch gebe es Unterschiede bei den Strategien der Stressbewältigung. Labilere Menschen versuchten häufig den Schein zu wahren und ihre zunehmenden Beschwerden mit Beruhigungs- und Schlaftabletten, Aufputschmitteln oder Alkohol zu kompensieren. „Aber das geht in der Regel schief - und so nehmen sie Kurs auf ein Burnout-Syndrom und Stressfolgeerkrankungen“, weiß der Facharzt für Psychiatrie und psychosomatische Medizin.

Ein Burnout ist demnach von drei Hauptsymptomen gekennzeichnet:

  • starke körperliche und seelische Erschöpfung
  • Zynismus gegenüber der Arbeit, Kollegen oder Kunden
  • Ineffektivität des beruflichen Handelns und Verlust der beruflichen Kompetenz

Vor selbsternannten Coachs und Burnout-Beratern warnt Experte Willenborg. Sie suggerierten, dass Wellness-Angebote und gesundes Essen, Sport und Yoga, Entspannungs- und Atemübungen und ein vernünftiges Zeitmanagement ausreichten, ein Burnout-Syndrom zu eliminieren. Doch damit sei es nicht getan. "Es ist nicht sinnvoll, nur an den Symptomen bzw. Beschwerden herumzudoktern und die chronisch erschöpften Menschen lediglich darauf vorzubereiten, die krankmachenden Konstellationen weiterhin zu tolerieren, um dann wieder in die "Stress-Spirale" zurückzukehren“, sagt Willenborg.

Störungsspezifische Behandlungskonzepte nötig

Was Burnout-Betroffene brauchten, seien störungsspezifische Behandlungskonzepte von Ärzten und andere professionelle Therapeuten. Damit würden nicht nur die Ressourcen der Patienten verbessert, sondern auch überdauernde ungünstige "Muster" erkannt und verstanden. „Es geht darum, dass nach der Therapie ein verändertes Umfeld zur Verfügung steht, dem sich die Patienten gewachsen fühlen“, sagt der Burnout-Experte. dadurch werde das Risiko eines wiederkehrenden Burnout-Syndroms mit seinen Folgeerkrankungen minimiert.

 

Abgrenzung zur Depression

Ein Facharzt oder Psychotherapeut wird zudem eine klare Diagnose stellen. Da es zwischen einem Burnout und einer Depression viele Überschneidungen gibt, werden die beiden Krankheitsbilder oft verwechselt. So treten Antriebslosigkeit, Schwermut, niedergedrückte Stimmung oder starke, erhöhte Müdigkeit sowohl beim Burnout als auch einer Depression auf. Auch flüchten Betroffene häufig in eine soziale Isolation.

Doch aus medizinisch-wissenschaftlicher Sicht ist ein Burnout-Syndrom nicht gleichbedeutend mit einer Depression oder einer anderen psychischen Erkrankung, weiß Dr. Bastian Willenborg. Ständige Gereiztheit sei symptomatisch für ein Burnout-Syndrom, nicht aber für eine Depression. Dagegen tauchten bei Depressiven wiederum Symptome auf, die über das Burnout-Syndrom hinausgingen. „Zum Beispiel ein vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen oder Suizidgedanken“, sagt Willenborg. „Und während ein Burnout-Betroffener sich im Inneren häufig nach etwas sehnt, "was er früher gerne gemacht hat", können depressive Menschen keine Lust dabei empfinden, überhaupt etwas zu unternehmen.“

Burnout wohl bald eigenständiges Krankheitsbild

Noch ist das Burnout-Syndrom nicht als eigenständige Erkrankung anerkannt. laut Willenborg könnte sich das mit der überarbeiteten Klassifikation von Erkrankungen der Weltgesundheitsorganisation (ICD-11) ändern: Künftig werde der verbreitete Belastungszustand voraussichtlich als Erkrankung mit drei Symptombereichen: Erschöpfung, negative Haltung zur eigenen Arbeit und reduziertes berufliches Leistungsvermögen - ausschließlich aufgrund von chronischem Stress am Arbeitsplatz, der nicht erfolgreich verarbeitet wird, definiert. Die ICD 11 der WHO wird  im Jahr 2022 erscheinen.

Foto: Oberbergkliniken GmbH/ pexels.com

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
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