. Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz

Bundesländer wollen Schmerzversorgung verbessern

Die Versorgung von Schmerzpatienten in Deutschland soll verbessert werden. Darauf haben sich die Gesundheitsminister der Bundesländer bei ihrer Konferenz in dieser Woche verständigt. Einstimmig beschlossen sie eine Stärkung der schmerzmedizinischen Versorgung.
Die Versorgung von Patienten mit Schmerzen liegt im Argen

Mehr als jeder Vierte in Deutschland klagt über chronische Schmerzen.

Der Beschluss sieht unter anderem vor, dass strukturiertes Schmerzmanagement in Krankenhäusern auf die Dauer zu einem Qualitätskriterium wird, das auch bei der Krankenhausplanung Berücksichtigung findet. Dazu sind aber einige vorbereitende Schritte nötig. So muss der Gemeinsame Bundesausschuss zunächst Qualitätskriterien für ein strukturiertes Akutschmerzmanagement entwickeln. Darum bittet ihn die Gesundheitsministerkonferenz (GMK) mit ihrem Beschluss förmlich.

Gesundheitsminister: Schmerzmanagement reicht bisher nicht

Die GMK begrüßte mit dem Beschluss, dass eine Reihe von Krankenhausträgern Strukturen für eine interdisziplinäre und interprofessionelle Schmerztherapie in ihren Häusern geschaffen haben, und dass die Zahl der niedergelassenen Schmerztherapeuten zugenommen hat. „Sie erkennt zugleich, dass die bisherigen Bemühungen nicht ausreichen, ein adäquates Schmerzmanagement flächendeckend im ambulanten und stationären Bereich zu gewährleisten“, so der Beschluss im Wortlaut. Dort heißt es weiter, die GMK erwarte von den in den Krankenhäusern Verantwortlichen, dass sie eine qualifizierte Versorgung und Begleitung schmerzkranker Menschen sowohl während eines stationären Aufenthaltes als auch beim Übergang in ambulante oder rehabilitative Nach- und Weiterbehandlung interdisziplinär und intersektoral gewährleisten.

Schmerzgesellschaft: Beschluss ist gute Grundlage

Der Präsident der Deutschen Schmerzgesellschaft Professor Michael Schäfer bewertet den Beschluss als gute Grundlage. „Das Gesundheitswesen sollte für die Schmerzpatienten da sein und nicht umgekehrt. Deshalb begrüße ich sehr, dass die Gesundheitsministerkonferenz von Bund und Ländern in ihrer aktuellen Sitzung sich klar für nötige Schritte zur Stärkung der Schmerzmedizin ausspricht“, so Schäfer. Er selbst drängt vor allem auf die Erarbeitung und Verankerung von Schmerz-Qualitätsindikatoren in der Krankenhausversorgung und deren verstärkte Zertifizierung.

Auch gute Vorgaben im Rahmen der Krankenhausplanung der Länder, und die Sicherstellung einer angemessenen Versorgung im ambulanten Bereich mit interdisziplinärer Vernetzung und Qualitätssicherung hält Schäfer für nötig. Zudem bieten die Erarbeitung eines „DMP Rückenschmerz“ und das gesetzlich beschlossene Zweitmeinungsverfahren nach Auffassung der Schmerzgesellschaft Chancen für Schmerzpatienten. Auch im Bereich der Pflege gebe es gute Konzepte und Standards, die mehr als bisher in den Einrichtungen umgesetzt werden könnten.

2,2 Millionen Schmerzkranke in Deutschland

Etwa 23 Millionen Deutsche (28 %) berichten nach Angaben der Deutschen Schmerzgesellschaft über chronische Schmerzen. 95 Prozent von ihnen leiden nicht an tumorbedingten Schmerzen. Rund sechs Millionen Schmerzpatienten weisen einen chronischen, nicht tumorbedingten, beeinträchtigenden Schmerz auf. Als schmerzkrank mit chronischen, nicht tumorbedingten, stark beeinträchtigenden Schmerzen und begleitenden psychischen Beeinträchtigungen gelten 2,2 Millionen Menschen in Deutschland.

Foto: Photographee.eu - Fotolia.com

Hauptkategorie: Gesundheitspolitik

Weitere Nachrichten zum Thema Schmerzversorgung

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Die Leber ist das wichtigste Organ für den Stoffwechsel und die Entgiftung des Körpers. Ungesunde Ernährung, Übergewicht, zu wenig Bewegung und übermäßiger Alkoholkonsum können die Leber jedoch nachhaltig beeinflussen – eine Fettleber droht.
Immer mehr Menschen und Waren reisen um die Welt – und mit ihnen Krankheitserreger. Auch in Industrieländern sind scheinbar überwundene Infektionskrankheiten wieder auf dem Vormarsch. Ein Netzwerk deutscher Wissenschaftler warnt vor einer „post-antibiotischen Ära“, in der harmlose Krankheiten tödlich enden können, weil Antibiotika nicht mehr wirken, und fordert eine Intervention der Politik.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender

KZV Berlin, großer Sitzungssaal, Georg-Wilhelm-Straße 16, 10711 Berlin
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Prof. Hendrik Streeck leitet Deutschlands erstes Institut für HIV-Forschung am Universitätsklinikum Duisburg-Essen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem US-Rückkehrer über sein größtes Ziel gesprochen: eine präventive Impfung gegen HIV.
Die Fronten zwischen Gegnern und Befürwortern der Homöopathie sind verhärtet. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Homöopathie-Kritikerin Dr. med. Natalie Grams über wissenschaftliche Prinzipien und den verbreiteten Wunsch nach medizinischen Alternativen gesprochen.
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.