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Bund und Länder verabschieden Masterplan Medizinstudium 2020

Nach langem Ringen haben Bund und Länder am Montag den Masterplan Medizinstudium 2020 verabschiedet. Danach soll das Medizinstudium praxisorientierter werden. Doch es gibt auch Kritik.
Der Masterplan „Medizinstudium 2020“: Reform nimmt auch den Ärztemangel den Blick

Der Masterplan Medizinstudium 2020: Reform nimmt auch den Ärztemangel den Blick

Der Masterplan Medizinstudium 2020 steht. Am Montag wurde das Papier in Berlin von Bund und Ländern verabschiedet. Darin sind 41 Maßnahmen festgehalten, die einer kompetenzorientieren, praxisbezogenen und patientennähen Ausbildung Rechnung tragen sollen. So sollen etwa kommunikative und wissenschaftliche Kompetenzen der angehenden Mediziner ebenso wie die Allgemeinmedizin gestärkt werden.

Vertreter der Branche sind erleichtert, dass es überhaupt zu einer Einigung gekommen ist, denn die Gesundheitsministerkonferenz und die Kultusministerkonferenz konnten sich monatelang nicht auf einen gemeinsamen Text einigen. „Damit wird wieder ein konstruktiver Dialog mit den medizinischen Fächern und Fakultäten möglich, der seit über einem Jahr unterbrochen war“, sagte der Präsident der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF) Prof. Rolf Kreienberg.

Reform gegen den Ärztemangel

Auch Bundesärztekammer-Präsident Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery begrüßte den Masterplan. „Wer den Ärztemangel bekämpfen will, muss bereits im Medizinstudium ansetzen. Deshalb ist es gut, dass die Reform des Medizinstudiums mit der heutigen Einigung endlich in Angriff genommen werden kann“, sagte er am Montag. Viele Forderungen der Ärzteschaft wie veränderte Auswahlverfahren, Stärkung der kommunikativen Kompetenz sowie mehr Praxisorientierung des Studiums seien von der Politik aufgegriffen worden.

Kritik am Masterplan Medizinstudium 2020

Dass sich Bund und Länder nicht über eine klare und langfristige Finanzierungsvereinbarung einigen konnten, sei dagegen enttäuschend. „Offenbar auf Betreiben der Länder wurde die vollständige Umsetzung des Masterplans unter Haushaltsvorbehalt gestellt. Dadurch fehlen klare Vorgaben für wichtige Bereiche“, kritisierte Montgomery. Enttäuscht zeigte sich der Bundesärztekammer-Präsident auch darüber, dass die dringend erforderliche Erhöhung der Studienplatzkapazitäten auf unbestimmte Zeit vertagt worden ist und es zur bundesweiten Etablierung von Lehrstühlen für Allgemeinmedizin keine verbindlichen Vorgaben gibt. „Hier bleibt der Masterplan vage und sieht lediglich eine Soll-Bestimmung vor. Bloße Absichtserklärungen bringen uns jedoch nicht weiter“, so Montgomery.

Die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler äußerte sich dagegen durchweg positiv. Mit der Verabschiedung des Masterplans Medizinstudium 2020 seien die Weichen für eine neue Ärztegeneration gestellt worden, sagte sie. Zudem sieht sie im Masterplan das Instrument gegen den Ärztemangel. „Nie war eine Reform der Medizinerausbildung notwendiger und nie waren ihre mit dem Masterplan geschaffenen Grundlagen besser“, so Bätzing-Lichtenthäler

Foto: © Robert Kneschke - Fotolia.com

 
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Berlin
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