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18.03.2016

Brustkrebs: Gentest kann Chemotherapie ersparen

Ein Gentest kann Frauen, die an Brustkrebs erkrankt sind, eine überflüssige Chemotherapie ersparen. Er sagt bei Patientinnen vorher, wie hoch das Rezidiv-Risiko nach der OP ist.
Eine Chemotherapie nach der OP muss nicht in jedem Fall sein

Einige Brustkrebs-Patientinnen könnten auf eine Chemotherapie verzichten

Das ist das Ergebnis der PlanB-Studie, die die Westdeutsche Studiengruppe aus Mönchengladbach auf der 10. European Breast Cancer Conference vorstellte. Danach waren 94 Prozent der Frauen, für die dem Gentest zufolge ein geringes Risiko bestand, fünf Jahre nach dem ersten Auftreten der Krankheit noch gesund.

An der Studie nahmen 3.198 Frauen teil, bei denen zwischen 2009 und 2011 Brustkrebs im Frühstadium diagnostiziert worden war, der Krebs hatte höchstens drei Lymphknoten befallen und war Hormonrezeptor-positiv und HER2-negativ. Die Frauen waren im Schnitt 56 Jahre alt. Der Tumor wurde bei allen operativ entfernt.

Brustkrebs: Bei niedrigem Risiko nur Hormontherapie

Die 21-Gen Recurrence Score (RS) analysiert im Tumorgewebe eine Gruppe von 21 Genen. Die können darüber Auskunft geben, wie der Krebs auf die Behandlung reagiert und wie aggressiv er ist. Die Ergebnisse liegen im Bereich von 0 bis 100. Für die Untersuchung wurden Patienten mit einer Punktzahl von 11 oder weniger mit einem niedrigen Rezidiv-Risiko eingestuft – auch wenn andere klinische Indikatoren wie Lymphknotenstatus, Grad, Tumorgröße oder das jüngere Alter ein höheres Risiko bescheinigten.

Die Auswertung des Gentests dauerte circa 8 bis 10 Tage. Bei 348 Patientinnen (15,3 Prozent) mit einer Punktezahl von höchstens 11 wurde dann auf die ergänzende Chemotherapie verzichtet. Sie erhielten nur eine Anti-Hormontherapie. Die anderen Patienten mit einem RS von mehr als 11, ab vier befallenen Lymphknoten oder Hormonrezeptor-negativem Krebs wurden mit meinem mittleren bis hohem Risiko bewertet und erhielten eine Chemotherapie.

 

Brustkrebs: Gentest kann Frauen Chemotherapie ersparen

Nach einem Follow-up von 55 Monaten waren 94 Prozent der Patientinnen, die nur die Anti-Hormontherapie erhielten, noch am Leben und ohne erneuten Brustkrebs. Bei den Patientinnen mit mittlerem Risiko, die eine adjuvante Chemotherapie erhielten, hatten auch 94 Prozent krankheitsfrei überlebt. Bei den Patientinnen mit hohem Risiko (RS mehr als 25) hatten 84 Prozent überlebt.

Der Gentest lieferte dabei eine zuverlässigere Vorhersage über das Rezidiv-Risiko als etablierte Marker wie Lymphknotenstatus, Tumorgröße, Brustkrebs-Grad oder die Bildung des Ki67-Proteins. Er sollte daher Eingang in die klinische Praxis finden, so das Fazit von Dr. Oleg Gluz und Prof. Nadia Harbeck von der Westdeutschen Studiengruppe. Sie werden die PlanB-Patientinnen noch bis zu zehn Jahre weiter beobachten.

Brustkrebs: Weitere Studie soll Prognose noch sicherer machen

Außerdem planen die Wissenschaftler eine weitere Studie, bei der mehr als 4.000 Patientinnen bereits vor der Operation eine antihormonelle Therapie erhalten und das Ansprechen des Tumors darauf bewertet wird. In Kombination mit dem Gentest könnte das 50 bis 60 Prozent der Frauen, bei denen ein Brustkrebs im Frühstadium diagnostiziert wird, helfen, auf die adjuvante Chemotherapie zu verzichten, sagt Dr. Gluz.

Foto: Sherry Young

 

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