. Neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff

Blaupause für die Pflegereform

Der Expertenbeirat hat dem Bundesgesundheitsminister den Bericht zur Ausgestaltung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs vorgelegt: Empfehlungen für die Grundzüge und den Zeitplan einer Pflegereform. Doch wie viel Geld das kosten soll, dazu hat sich der Minister nicht positioniert.

Pflegebedürftigkeitsbegriff: Grundlage für den Systemwechsel in der Pflege

Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff und ein neues Begutachtungsverfahren sollen die knappen Ressourcen in der Sozialen Pflegeversicherung gerechter verteilen und sowohl somatische als auch kognitive Beeinträchtigungen angemessen berücksichtigen. Konkret sollen die immer zahlreicheren Menschen mit Demenz mehr Geld aus den Pflegekassen bekommen.

Abschaffung der drei Pflegestufen

Der Beirat empfiehlt die Schaffung eines neuen Begriffs der Pflegebedürftigkeit, der fünf Pflegegrade anstelle der bisherigen drei Pflegestufen umfasst. Er verzichtet jedoch auf die Festlegung von Leistungshöhen bei den neuen Pflegegraden und lässt damit eine Kernfage offen. Damit umschiffen die Autoren die fehlende politische Vorgabe, in welchem Umfang zusätzliche Mittel für die Pflege ausgegeben werden sollen. Beiratsmitglieder hatten im Vorfeld kritisiert, dass beim Teilleistungssystem Soziale Pflegeversicherung die Frage danach, wie viel ausgegeben werden darf, keine fachliche, sondern eine politische Frage sei. Insbesondere wegen des Fehlens eines solchen Finanzrahmens hatte der Vorsitzende des alten Beirats, Dr. Jürgen Gohde, im Herbst 2011 erklärt, dass er für eine Neuauflage nicht mehr zur Verfügung stehe.

Streit um Mehrkosten

Die Vorsitzenden des Pflegebeirats der Regierung, Klaus-Dieter Voß und Wolfgang Zöller, bestätigten bei der Übergabe des Berichts, notwendige Mehrausgaben  von zwei Milliarden Euro. SPD-Gesundheitsexperte Prof. Karl Lauterbach rechnet dagegen mit 5 Millarden Euro.

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr verwies darauf, dass nun eine fachlich fundierte Grundlage für einen Systemwechsel in der Pflege vorliege und bezog sich ausdrücklich auf eine „Roadmap“, in der die Autoren skizzieren, dass ab Inkrafttreten des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs das neue Leistungsrecht erst nach mindestes 18 Monaten angewendet werden könne.

Der Beirat geht davon aus, dass bei Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs zusätzlich rund 200.000 Menschen, die bisher keine Leistungen erhalten haben, dem Pflegegrad 1 zugeordnet werden. Derzeit erhalten rund 2,4 Millionen Menschen in Deutschland Leistungen aus der Pflegeversicherung. Verschlechterungen gegenüber dem Status Quo solle es nicht geben, fordert der Bericht. Für alle jetzt Pflegebedürftigen müsse ein „Bestandsschutz“ gelten. Zudem spricht sich der Beirat für die Beauftragung weiterer empirischer Studien aus, um häusliche Bedarfe in der Pflege zu ermitteln.

Foto: BMG/ Dedeke

Autor:
Hauptkategorien: Demografischer Wandel , Pflege

Anzeige
 

Weitere Nachrichten zum Thema Pflege

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Probiotika werden eine Reihe positiver Wirkungen auf unsere Gesundheit nachgesagt. Nun fanden Forscher heraus: Die „guten“ Keime können in falscher Zusammensetzung oder zu hoher Menge durchaus schwerwiegende Nebenwirkungen haben.
Ein Forscher-Team hat in Deutschland Zecken der in den Tropen beheimateten Gattung Hyalomma gefunden. Eine der Zecken trug den Zecken-Fleckfieber-Erreger in sich. Die Experten befürchten, dass sich die gefährliche Art auch hierzulande ausbreiten könnte.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Anzeige
 

. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

St. Joseph Krankenhaus Berlin-Tempelhof, Wüsthoffstraße 15, 12101 Berlin, Konferenzraum1
. Interviews
Dr. Iris Hauth, Chefärztin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin-Weißensee, berichtet in Ihrem Buch "Keine Angst!" über Ursachen und Behandlung von Depressionen - und wie man sich davor schützen kann.
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.
Noch zu wenige Versicherte nehmen die Darmkrebsvorsorge wahr. Die AOK Nordost geht deshalb neue Wege. Stefanie Stoff-Ahnis, Mitglied der Geschäftsleitung der AOK Nordost und verantwortlich für das Ressort Versorgung, erläutert das Engagement, das soeben mit dem Felix Burda Award ausgezeichnet wurde.