. Berliner Institut für Gesundheitsforschung

BIH Chef Böttinger setzt Digitalisierung auf die Agenda

Kein Auto fährt mehr ohne und selbst in modernen Kaffeemaschinen sind Computerchips eingebaut. Doch in der Medizin geht der digitale Wandel eher schleppend voran. Das Berliner Institut für Gesundheitsforschung – BIH könnte jetzt Bewegung in die Sache bringen.
BIG Data in der Medizin: Eines der Top-Themen für das Berliner Institut für Gesundheitsforschung / Berlin Institute of Health (BIH)

BIG Data in der Medizin: Eines der Top-Themen für das Berliner Institut für Gesundheitsforschung / Berlin Institute of Health (BIH)

„Die Schlacht ist noch nicht geschlagen“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem Forschungsgipfel 2016 mit Blick auf die Innovationsfähigkeit Deutschlands. Es sei im Augenblick nicht einfach zu sagen, in welchen Bereichen Deutschland top sei und „wo Kompetenz eingekauft werden muss.“ Die Kanzlerin, die kürzlich das Internet noch als „Neuland“ bezeichnete, tat sich sichtlich schwer damit, Deutschlands Platz im internationalen Vergleich richtig einzuschätzen, zumal es beim Gipfel am 12. April ausschließlich um die Digitalisierung in Wirtschaft und Wissenschaft ging.

Einer, der die Diskussion aufmerksam verfolgte, war Prof. Dr. Erwin Böttinger. Seit November leitet er das Berliner Institut für Gesundheitsforschung, ein Zusammenschluss von Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) und Charité in einem Institut. „Nur wer Daten hat, kann auch Mehrwert schaffen“, sagt er. Und damit meint der Wissenschaftler und Mediziner, der bislang das Charles Bronfman Institute für Personalisierte Medizin in New York leitete, nicht das selbstfahrende Auto. Böttinger geht es um biomedizinische Gesundheitsdaten – um Big Data in der Medizin. Auf diesem Gebiet sei in Deutschland noch einiges zu tun, erklärt der Professor für Personalisierte Medizin. „Deutschland hat in der medizinischen Informatik noch einen erheblichen Nachholbedarf.“

Transfer von Wissen basiert auf Daten

Dabei setzt Böttinger mit seinem Berlin Institute of Health (BIH) gerade auf die neuen technologischen Möglichkeiten wie zum Beispiel Stammzelltechnologien und eben auch die Digitalisierung. Denn soll das Wissen aus der Grundlagenforschung tatsächlich schneller zum Patienten kommen, wie es sich das BIH vorgenommen hat, ist ein Datenaustausch unerlässlich, und zwar in großem Stil. Anders als beim selbstfahrenden Auto geht es hierbei aber hauptsächlich um sensible Patientendaten. Und Deutschland ist nicht gerade für einen leichtfertigen Umgang damit bekannt.

Dass der deutsche Datenschutz auch dem BIH in die Quere kommen könnte, ist herauszuhören, wenn Vorstandschef Böttinger sagt, „dass die gesetzlichen Vorgaben den Datenaustausch zwischen Klinik und Forschung schwierig machen.“ Deshalb fordert er einen Diskurs in Gesellschaft und Politik ein, um einen Konsens in der Balance zwischen Schutz des Individuums und Recht des Einzelnen auf Fortschritt zu finden. „Schließlich wollen wir mit dem BIH ein Ökosystem der Innovationen schaffen“, betont er „und die Digitalisierung der Gesundheitsforschung und -versorgung spielt darin eine ganz große Rolle.“

Digitalisierung ist Mittel zum Zweck für eine bessere Medizin

Einem Mann wie Böttinger traut man zu, dass er beim Thema Digitalisierung tüchtig aufs Gaspedal treten kann, wobei Big Data letztlich auch nur ein Mittel zum Zweck ist. Langfristig will das Institut eine bessere Gesundheitsversorgung erreichen, also bessere und vor allem präzisere Diagnostik- und Behandlungsmöglichkeiten entwickeln. Ob das nun auf dem Gebiet der Krebsforschung, der Herz-Kreislauf- oder der Alzheimerforschung geschieht, darauf will sich Vorstandschef Böttinger nicht festlegen. Man werde einzelne Zukunftsthemen bearbeiten, verrät er nur. Alles andere werde gerade in einem Strategiepapier festgeschrieben, das erst im Sommer veröffentlicht werden soll.

Diese langfristige Strategie soll dann im Wesentlichen den Kurs des BIH bestimmen, auf dem das Institut international sichtbar werden und einen Mehrwert für Patienten schaffen kann. Böttinger denkt da an einen Zeitraum von mindestens zehn Jahren. „Wenn wir bis dahin zum Beispiel zwei oder drei neue Therapien für bislang schwer behandelbare Erkrankungen in die klinische Anwendung bekämen, wäre das ein riesen Erfolg“, sagt er, „für die betroffenen Menschen, aber natürlich auch für das BIH.“

Foto: © scandinaviastock - Fotolia.com

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