Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
12.02.2021

Bewegungs-Programm gegen Kreuzschmerzen hilft besser als Routine-Training

Chronische Kreuzschmerzen, also Schmerzen im unteren Rücken, beeinträchtigen Alltagsaktivitäten und Lebensqualität. Ein individuelles Bewegungs-Programm hilft besser gegen die Beschwerden als ein Routine-Training.
Ein individuell zugeschnittenes Bewegungsprogramm erwies sich als hilfreich gegen Kreuzschmerzen

Chronische Kreuzschmerzen, also Schmerzen im unteren Rücken, können Alltagsaktivitäten einschränken und die Lebensqualität beeinträchtigen. Mit einem individuellen Bewegungs-Programm lassen sich die Beschwerden besser in den Griff kriegen, zeigen Forscher der Washington University School of Medicine in St. Louis.

Sie entwickelten das "Motor Skills Training" (MST). Es wurde an fast 150 Patienten erprobt und mit einem Routine-Training verglichen, das sich weitgehend auf die Verbesserung von Kraft und Flexibilität konzentrierte.

Standardisierte Therapie für chronische Kreuzschmerzen fehlt

Laut Studienleiterin Linda Van Dillen, Professorin für Physiotherapie, leiden 60 bis 80 Prozent der US-Erwachsenen an Schmerzen im unteren Rückenbereich. Fast die Hälfte von ihnen erlebte bis zum 30. Lebensjahr eine schwere Episode. Es gibt jedoch keine standardisierte Behandlung von Patienten mit chronischen Kreuzschmerzen - und auch keine klare Vorstellung davon, welche Art von Intervention am besten funktionieren könnte.

Das Team um Van Dillen wählte Patienten aus, bei denen "unspezifische" Schmerzen im unteren Rückenbereich diagnostiziert wurden. Das heißt, sie haben Verspannungen, Steifheit und/oder Schmerzen im unteren Rückenbereich, für die es keine eindeutige Ursache gibt.

 

Schmerzfreie Bewegungsabläufe vorschlagen

Vor Beginn der Studie hatten alle Teilnehmer mindestens ein Jahr lang mit Rückenschmerzen zu kämpfen und litten an mindestens drei durch die Schmerzen bedingten Funktionseinschränkungen. Die Teilnehmer im Alter von 18 bis 60 Jahren wurden zufällig in zwei Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe erhielt eine übliche Kraft- und Beweglichkeitstherapie für Rumpf und untere Gliedmaßen.

Die andere Gruppe nahm an MST teil. Das Programm zielt darauf ab, Körperhaltung und Bewegungsabläufe des Patienten während eines Tages zu erfassen und alternative, weniger schmerzhafte Bewegungsroutinen vorzuschlagen, statt der Wirbelsäule zum Beispiel das Hüftgelenk und andere Muskeln zu beanspruchen.

Bewegungs-Programm gegen Kreuzschmerzen hilft

Beide Gruppen erhielten sechs Wochen lang eine Stunde pro Woche Training. Die Hälfte jeder Gruppe erhielt sechs Monate später drei "Booster"-Behandlungssitzungen. Fragebögen zu den Einschränkungen wurden zu Beginn sowie nach sechs Monaten und einem Jahr ausgefüllt.

Während sich die Fähigkeit beider Gruppen, tägliche Funktionen ohne Schmerzen auszuführen, verbesserte, zeigte die MST-Gruppe signifikant weniger Einschränkungen im Alltag. Sie war mit ihrer Therapie zufriedener und verwendete seltener Medikamente gegen Rückenschmerzen. Das individuelle Bewegungs-Programm gegen Kreuzschmerzen hilft also besser als die Routine-Übungen.

Weniger Angst vor arbeitsbedingten Belastungen

Die Teilnehmer aus der MST-Gruppe hatten weniger Angst, sich arbeitsbedingten Belastungen zu unterziehen und vermieden seltener alltägliche Aktivitäten. Sechs Monate später hatten MST-Patienten weniger Rückenschmerzen und waren eher in der Lage, mit Alltags-Anforderungen umzugehen. Flammten nach einem Jahr die Rückenschmerzen wieder auf, waren sie weniger gravierend. Die Studie wurde im Fachblatt JAMA Neurology veröffentlicht.

Foto: Adobe Stock/Fizkes

Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Bewegungstherapie
 

Weitere Nachrichten zum Thema Kreuzschmerzen

02.09.2020

Kreuzschmerzen sind weit verbreitet und werden häufig sogar chronisch. Pilates kann die Beschwerden lindern – das haben Forscher gezeigt. Allerdings wirkt das Training nur, wenn es regelmäßig durchgeführt wird.

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Saubere Hände sind nicht nur in der Corona-Pandemie wichtig. Zahlreiche Erkrankungen lassen sich mit gründlicher Händehygiene vermeiden: Erkältungen, Magen-Darm-Probleme – und sogar Wurm-Erkrankungen. Mit kreativen Ideen kann man Kinder dazu motivieren, dass Hände waschen für sie in bestimmten Situationen des Alltags zum festen Ritual wird.

Seit August ist bekannt, dass die Impfquote in Deutschland höher ist als dem Robert Koch Institut gemeldet. Nun rechtfertigt das RKI die Untererfassung, die nach neusten Schätzungen fünf Prozentpunkte beträgt. Das Digitale Impfquotenmonitoring sei als Mindestimpfquote zu verstehen.

 
Interviews
Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.

Logo Gesundheitsstadt Berlin