. Stadtmission

Berlin hat jetzt eine Clearingstelle für Menschen ohne Krankenversicherung

In Berlin leben schätzungsweise 60.000 Menschen ohne Krankenversicherung. Betroffene können sich neuerdings an die Stadtmission in der Lehrter Straße wenden. Dort wurde gerade eine Clearingstelle für Menschen mit ungeklärtem Krankenversicherungsschutz eröffnet.
Clearingstelle, keine Krankenversicherung

Armut nimmt zu: Die Clearingstelle bei der Berliner Stadtmission hilft Menschen ohne Krankenversicherung

Arm, obachlos, arbeitslos, geflüchtet oder einfach nur nachlässig – es gibt viele Gründe, warum jemand nicht krankenversichert ist. Bei Krankheit oder Unfällen kann das bitter werden. Denn wer kommt dann für die Arzt- oder Krankenhauskosten auf? Hilfe verspricht die Clearingstelle für Menschen mit ungeklärtem Krankenversicherungsschutz des Berliner Senats. Sie befindet sich im „Zentrum am Hauptbahnhof“ der Stadtmission in der Lehrter Straße und hat ihre Arbeit am 9. Oktober aufgenommen.

Anspruch auf Krankenversicherung

Laut Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kolat wurde das neue Angebot bereits gut angenommen. „Die Clearingstelle hat als Anlaufstelle die Aufgabe, jenen Menschen, die durch das Raster unseres Gesundheitssystems gerutscht sind, zu ihrem Recht auf eine Krankenversicherung zu verhelfen“, sagte sie bei der offiziellen Eröffnung am Montag. „Ich freue mich, bereits einigen Betroffenen geholfen werden konnte.

Schätzungen zufolge leben in Berlin 60.000 Menschen ohne Krankenversicherung, darunter sind nicht nur Arme und Obdachlose, sondern auch Selbständige und Studenten, die etwa eine private Krankenversicherung mit sehr eingeschränkten Leistungen haben. Jeder vierte bis fünfte §ohne Krankenversicherung“ gilt als „versicherbar“.

 

Clearingstelle prüft alle Möglichkeiten

Die Clearingstelle steht allen Betroffenen zur Verfügung, Deutschen genauso wie Ausländern mit oder ohne Aufenthaltsanspruch. Die Mitarbeiter dort prüfen alle Möglichkeiten eines Leistungsanspruches und bieten Unterstützung und Begleitung für weitere Schritte an. Dazu gehört auch die enge Zusammenarbeit mit der Beratungsstelle für Migranten beim Berliner Integrationsbeauftragten und dem Willkommenszentrum Berlin.

„Wir erleben täglich, dass Menschen aufgrund ihres ungeklärten Krankenversicherungsschutzes entweder keine ärztliche Versorgung in Anspruch nehmen oder nur ungenügend versorgt werden“, sagt Martin Zwick, Vorstand der Berliner Stadtmission. Somit könne die Clearingstelle für betroffene Menschen sogar lebensverlängernd wirken. „Wir sind dankbar, dass damit eine weitere qualifizierte Hilfe in dem Netz von Unterstützungen für arme Menschen in dieser Stadt angeboten wird.“

Für die Clearingstelle stehen bis Ende 2019 insgesamt drei Millionen Euro zur Verfügung.

Foto: pixabay

Autor: ham
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Berlin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Krankenkassen , Flüchtlinge
 

Weitere Nachrichten zum Thema Armut

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Dank Corona-Krise ist die Luft in Städten besser geworden. Die Verwendung von umwelt- und klimaschädlichen Einwegverpackungen ist dagegen in die Höhe geschnellt. Jeder Kaffee aus einem plastikbeschichteten Pappbecher ist ein Kontakt zu Chemikalien, die gesundheitsschädlich sind, warnt die Deutsche Umwelthilfe: für Erwachsene und Jugendliche – und sogar für ungeborene Kinder.
 
 
. Interviews
Pflegekräfte sind in der Coronakrise wichtiger denn je und gleichzeitig besonders gefährdet. Das persönliche Engagement ist und bleibt dennoch hoch. Über Wertschätzung, Sicherheitsrisiken und die Gefahr der Selbstausbeutung in Pflegeberufen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Pflegeexperten Thomas Meißner gesprochen.
Noch müssen Ärzte in Deutschland keine Triagierung von COVID-19-Patienten vornehmen. Doch was wenn, die Intensivkapazitäten auch hier zu Lande nicht reichen? Gesundheitsstadt Berlin hat über das bedrückende Thema mit Prof. Dr. Elisabeth Steinhagen-Thiessen gesprochen. Die Charité-Medizinerin befasst sich als Mitglied des Deutschen Ethikrats und einer soeben eingerichteten Task Force des Berliner Senats intensiv mit dem Worst-Case-Szenario „Triagierung“.