. Bandscheibenoperation versus konservative Therapie

Bandscheibenvorfall: Operierte erholen sich dreimal schneller

Die Deutsche Gesellschaft für Neurochirurgie (DGNC) hat soeben ein Statement zur Indikation von Bandscheibenoperationen versus konservative Therapien abgegeben. Hintergrund ist die Diskussion um angeblich überflüssige Operationen an der Wirbelsäule – und eine zunehmende Verunsicherung der Patienten.
Bei Bandscheibenvorfall ist die Konservative Therapie das Mittel der Wahl, aber auch langwieriger als eine OP

Bei Bandscheibenvorfall ist die konservative Therapie das Mittel der Wahl, aber auch langwieriger als eine Operation

Die Diskussion um überflüssige Operationen erhitzt regelmäßig die Gemüter. Zuletzt stand der Anstieg von Wirbelsäuleneingriffen in der Kritik. Weil mittlerweile viele Patienten verunsichert sind, hat die Deutsche Gesellschaft für Neurochirurgie (DGNC) jetzt ein sehr klares Statement abgegeben, in welchen Fällen eine Bandscheibenoperation indiziert ist. In dem Papier ist zu lesen, dass neurologische Ausfälle wie Lähmungen oder Kontinenzprobleme infolge eines Bandscheibenvorfalls eine klare Indikation für einen operativen Eingriff sind. Ansonsten seien konservative Therapien beim Bandscheibenvorfall die Mittel der ersten Wahl. Und weiter heißt es: „Studien zeigen aber auch, dass sich operierte Patienten etwa dreimal schneller erholen als nicht operierte.“

Bandscheiben-Operation: Neurologische Ausfälle sind eine klare Indikation

Dazu sagt Professor Dr. med. Bernhard Meyer, Direktor der Neurochirurgischen Klinik der Technischen Universität München am Klinikum rechts der Isar: „Die Leitlinie der DGNC zum Bandscheibenvorfall der Lendenwirbel sieht vor, dass konservative Behandlungsansätze immer das Mittel der ersten Wahl sind. Mitunter seien chirurgische Eingriff beim Bandscheibenvorfall aber unerlässlich, nämlich dann, „wenn Lähmungserscheinungen auftreten oder Blase oder Darm nicht mehr kontrolliert werden können“, so der Neurochirurg. In allen anderen Fällen könne man operieren, müsse aber nicht. Diese Entscheidung gelte es für jeden Patienten individuell abzuwägen.

In Deutschland erleiden jedes Jahr fünf von 1.000 Menschen einen Bandscheibenvorfall. Nach Auskunft von Bernhard Meyer führt in etwa zwei Drittel der Fälle eine konservative Therapie mit Schmerzmitteln und Physiotherapie zum Erfolg. Ein Drittel der Patienten erreiche jedoch mit konservativen Maßnahmen langfristig keine ausreichende Schmerzfreiheit und müsse dann doch operiert werden. „Wie lange vor einer eventuellen Operation konservativ therapiert werden sollte, hänge immer auch vom Willen und der Lebenssituation des einzelnen Patienten ab“, betont Meyer.

Im Zweifel Zweitmeinung einholen

Hilfreich bei der Abwägung für oder gegen eine Bandscheibenoperation sind auch zwei Studien zur Therapie des Bandscheibenvorfalls. Bei der SCIATICA-Studie von 2007 wurden zwei Gruppen von Patienten mit schwerem Bandenscheibenvorfall der Lendenwirbelsäule miteinander verglichen: Eine Gruppe wurde konservativ behandelt, die andere frühzeitig operiert. Nach einem Jahr ging es 95 Prozent der Patienten aus beiden Gruppen vergleichbar gut. Allerdings hatten sich die Operierten schneller erholt und waren früher schmerzfrei. Ein Jahr zuvor war bereits die SPORT-Studie zum selben Ergebnis gekommen. Operierte und nicht operierte Patienten waren nach zwei Jahren gleichermaßen fit, jedoch verlief der Genesungsprozess bei den Operierten wesentlich schneller.

Die Vorsitzende der DGNC Professor Dr. med. Gabriele Schackert kann Patienten bei ihrer Entscheidungsfindung beruhigen: Bei der Behandlung von Bandscheibenvorfällen komme es weder durch langfristige konservative Therapien vermehrt zu irreversiblen Nervenschäden, noch sei die operative Behandlung überdurchschnittlich riskant. „Wer sich unsicher ist, sollte sich von einem zweiten Arzt beraten lassen“, rät die Neurochirurgin vom Universitätsklinikum Dresden.  

Foto: © Kzenon - Fotolia.com

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