Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Bald zielgerichtete Therapie gegen triple-negativen Brustkrebs?

Dienstag, 2. Februar 2016 – Autor:
Der triple-negative Brustkrebs ist die gefährlichste Form des Mammakarzinoms. Hoffnung kommt jetzt aus München. Dort haben Wissenschaftler ein neues Angriffsziel entdeckt - ein entsprechendes Medikament ist bereits in Entwicklung.
Diagnose Triple-Negativer Brustkrebs: Neue Zielmoleküle geben Hoffnung auf bessere Behandlung

Diagnose Triple-Negativer Brustkrebs: Neue Zielmoleküle geben Hoffnung auf bessere Behandlung

Mit Heilungsraten von über 85 Prozent gehört Brustkrebs eher zu den gut behandelbaren Krebserkrankungen. Doch beim so genannten triple-negativen Brustkrebs stehen die Heilungsaussichten deutlich schlechter. Denn dieser speziellen Unterform des Mammakarzinoms fehlen der Östrogenrezeptor (ER), der Progesteronrezeptor (PR) und der Wachstumsfaktorrezeptor 2 (HER2). Folglich greifen hier die aktuellen zielgerechteten Medikamente nicht. Den betroffenen Frauen bleibt daher bislang nur die ungerichtete Chemotherapie. Obwohl TNBC-Patientinnen zu Beginn gut auf diese Chemotherapie ansprechen, bekommen viele von ihnen innerhalb weniger Monate Metastasen und sterben oft daran.

Neues Zielmolekül bei triple-negativen Brustkrebs gefunden

Doch das könnte sich künftig ändern. Forscher aus München haben ein Zielmolekül gefunden, das möglicherweise für therapeutische Zwecke genutzt werden kann. Dabei handelt es sich um den sogenannten uPA Rezeptor und damit verbundene Proteine, das uPAR-Interactom. Der fragliche Rezeptor kommt insbesondere auch bei wandernden Tumorzellen und Metastasen in anderen Organen vor, wie die Forscherteams vom Helmholtz Zentrum und der TU München bereits in Voruntersuchungen zeigen konnten. Unterbrachen sie die Wirksamkeit von uPAR, teilten sich die Krebszellen kaum noch und verloren ihre Aggressivität.

In einer weitergehenden Untersuchung von rund 300 Gewebeproben bestätigte sich der Verdacht, dass die uPAR- Protein bei triple-negativem Brustkrebs tatsächlich eine fatale Rolle spielen: Beim Abgleich mit den Patientendaten zeigte sich, dass zwischen den neu identifizierten Proteinen und der metastasenfreien Überlebensdauer ein signifikanter Zusammenhang besteht. Das ist eine gute Nachricht, denn genau diese Proteine könnten Angriffsstellen sein, um die Tumorzellen zu vernichten.

 

Wirkstoffkandidaten in der Pipeline

„Wir wissen jetzt, dass wir für diesen hoch aggressiven Brustkrebs tatsächlich neue Ziele für die Therapie gefunden haben“, betont Krebsforscherin Michaela Aubele, "und gehen davon aus, dass wir bald ein biologisch wirksames Medikament entwickeln können.“ Ein Patent sei schon eingereicht.

Präklinische Untersuchungen müssen jetzt zeigen, ob der neue Wirkstoff tatsächlich die gefährlichen Tumorzellen vernichten kann. Anschließend könnten klinische Studien mit Patienten folgen. Unterdessen könnte der neue Fund bald schon als Prognosemarker genutzt werden. Ein Prognosemarker sagt den Verlauf der Erkrankung und die damit verbundenen Lebenserwartung voraus. Patientinnen mit triple-negative Brustkrebs könnten so zumindest besser aufgeklärt und beraten werden, so die Forscher.

Foto: © michaelcourtney - Fotolia.com

Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Brustkrebs , Chemotherapie , Personalisierte Medizin
 

Weitere Nachrichten zum Thema Brustkrebs

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten


 
Interviews
Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.

Logo Gesundheitsstadt Berlin