. Krebsforschung

Bald zielgerichtete Therapie gegen triple-negativen Brustkrebs?

Der triple-negative Brustkrebs ist die gefährlichste Form des Mammakarzinoms. Hoffnung kommt jetzt aus München. Dort haben Wissenschaftler ein neues Angriffsziel entdeckt - ein entsprechendes Medikament ist bereits in Entwicklung.
Diagnose Triple-Negativer Brustkrebs: Neue Zielmoleküle geben Hoffnung auf bessere Behandlung

Diagnose Triple-Negativer Brustkrebs: Neue Zielmoleküle geben Hoffnung auf bessere Behandlung

Mit Heilungsraten von über 85 Prozent gehört Brustkrebs eher zu den gut behandelbaren Krebserkrankungen. Doch beim so genannten triple-negativen Brustkrebs stehen die Heilungsaussichten deutlich schlechter. Denn dieser speziellen Unterform des Mammakarzinoms fehlen der Östrogenrezeptor (ER), der Progesteronrezeptor (PR) und der Wachstumsfaktorrezeptor 2 (HER2). Folglich greifen hier die aktuellen zielgerechteten Medikamente nicht. Den betroffenen Frauen bleibt daher bislang nur die ungerichtete Chemotherapie. Obwohl TNBC-Patientinnen zu Beginn gut auf diese Chemotherapie ansprechen, bekommen viele von ihnen innerhalb weniger Monate Metastasen und sterben oft daran.

Neues Zielmolekül bei triple-negativen Brustkrebs gefunden

Doch das könnte sich künftig ändern. Forscher aus München haben ein Zielmolekül gefunden, das möglicherweise für therapeutische Zwecke genutzt werden kann. Dabei handelt es sich um den sogenannten uPA Rezeptor und damit verbundene Proteine, das uPAR-Interactom. Der fragliche Rezeptor kommt insbesondere auch bei wandernden Tumorzellen und Metastasen in anderen Organen vor, wie die Forscherteams vom Helmholtz Zentrum und der TU München bereits in Voruntersuchungen zeigen konnten. Unterbrachen sie die Wirksamkeit von uPAR, teilten sich die Krebszellen kaum noch und verloren ihre Aggressivität.

In einer weitergehenden Untersuchung von rund 300 Gewebeproben bestätigte sich der Verdacht, dass die uPAR- Protein bei triple-negativem Brustkrebs tatsächlich eine fatale Rolle spielen: Beim Abgleich mit den Patientendaten zeigte sich, dass zwischen den neu identifizierten Proteinen und der metastasenfreien Überlebensdauer ein signifikanter Zusammenhang besteht. Das ist eine gute Nachricht, denn genau diese Proteine könnten Angriffsstellen sein, um die Tumorzellen zu vernichten.

 

Wirkstoffkandidaten in der Pipeline

„Wir wissen jetzt, dass wir für diesen hoch aggressiven Brustkrebs tatsächlich neue Ziele für die Therapie gefunden haben“, betont Krebsforscherin Michaela Aubele, "und gehen davon aus, dass wir bald ein biologisch wirksames Medikament entwickeln können.“ Ein Patent sei schon eingereicht.

Präklinische Untersuchungen müssen jetzt zeigen, ob der neue Wirkstoff tatsächlich die gefährlichen Tumorzellen vernichten kann. Anschließend könnten klinische Studien mit Patienten folgen. Unterdessen könnte der neue Fund bald schon als Prognosemarker genutzt werden. Ein Prognosemarker sagt den Verlauf der Erkrankung und die damit verbundenen Lebenserwartung voraus. Patientinnen mit triple-negative Brustkrebs könnten so zumindest besser aufgeklärt und beraten werden, so die Forscher.

Foto: © michaelcourtney - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Brustkrebs , Chemotherapie , Personalisierte Medizin
 

Weitere Nachrichten zum Thema Brustkrebs

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
44.000 Gehirnerschütterungen werden in Deutschland jährlich bei Sportlern diagnostiziert - bei dreimal so hoher Dunkelziffer. Falscher Ehrgeiz und Unkenntnis bei Athleten wie Vereinen führen oft zu einer Verharmlosung. Dabei ist die "Commotio" eine ernsthafte Verletzung mit möglichen gravierenden Folgen. Kopfbälle etwa können das Gehirn langfristig schädigen – vor allem bei jüngeren Spielern.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Gesundheitsakademie, Oudenarder Straße 16, 13347 Berlin
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Kliniken
. Interviews
Senioren fühlen sich heute jünger als früher – und sind es Studien zufolge auch. Doch woran liegt das und was bedeutet Alter heute überhaupt? Über diese und andere Fragen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem renommierten Alternspsychologen Prof. Dr. Hans-Werner Wahl gesprochen.
Das massenhafte Auftreten des Eichenprozessionsspinners hat in diesem Jahr bei besonders vielen Menschen zu allergischen Reaktionen der Haut führt. Die giftigen Brennhaare der Raupen können aber auch sprichwörtlich ins Auge gehen. Am Universitätsklinikum Münster mussten diese Woche sechs Menschen am Auge operiert werden. Dr. Lamis Baydoun, Oberärztin der UKM-Augenklinik, berichtet, was vorgefallen ist.