. Neues Geriatriekonzept im Ländle:

Baden-Württemberg will den Grundsatz „Reha vor Pflege“ konsequent umsetzen

Mit einem neuen Geriatriekonzept will das Land Baden-Württemberg dafür sorgen, dass ältere Menschen künftig länger selbständig zuhause in ihrer gewohnte Umgebung leben können.

Länger selbständig leben: Dazu soll im Ländle ein Geriatriekonzept beitragen.

Gemeinsam mit Experten, Organisationen und Verbänden sowie dem Landesseniorenrat hat das Sozialministerium Baden-Württemberg Möglichkeiten erörtert, wie es gelingen kann, dass alte  - und vor allem auch multimorbide – Menschen möglichst lange in der häuslichen Umgebung leben können. Kern des so entstandenen und kürzlich vorgestellten „Geriatriekonzeptes 2014“ ist es insbesondere, den Grundsatz „Reha vor Pflege“ konsequent umzusetzen. Dazu sollen die geriatrischen Rehabilitationsangebote verbessert und auch die Akutkrankenhäuser stärker auf die Versorgung von geriatrischen Patienten ausgerichtet werden. 

Geriatrische Institutsambulanzen können helfen, Brücken in der Versorgung zu bauen

Gleichzeitig sollen die ambulanten Strukturen verbessert und ausgebaut werden. „Die geriatrische Versorgung in Baden-Württemberg ist zwar heute schon gut“, sagte Sozialministerin Karin Altpeter  (SPD) bei der Vorstellung des Konzeptes. Darauf dürfe sich das Land aber nicht ausruhen. „Angesichts der demographischen Entwicklung müssen wir schon heute daran arbeiten, eine bedarfsgerechte und flächendeckende Versorgung sicherzustellen.“

Eine gute Möglichkeit böten hier die geriatrischen Institutsambulanzen, die eine Brücke zwischen der ambulanten Betreuung durch den Hausarzt und der Versorgung im teilstationären oder stationären Bereich angesiedelt sind. Darüber hinaus setzt Altpeter auf den ständigen Austausch und die enge Zusammenarbeit aller Gesundheitsberufe, die in der Altersmedizin wichtig sind: „Gerade hier ist die zeitliche Trennung von kurativen, rehabilitativen und flankierenden Maßnahmen nicht angebracht.“ Die Behandlung älterer Menschen erfordere ganz besonders einen ganzheitlichen Ansatz, so die Sozialministerin.

Bessere Vergütungssätze für die geriatrischen Reha-Kliniken

Ein wichtiger Punkt sei auch die von den Krankenkassen zugesagte bessere Vergütung der geriatrischen Reha-Kliniken im Land und das erleichterte Zuweisungsverfahren. Darauf hatte unter anderem die Baden-Württembergische Krankenhausgesellschaft (BWKG) schon lange gedrängt. „Dass die Krankenkassen spürbare Vergütungssatzsteigerungen vereinbart haben, ist ein wichtiges Signal“, sagte BWKG-Vorstandsvorsitzender Thomas Reumann. Viele geriatrische Reha-Kliniken hätten aufgrund der schlechten finanziellen Lage in den vergangenen Jahren schließen müssen. Es gelte aber, auch in Zukunft die Vergütungssituation zu verbessern: „Selbst in den Bereichen, in denen höhere Pflegesätze vereinbart wurden, besteht immer noch eine chronische Unterfinanzierung“, betonte Reumann. 

Foto: Franz Pfluegl - Fotolia.com

Autor: Cornelia Wanke

Weitere Nachrichten zum Thema Reha, Pflege, Demographie

| Reha-Maßnahmen in der Geriatrie verbessern die Lebensqualität und vermindern oder verhindern Pflege-Bedürftigkeit. Trotzdem werden sie zu selten bewilligt. Das kritisieren die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG) und die Deutsche Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie (DGGG).

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
Kinder, Job – und Reha? Mit der „Berufsbegleitenden Rehabilitation“ passt alles unter einen Hut, meint Christoph Gensch von der Deutschen Rentenversicherung Bund. Im Interview verrät der Reha-Experte, was es mit dem neuen Modellprojekt auf sich hat.
. Weitere Nachrichten
Patienten liegen sich wund, werden mit Medikamenten ruhiggestellt oder viel zu oft ins Krankenhaus eingewiesen: Der neue Pflegereport der AOK hat gravierende Mängel in deutschen Pflegeheimen aufgedeckt. Doch es gibt auch gute Heime.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
. Interviews
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.
Noch zu wenige Versicherte nehmen die Darmkrebsvorsorge wahr. Die AOK Nordost geht deshalb neue Wege. Stefanie Stoff-Ahnis, Mitglied der Geschäftsleitung der AOK Nordost und verantwortlich für das Ressort Versorgung, erläutert das Engagement, das soeben mit dem Felix Burda Award ausgezeichnet wurde.