Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
08.06.2020

Ausgewogener Säure-Basen-Haushalt schützt vor Coronavirus

Eine hohe Säurebelastung durch ungesunde Ernährung macht den Körper anfällig gegen das Coronavirus. Ein basischer pH-Wert von über 7 dagegen verbessert die Immunlage, verringert das Infektionsrisiko und sogar die Virenvermehrung im Körper. Das ergibt sich aus einer Analyse des „Instituts für Prävention und Ernährung" (IPEV) in München.
Basische Lebensmittel - Obst und Gemüse

Mit Ernährung gegen COVID-19: Zu den Basenbildnern zählen vor allem Gemüse- und Obstsorten wie Zitronen, Äpfel, Bananen, Kartoffeln, Petersilie, Fenchel oder Löwenzahn.

Solange es keinen Impfstoff gegen die COVID-19-Erkrankung gibt, richtet sich das Interesse von Wissenschaftlern und Laien auf andere Mittel und Wege, den Körper zu stärken und ihn gegen eine mögliche Infektion mit dem Coronavirus zu wappnen. Nicht zu rauchen beziehungsweise die Pandemie als Anlass zu nehmen, mit dem Rauchen aufzuhören, ist so ein positiver nicht-medikamentöser „Anti-Risikofaktor“. Als günstig gilt auch, regelmäßig Ausdauersport zu treiben, Übergewicht zu vermeiden oder zu reduzieren und das Immunsystem durch gesunde Ernährung stärken. Als weiterer Faktor wird jetzt der Säure-Basen-Haushalt des menschlichen Körpers gehandelt. Dies ergibt sich aus einer Analyse der aktuellen Studienlage durch das „Instituts für Prävention und Ernährung“ (IPEV) in München.

Wie ein pH-Wert über 7,0 gegen das Coronavirus wirkt

Vor allem zwei wissenschaftlich begründete Schlussfolgerungen lassen sich laut IPEV aus der Analyse ableiten:

  1. Ein basischer pH-Wert von über 7 unterstützt das Immunsystem bei der Abwehr von Coronavirus-Infektionen.
  2. Selbst nach einer Coronavirus-Infektion kann eine schnelle Veränderung des intrazellulären pH-Werts auf ein basisches Niveau dazu beitragen, die Virenvermehrung zu verhindern.  

„Das Vermeiden einer Azidose beeinflusst die Coronaviren-Aktivität“, sagt Jürgen Vormann, Geschäftsführer des IPEV-Instituts. „Ein basischer pH-Wert hemmt sowohl die Infektion als auch die Virenvermehrung.“ Bewege sich der Säure-Basen-Haushalt im Körper in einem alkalischen  Milieu, schaffe das gute Voraussetzungen dafür, eine Infektion mit dem Coronavirus und die Erkrankung an Covid-19 abzuwehren. Als „Azidose" bezeichnet die Fachwelt in diesem Zusammenhang eine stoffwechselbedingte Übersäuerung von Blut und Körper.

 

Ernährungsbedingte Säurebelastung typisch für westliche Länder

Obwohl die Erforschung des Virus, der Erkrankung, von Medikamenten und Impfstoffen auf Hochtouren läuft, sind viele Fragen rund um das Coronavirus nach wie vor unbeantwortet. Bekannt ist indes, dass sich nicht jeder infiziert. Und dass bei circa 80 Prozent der Infizierten COVID-19 entweder unbemerkt oder mit nur milden Symptomen verläuft. Biochemiker Vormann sieht einen Zusammenhang zwischen einem robusten Immunsystem und dem möglichen Infektions- und Erkrankungsgeschehen. „Generell ist das Immunsystem in der Lage, Viren unterschiedlichster Art zu erkennen und zu eliminieren“, sagt der Chef des IPEV. „In westlichen Ländern haben viele Menschen eine ernährungsbedingte Säurebelastung. Wir wissen, dass die hohe Säurelast das Immunsystem schwächt."

Im basischen Milieu überlebt das Coronavirus „nur noch Minuten“

Kürzlich publizierte Untersuchungen weisen laut IPEV darauf hin, dass die Vermeidung einer Azidose auch das Corona-Geschehen günstig beeinflusst.  Um eine Zelle zu infizieren, müssen demnach Bestandteile der Virusmembran mit der Membran der Wirtszelle verschmelzen. Dieser Prozess wird den Studien zufolge wesentlich von der umgebenden Säurekonzentration beeinflusst: Ein saurer pH-Wert erleichtert diesen Vorgang, während ein basischer pH-Wert hemmend wirkt. Auch die intrazelluläre Vermehrung des Coronavirus sei vom vorherrschenden Milieu abhängig. Werde der pH-Wert vom sauren in den basischen Bereich angehoben, werde das Coronavirus irreversibel inaktiviert und überlebe nur noch Minuten.

Studien aus China: Häufig Azidose bei COVID-19-Patienten

Bestätigt werden konnten dem Münchner Institut zufolge in Untersuchungen an COVID-19-Patienten aus Wuhan: Das ist die Stadt in China, in der im November vergangenen Jahres erstmals Fälle einer damals noch unbekannten neue Lungenkrankheit auftraten, die dann als COVID-19-Pandemie um die Welt ging. Zum einen zeigte sich, dass es bei vielen Patienten eine stoffwechselbedingte Übersäuerung („Azidose") des Blutes und des Körpers vorlag. In einer weiteren Kohortenstudie aus China wurde festgestellt, dass 30 Prozent der später Verstorbenen eine Azidose aufwiesen; bei den genesenen Patienten fand man vorher jedoch nur bei einem Prozent eine derartige Azidose.

Übersäuerung erklärt hohe Zahl von alten COVID-19-Patienten

„Die Übersäuerung könnte auch eine Erklärung dafür sein, dass überwiegend ältere oder immunsupprimierte Menschen an COVID-19 erkranken“, sagt Vormann. „Viele Menschen haben einen gestörten Säure-Basen-Haushalt, die meisten unwissentlich.“ Während der Stoffwechsel in jungen Jahren mit einem Säureüberschuss noch klarkomme, träten in der zweiten Lebenshälfte oft Symptome wie Antriebsschwäche, rasches Ermüden, Appetitlosigkeit, Muskel- und Gelenkbeschwerden oder Hautprobleme auf. Jürgen Vormann: „Die Übersäuerung strapaziert das Immunsystem.“

Säure-Basen-Haushalt: Was jeder sofort tun kann

Was kann der Einzelne tun, um den Säure-Basen-Haushalt im Körper wieder in die Balance zu bringen? „Meine Empfehlung für einen aktiven Immunschutz gegen Coronaviren ist, entweder über eine entsprechende Ernährung oder aber über schnell effektive Basenpräparate, die es in jeder Apotheke gibt, dem Virus sein Wohlfühl-Milieu zu nehmen“, sagt Vormann. Über Jahre war der Ernährungswissenschaftler am Institut für Molekularbiologie und Biochemie der Freien Universität Berlin als Grundlagenforscher tätig. Heute gilt er als Experte für die Pathophysiologie von Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen sowie des Säure-Basen-Haushalts.

Weniger Fleisch, Getreide und Milch – mehr Obst und Gemüse

Durch gesunde Ernährung, sagt Vormann, könne jeder auf einfache Weise unmittelbar Einfluss auf seinen Säure-Basen-Haushalt nehmen. Das bedeute konkret: Mindestens die Hälfte der täglichen Nahrungsmittel sollte basisch sein, also aus Obst, Gemüse und Salat bestehen. Viele als geschmacklich als „sauer“ empfundene Speisen lieferten dabei reichlich basische Mineralstoffe und zählten daher zu den Basenbildnern – so zum Beispiel Zitronen, Trauben und Äpfel oder Essig. Säurebildner wie Wurst, Fleisch, Fisch, Getreide und Milchprodukte sollte man hingegen reduzieren.

Erst im Mai veröffentlichte die Universität Stuttgart-Hohenheim eine Studie zum Zusammenhang zwischen Ernährung und COVID-19. Die Autoren kamen zu dem Schluss, dass Patienten mit Fehl- und Mangelernährung beim Verlauf einer Corona-Erkrankung schlechtere Prognosen besitzen als Gesunde.

Foto: AdobeStock/marucyan

Foto: ©marucyan - stock.adobe.com

Autor: zdr
Hauptkategorie: Umwelt und Ernährung
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Immunsystem , Infektionskrankheiten , Coronavirus , Ernährung
 

Weitere Nachrichten zum Thema Coronavirus und Immunsystem

In der Haut werden nach UV-Bestrahlung zahlreiche Reaktionen ausgelöst, die die Immunabwehr des Körpers schwächen. Erkältungen verstärken sich, Krankheiten können schwerer verlaufen. Ein zusätzliches Risiko in Zeiten der COVID-19-Pandemie sei nicht auszuschließen, warnt die Deutsche Krebshilfe. Vor allem die Strahlungsintensität in Solarien erhöhe dazu noch das Hautkrebsrisiko.

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Tumor Treating Fields (TTFields) hat die Behandlung des Glioblastoms um einen wichtigen Therapiebaustein erweitert. Die Wirksamkeit der Medikamentenkombination CUSP9v3 (Coordinated Undermining of Survival Paths by 9 Repurposed Drugs, Version 3) wird unterdessen noch erforscht. Forscher gehen auch Hinweisen nach, dass sich beide Therapien möglicherweise gegenseitig verstärken könnten.


Kopfbälle gehören zu den coolsten Spieltechniken im Fußball – doch sie haben ihren Preis. Eine Studie aus Schottland zeigt: Das Risiko für Profifußballer, später an neurodegenerativen Erkrankungen wie Parkinson, Alzheimer oder Demenz zu erkranken, ist dreieinhalb mal so hoch wie bei der Allgemeinbevölkerung. Ein Spielertyp ist besonders in Gefahr.
 
Interviews
Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.

Logo Gesundheitsstadt Berlin