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Appendizitis: Antibiotika können oft OP ersetzen

Bei einer Appendizitis wird in der Regel operiert. Doch in vielen Fällen kann eine Therapie mit Antibiotika eine wirksame Alternative sein.
Appendizitis ist mit Antibiotika behandelbar

Appendizitis ist mit Antibiotika behandelbar

Eine Appendizitis - im Volksmund fälschlicherweise oft als "Blinddarmentzündung" bezeichnet - hat häufig einen rasanten Verlauf, und ohne Behandlung kann es zu einem Organdurchbruch (Perforation) kommen. Um das zu verhindern, wird derzeit fast immer so schnell wie möglich operiert. Es gibt aber seit kurzem auch die Möglichkeit, die Entzündung zunächst unter strenger Beobachtung mit Antibiotika zu behandeln und erst bei einem Versagen dieser Therapie zu operieren. Um den Erfolg der Antibiotikabehandlung bei Appendizitis zu bewerten, haben Ärzte des Nottingham University Hospitals nun in einer Metaanalyse, die im Britischen Ärzteblatt veröffentlicht wurde, vier Studien mit insgesamt 900 Patienten ausgewertet.

Alle Patienten waren mit Verdacht auf unkomplizierte Appendizitis ins Krankenhaus eingeliefert worden. 470 von ihnen wurden mit Antibiotika behandelt, die anderen wurden sofort operiert. Die Therapie mit Antibiotika war bei 63 Prozent der Patienten erfolgreich. Bei ihnen war keine nachfolgende Operation notwendig, und sie entwickelten auch im folgenden Jahr keine erneuten Beschwerden. 20 weitere Prozent sprachen zunächst auf die Antibiotika-Behandlung an, wurden aber innerhalb eines Jahres mit neuen Beschwerden ins Krankenhaus eingewiesen und dann in der Regel auch operiert. Bei den restlichen 17 Prozent zeigte die medikamentöse Therapie gar keinen Erfolg, so dass nach kurzer Zeit doch operiert werden musste.

Antibiotika können Komplikationen bei Appendizitis senken

Die Studie zeigte, dass durch die Behandlung mit Antibiotika das Risiko für Komplikationen im Vergleich zur sofortigen Operation um 31 Prozent gesenkt werden konnte. Auch die Sorge, dass es zu einem Durchbruch kommen könnte, wenn nicht sofort operiert wird, erwies sich als unbegründet. Die Anzahl der Perforationen sank durch die medikamentöse Therapie sogar. Gegen eine sofortige Operation spricht auch, dass ein Eingriff unter Narkose immer ein Risiko darstellt und dass der Wurmfortsatz (die Appendix) als Teil des Immunsystems durchaus einen gewissen Nutzen hat. Zudem können in Folge der Operation die Darmschlingen verkleben. Weitere mögliche, wenn auch seltene Komplikationen sind Wundinfektionen oder das Aufgehen der Nähte.

Diese Risiken wurden bisher im Vergleich zum Risiko einer Komplikation durch eine zu spät behandelte Appendizitis als gering betrachtet. Die neue Analyse zeigt jedoch, dass durch den primären Versuch einer Antibiotikabehandlung und einer dadurch eventuell verzögerten Operation die Komplikationen nicht steigen. Die Studienautoren sprechen sich daher bei Patienten mit Verdacht auf unkomplizierte Appendizitis für die Strategie "wait, watch and treat" aus - also für Abwarten, Überwachen und Antibiotikagabe. Bei eindeutigen Zeichen einer Perforation muss aber nach wie vor sofort operiert werden.

Bild: Paulwip, fotolia.com

 
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