Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
05.05.2020

Apfeltyp oder Birnentyp? Insulinwirkung im Gehirn entscheidet über Fettverteilung

Warum sich bei manchen Menschen Körperfett am Bauch anlagert und bei anderen an Po und Oberschenkeln, war bisher nicht eindeutig geklärt. Nach einer Langzeitstudie des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) spielt die Insulinempfindlichkeit des Gehirns eine wichtige Rolle. Auch das Körpergewicht und damit mögliches Übergewicht werde von diesem Mechanismus reguliert.
Grüne Birne, grüner Apfel, weißes Maßband mit roter Skala schlängelt sich darum.

Wie ungesund Körperfett ist, hängt vor allem davon ab, wo es gespeichert wird. Bauchfett („Apfeltyp") gilt als gefährlicher als Polster an Po oder Oberschenkeln („Birnentyp").

Warum wird Körperfett nicht bei allen Menschen am gleichen Ort gespeichert? Und warum fällt es manchen leichter und manchen schwerer, ihr Gewicht zu halten oder durch eine Änderung des Lebensstils mit gesünderer Ernährung und Sport zu reduzieren? Auf diese Fragen haben deutsche Forscher jetzt neue Antworten gefunden. „Reagiert das Gehirn empfindlich auf das Hormon, nimmt man deutlich ab, reduziert ungesundes Bauchfett und kann auch langfristig das Gewicht halten. Reagiert das Gehirn nur wenig oder gar nicht auf Insulin, verliert man nur zu Beginn der Maßnahme etwas Gewicht und nimmt dann wieder zu. Auch das viszerale Fett steigt langfristig weiter an“: Das ist das Ergebnis einer gemeinsamen Studie des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD), des Helmholtz Zentrums München und der Universitätsklinik Tübingen.

Insulinempfindliches Gehirn: Abnehmen ist leichter – und von Dauer

In ihrer gemeinsamen Langzeitstudie erfassten die Wissenschaftler über einen Zeitraum von neun Jahren die Daten von 15 Probanden, bei denen vor Beginn einer 24-monatigen Lebensstil-Intervention die Insulin-Sensitivität im Gehirn durch Magneto-Enzephalographie bestimmt worden war. Dabei zeigte sich, dass die Insulinwirkung im Gehirn nicht nur über das Körpergewicht, sondern auch die Verteilung von Fett im Körper bestimmt. Und dass eine Änderung des Lebensstils bei Insulinempfindlicheren stärker belohnt wird und sie ihr Gewicht auf Dauer leichter halten können.

„Probanden mit einer hohen Insulin-Sensitivität im Gehirn profitierten von der Lebensstil-Intervention mit einer ausgeprägten Reduktion des Gewichts und des viszeralen Fettgewebes", also des Bauchfetts, berichtet der Leiter der Studie, Martin Heni vom Universitätsklinikum Tübingen. „Auch nach Ende der Lebensstil-Intervention lagerten sie während der neunjährigen Nachbeobachtung nur wenig Fettmasse wieder an.“  Im Gegensatz dazu zeigten Personen mit einer Insulin-Resistenz im Gehirn nur in den ersten neun Monaten des Programms eine leichte Gewichtsabnahme. „Danach stiegen das Körpergewicht und das viszerales Fett noch während der folgenden Monate der Lebensstil-Intervention wieder an“, sagt Erstautorin Stephanie Kullmann.

 

Nicht Körperfett ist das Problem – sondern sein Speicherort

Wie ungesund Körperfett ist, hängt vor allem davon ab, wo es gespeichert wird. Lagert sich Fett im Bauch an, ist das besonders ungünstig („Apfeltyp“). Denn das viszerale Fett setzt zahlreiche Botenstoffe frei, die sich unter anderem auf den Blutdruck auswirken, die Freisetzung des Hormons Insulin beeinflussen und Entzündungen auslösen können. Bauchfett spielt etwa bei der Entstehung von Typ-2-Diabetes eine Rolle und steht im Verdacht, auch das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen und bestimmte Krebsarten zu erhöhen. Das Unterhaut-Fett, das sich am Po, Oberschenkeln und Hüften anlagert („Birnentyp“), hat dagegen keine bekannten negativen Auswirkungen auf die Gesundheit.

Forscher arbeiten bereits an Therapien zur günstigeren Fettverteilung

In den Ergebnissen der Studie sehen die Autoren eine Grundlage für mögliche neue Behandlungsoptionen. So arbeiten die an der Studie beteiligten Forscher aus Tübingen bereits an neuen Therapien, um die Insulin-Resistenz im Gehirn aufzuheben und so die Körperfettverteilung günstig zu beeinflussen.

Foto: AdobeStock/Yü Lan

Foto: ©Yü Lan - stock.adobe.com

Autor: zdr
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Diabetes , Ernährung , Übergewicht , Herz-Kreislauf-System , Krebs
 

Weitere Nachrichten zum Thema Fett im Körper

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Kopfbälle gehören zu den coolsten Spieltechniken im Fußball – doch sie haben ihren Preis. Eine Studie aus Schottland zeigt: Das Risiko für Profifußballer, später an neurodegenerativen Erkrankungen wie Parkinson, Alzheimer oder Demenz zu erkranken, ist dreieinhalb mal so hoch wie bei der Allgemeinbevölkerung. Ein Spielertyp ist besonders in Gefahr.


Viele Eltern meinen es gut, wenn sie vor ihren Kindern über eine Demenz bei deren Großeltern nicht sprechen. Sie wollen sie nicht belasten. So schwer es für Kinder ist, diese Erkrankung zu verstehen – so sehr spüren sie, dass etwas nicht stimmt. Experten raten deshalb zu einer kindgerechten Offenheit.
 
Kliniken
Interviews
Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.

Logo Gesundheitsstadt Berlin