Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Antibiotikaresistenzen jetzt auch bei Augentropfen

Antibiotikaresistenzen werden jetzt zunehmend auch bei Augentropfen zur Behandlung von Bindehautentzündungen beobachtet. Experten warnen vor einem vorschnellen Einsatz von Antibiotika.

Bakterien, die eine Bindehautentzündung auslösen, reagieren zunehmend unempfindlich auf Antibiotika. Zu diesem Ergebnis kommt eine Publikation in den Klinischen Monatsblättern für Augenheilkunde (Thieme, Stuttgart 2012). "Diese Entwicklung ist alarmierend", erklärt Professor Dr. med. Christian Ohrloff, Pressesprecher der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG). Die DOG rät Ärzten daher zur Zurückhaltung bei der Verordnung von Antibiotika, um Antibiotikaresistenzen zu vermeiden.

Nicht gleich antibiotische Augentropfen

In über 60 Prozent der Fälle heilt eine Bindehautentzündung innerhalb von fünf Tagen von allein wieder aus. Antibiotische Augentropfen können helfen, die Krankheitsdauer zu verkürzen. "Studien zeigen jedoch, dass man mit der antibiotischen Gabe aber problemlos drei Tage abwarten kann", betont Professor Christian Ohrloff aus Frankfurt am Main. "Die Hälfte der Patienten kommt dann ganz ohne Antibiotika aus", ergänzt Dr. med. Elisabeth Messmer, Augenärztin an der Ludwig-Maximilians-Universität München und Autorin des Artikels.

Antibiotikaresistenzen auf dem Vormarsch

Mache sich nach drei Tagen keine Besserung bemerkbar, sollten Betroffene einen Augenarzt konsultieren, der falls nötig ein Antibiotikum verordnen kann. Bei Erwachsenen kommen zunächst die Wirkstoffe Gentamycin, Tobramycin und Azithromycin zum Einsatz. Erst bei sehr schweren Krankheitsverläufen sollte der Arzt Fluoroquinolone verschreiben. "Dieses Medikament ist besonders wirksam, sollte aber nur als Reserve herangezogen werden", betont Dr. Elisabeth Messmer. "Für Neugeborene ist Moxifloxacin, für Kinder ab dem zweiten Lebensjahr Azithromycin das Mittel der Wahl", berichtet Messmer. Antibiotika voreilig zu verordnen sei riskant. "Denn die zunehmende Resistenzentwicklung der klassischen Erreger gegenüber allen Antibiotikagruppen ist Besorgnis erregend", warnt die Münchener Augenspezialistin. Diese Resistenzen führen dazu, dass Medikamente nicht mehr wirken und Infekte schlimmstenfalls unbehandelbar werden.

Bakterielle Bindehautentzündungen zählen zu den häufigsten Augenerkrankungen. Rote, eitrig verklebte Augen, Tränenfluss und Juckreiz sind die wichtigsten Symptome einer bakteriellen Bindehautentzündung. In der Regel beginnt die Infektion zuerst an einem Auge, bevor sie auf das zweite Auge übergreift.

Antibiotische Augentropfen: Alternativen

Wer auf antibiotische Augentropfen verzichtet, kann die Beschwerden mit Tränenersatzflüssigkeit ("künstliche Tränen") und morgendlichen Augenreinigungen lindern. "Dafür tränkt man am besten ein Wattepad mit abgekochtem, lauwarmem Wasser und wischt Lidränder und Wimpern vorsichtig von aussen nach innen aus", rät Professor Christian Ohrloff. "Wattepad anschliessend entsorgen, stets nur einmal nutzen."

Foto: Gerresheimer AG

 
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Auge , Augenkrankheiten , Antibiotika , Antibiotikaresistenzen
 

Weitere Nachrichten zum Thema Antibiotikaresistenzen

 

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
 
Weitere Nachrichten

Kopfbälle gehören zu den coolsten Spieltechniken im Fußball – doch sie haben ihren Preis. Eine Studie aus Schottland zeigt: Das Risiko für Profifußballer, später an neurodegenerativen Erkrankungen wie Parkinson, Alzheimer oder Demenz zu erkranken, ist dreieinhalb mal so hoch wie bei der Allgemeinbevölkerung. Ein Spielertyp ist besonders in Gefahr.

 
Kliniken
Interviews
Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.

Logo Gesundheitsstadt Berlin