. Karolinska Institut

Antibabypille mindert Wohlbefinden

Millionen Frauen nehmen die „Pille“. Jetzt gibt es Hinweise darauf, dass ein häufig verschriebenes Kombipräpart das allgemeine Wohlbefinden junger Frauen beeinträchtigt.
Antibabypille: Hinweise auf eine Beeinträchtigung der Lebensqualität

Antibabypille: Hinweise auf eine Beeinträchtigung der Lebensqualität

Die Antibabypille gehört zu den beliebtesten Verhütungsmitteln in den westlichen Ländern. Sie schützt zuverlässig vor einer Schwangerschaft, sorgt für einen regelmäßigen Zyklus und lässt sich leicht wieder absetzen. Manche Präparate sind zudem ein wirksames Mittel gegen lästige Pickel. Dennoch ist der Einfluss der künstlichen Hormone nicht zu unterschätzen. Thrombosen, Lungenembolien und Schlaganfälle sind glücklicherweise  selten, ein erhöhtes Risiko aber bleibt.

Nun hat ein Forscherteam vom schwedischen Karolinska-Institut untersucht, wie sich eine Pille der neuesten Generation auf das seelische Wohlbefinden junger Frauen auswirkt. Einen Hinweis auf die Zunahme von Depressionen, die oft mit der Pille in Zusammenhang gebracht werden, fanden die Forscher zwar nicht. Wohl aber eine Beeinträchtigung der Lebensqualität. So waren das seelische Wohlbefinden, die Vitalität und die emotionale Selbstkontrolle bei den Pillen-Nutzerinnen im Vergleich zur Placebo-Gruppe vermindert.

Daten von über 300 Frauen

In die Untersuchung wurden 322 Frauen zwischen 18 und 35 Jahren eingeschlossen. Eine Gruppe bekam drei Monate lang eine Kombipille mit den Hormonen Levonorgestrel und Ethinylestradiol, die andere Gruppe lediglich ein Placebo. Das Wohlbefinden wurde anhand des General Well-Being Index (PGWBI), dem "Wohlfühl-Index" der WHO gemessen; Depressionen anhand des Beck‘schen „Depression Inventory (BDI).“

Weniger Energie, aber keine Depresionen

Während die Forscher keine eindeutigen Hinweise für eine erhöhte Neigung zu Depressionen unter der Pille fanden, war das Wohlbefinden der Pillen-Gruppe im Vergleich zur Placebo-Gruppe statistisch signifikant geringer. Dies betraf alle untersuchten Aspekte vom allgemeinen Wohlbefinden bis hin zum Energie-Level.

Allerdings waren die Unterschiede relativ gering, so dass die Studienautoren zur vorsichtigen Interpretation der Daten mahnen. Dennoch sollte diesem Punkt mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden, bevor die Pille verschrieben werde, meint Studienautor Dr. Niklas Zethraeus vom Karolinska Institute in Schweden. Ko-Autorin Angelica Lindén Hirschberg ergänzt: „Obwohl Hunderte Millionen Frauen die Pille nehmen, wissen wir bis zum heutigen Tag nicht genau, wie sich die Pille auf die Gesundheit auswirkt.“

Die in der Studie verwendete Kombipille ist wegen ihres geringeren Thrombose-Risikos heute das Präparat der ersten Wahl. Die Ergebnisse der Arbeit können nicht auf andere Pillen übertragen werden. Erschienen sind sie soeben im Fachmagazin „Fertility and Sterility“.

Foto: © thingamajiggs - Fotolia.com

 
Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Antibabypille
 

Weitere Nachrichten zum Thema Antibaby-Pille

| Die modernen Antibaby-Pillen der 3. und 4. Generation haben ein wesentlich größeres Risiko für die Bildung von Thrombosen. Davor warnt die Techniker Krankenkasse (TK) in ihrem jetzt veröffentlichten „Pillenreport“.
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
. Weitere Nachrichten
Eine akute Typ A-Aortendissektion muss sofort behandelt werden. Doch die Diagnose ist nicht immer leicht. Selbst Notärzte können die Erkrankung mit einem Herzinfarkt verwechseln – nicht selten mit tödlichen Folgen. Das „Aortentelefon“ des Deutschen Herzzentrums Berlin (DHZB) koordiniert die Behandlung und kann damit Leben retten.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Interviews
Die akute Aortendissektion ist immer ein Notfall. Einer Studie zufolge könnte vielen Menschen das Leben gerettet werden, wenn sie rechtzeitig und adäquat behandelt werden würden. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Dr. Stephan Kurz vom Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) über die Versorgungssituation und das erfolgreiche Projekt „Aortentelefon“ gesprochen.
Dr. Iris Hauth, Chefärztin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin-Weißensee, berichtet in Ihrem Buch "Keine Angst!" über Ursachen und Behandlung von Depressionen - und wie man sich davor schützen kann.
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.