Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
23.04.2017

Antibabypille mindert Wohlbefinden

Millionen Frauen nehmen die „Pille“. Jetzt gibt es Hinweise darauf, dass ein häufig verschriebenes Kombipräpart das allgemeine Wohlbefinden junger Frauen beeinträchtigt.
Antibabypille: Hinweise auf eine Beeinträchtigung der Lebensqualität

Antibabypille: Hinweise auf eine Beeinträchtigung der Lebensqualität

Die Antibabypille gehört zu den beliebtesten Verhütungsmitteln in den westlichen Ländern. Sie schützt zuverlässig vor einer Schwangerschaft, sorgt für einen regelmäßigen Zyklus und lässt sich leicht wieder absetzen. Manche Präparate sind zudem ein wirksames Mittel gegen lästige Pickel. Dennoch ist der Einfluss der künstlichen Hormone nicht zu unterschätzen. Thrombosen, Lungenembolien und Schlaganfälle sind glücklicherweise  selten, ein erhöhtes Risiko aber bleibt.

Nun hat ein Forscherteam vom schwedischen Karolinska-Institut untersucht, wie sich eine Pille der neuesten Generation auf das seelische Wohlbefinden junger Frauen auswirkt. Einen Hinweis auf die Zunahme von Depressionen, die oft mit der Pille in Zusammenhang gebracht werden, fanden die Forscher zwar nicht. Wohl aber eine Beeinträchtigung der Lebensqualität. So waren das seelische Wohlbefinden, die Vitalität und die emotionale Selbstkontrolle bei den Pillen-Nutzerinnen im Vergleich zur Placebo-Gruppe vermindert.

Daten von über 300 Frauen

In die Untersuchung wurden 322 Frauen zwischen 18 und 35 Jahren eingeschlossen. Eine Gruppe bekam drei Monate lang eine Kombipille mit den Hormonen Levonorgestrel und Ethinylestradiol, die andere Gruppe lediglich ein Placebo. Das Wohlbefinden wurde anhand des General Well-Being Index (PGWBI), dem "Wohlfühl-Index" der WHO gemessen; Depressionen anhand des Beck‘schen „Depression Inventory (BDI).“

Weniger Energie, aber keine Depresionen

Während die Forscher keine eindeutigen Hinweise für eine erhöhte Neigung zu Depressionen unter der Pille fanden, war das Wohlbefinden der Pillen-Gruppe im Vergleich zur Placebo-Gruppe statistisch signifikant geringer. Dies betraf alle untersuchten Aspekte vom allgemeinen Wohlbefinden bis hin zum Energie-Level.

Allerdings waren die Unterschiede relativ gering, so dass die Studienautoren zur vorsichtigen Interpretation der Daten mahnen. Dennoch sollte diesem Punkt mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden, bevor die Pille verschrieben werde, meint Studienautor Dr. Niklas Zethraeus vom Karolinska Institute in Schweden. Ko-Autorin Angelica Lindén Hirschberg ergänzt: „Obwohl Hunderte Millionen Frauen die Pille nehmen, wissen wir bis zum heutigen Tag nicht genau, wie sich die Pille auf die Gesundheit auswirkt.“

Die in der Studie verwendete Kombipille ist wegen ihres geringeren Thrombose-Risikos heute das Präparat der ersten Wahl. Die Ergebnisse der Arbeit können nicht auf andere Pillen übertragen werden. Erschienen sind sie soeben im Fachmagazin „Fertility and Sterility“.

Foto: © thingamajiggs - Fotolia.com

 
Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Antibabypille
 

Weitere Nachrichten zum Thema Antibaby-Pille

 

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
 
Weitere Nachrichten
Im ersten Lockdown dieser Pandemie ging die Zahl der Schlaganfälle um 17 Prozent zurück. Experten sind überzeugt: Die Symptome wurden bloß nicht ernst genommen. Und das sei fatal.

Antibiotika sind die Standardtherapie bei bakteriellen Infektionen und retten jedes Jahr Millionen von Leben. Aber sie greifen auch die hochkomplexe Darmflora an und damit das Immunsystem. Und: Sie können sogar ihrerseits Krankheiten auslösen. Forscher haben jetzt 1.200 Medikamente daraufhin getestet, ob sie sich hier – parallel verabreicht – als „Gegenmittel“ eignen.

In Israel gelten nur noch Personen mit dritter Impfung als vollständig geimpft. Und tatsächlich sinken die Fallzahlen im Land. Das Vorgehen ist jedoch wissenschaftlich umstritten.
 
Interviews
Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.

Logo Gesundheitsstadt Berlin