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18.09.2018, aktualisiert: 12.04.2019

Ansteckung mit Skabies: So wird Krätze übertragen

Die Sorge vor Krätze geht um. Hygiene kann eine Ansteckung leider nicht verhindern. Genau wie bei Läusen erfolgt die Übertragung von Mensch zu Mensch. Alles rund um die Prävention, Übertragung, Diagnostik und Behandlungsmöglichkeiten von Krätze fasst das neue Themendossier von Gesundheitsstadt Berlin zusammen.
Krätze, Ansteckung

Vor einer Ansteckung mit Krätz kann man sich nur schützen, wenn man engen Hautkontakt mit anderen meidet

Angesichts der gehäuften Krätzefälle in Deutschland sind viele Menschen verunsichert und fragen sich, wie sie sich und ihre Kinder am besten vor Krätze (Skabies) schützen können. Ein neues Themendossier von Gesundheitsstadt Berlin gibt einen Überblick zur Prävention, Übertragung, Diagnostik und den Behandlungsmöglichkeiten von Krätze. Hier geht’s zu den Fakten. 

 

Sauberkeit kann eine Ansteckung leider nicht verhindern, da die Krätzmilben (Sarcoptes scabiei) genau wie Läuse unempfindlich gegenüber Wasser und Seife sind.

Dass die von Parasiten ausgelöste Infektionskrankheit mit schlechten hygienischen Bedingungen in Verbindung gebracht wird, liegt eher daran, dass Menschen, die in prekären Verhältnissen leben, häufiger an Krätze leiden. Das hat damit zu tun, dass hier meist viele Personen auf engstem Raum zusammenleben.

Krätze wird von Mensch zu Mensch übertragen

Denn der Hauptüberträger von Krätze ist der Mensch. Die sogenannten Skabiesmilben werden bei engem Hautkontakt übertragen. Deshalb verbreitet sich Krätze am schnellsten dort, wo Menschen nahe zusammenrücken: in Kindergärten, Schulen, Sammelunterkünften, Gefängnissen  und Obdachlosenheimen. Aber auch in der Altenpflege werden die Milben von Mensch zu Mensch übertragen. Das Risiko für eine Ansteckung ist sowohl bei den Personen, die in den Einrichtungen leben, als auch bei denen, die dort arbeiten, erhöht. Außerdem kann eine geschwächte Immunabwehr das Risiko für eine Ansteckung mit Krätze steigern. Einem erhöhten Ansteckungsrisiko sind zum Beispiel Patienten mit Autoimmunerkrankungen, Diabetes oder einer HIV-Infektion ausgesetzt oder Menschen, die immunsupprimierende Medikamente einnehmen müssen.

 

Intensiver Körperkontakt ist die Ansteckungsquelle

In der Regel muss der Körperkontakt länger andauern, so dass von Händeschütteln oder einer kurzen Umarmung keine Ansteckungsgefahr ausgeht. Jedoch bestätigen Ausnahmen die Regel: Bei der hoch ansteckenden Form der Borkenkrätze (Scabies crustosa) kann auch schon ein kurzer Hautkontakt zur Ansteckung führen. Grund ist, dass hier die Anzahl der Milben auf der Haut sehr viel höher ist als bei der gewöhnlichen Krätze.

Haustiere sind manchmal auch Überträger der Krätzmilbe

Haustiere sind dagegen nur selten Überträger der Krätze. Hunde und Katzen zum Beispiel werden oft selbst Opfer der kleinen Spinnentierchen. Diese können beim Spielen und Kuscheln ebenfalls auf den Menschen übergehen, jedoch sterben sie meist bei ihrem neuen Wirt schnell wieder ab. Da die Hautreizungen in der Regel nach kurzer Zeit von selbst wieder verschwinden, bleibt die Ansteckung oft unbemerkt.

Theoretisch kann Krätze auch über Matratzen, Kleidung und Stofftiere übertragen werden. Da die Krätzmilben aber nur wenige Tage ohne einen Wirt (Mensch oder Tier) überleben, sind Ansteckungen auf diesem Weg eher selten.

Was passiert bei einer Ansteckung?

Krätzmilben können Geruch und Temperatur wahrnehmen. Deshalb gehen sie auf Menschen über. Männliche Milben suchen auf der Oberfläche der Haut nach weiblichen Milben, um sie zu befruchten. Eine befruchtete weibliche Milbe sucht auf der Haut des Menschen nach einer geeigneten Stelle, um sich in die oberste Schicht der Haut einzugraben. Dieser Vorgang dauert etwa 20 bis 30 Minuten. Die Milbe gräbt bis zu zweieinhalb Zentimeter lange Gänge, in denen sie Eier und Kot ablegt. Allerdings entsteht höchstens aus einem von zehn Eiern tatsächlich eine reife (adulte) Milbe. Das reicht aber, um eine Infektion auszulösen.

Bis zu den ersten Symptomen dauert es Wochen

Allerdings treten die ersten Krankheitszeichen erst etwa vier bis fünf Wochen nach dem Befall auf. Symptome sind ein leichtes Brennen der Haut kommen, gefolgt von Juckreiz, der besonders nachts auftritt. Der Körper reagiert mit einem Ausschlag, der sich durch gerötete Haut sowie stecknadelkopfgroße Bläschen und Knötchen äußert. Die Milbengänge unter der Haut sind nur selten mit bloßem Auge zu erkennen. Häufig sind sie an Hautstellen mit dünner Hornschicht zu finden, etwa an den Fingerzwischenräumen, Handgelenken, Achselhöhlen, im Brustbereich sowie im Genitalbereich. Bei Säuglingen und Kleinkindern sind darüber hinaus häufig auch der Kopf, das Gesicht und die Hand- und Fußflächen von Krätze befallen.

Nicht Kratzen

Kratzen verschlimmert übrigens die Krankheit, da Milbenbestandteile so tiefer in die Haut gelangen können. Aber auch Bakterien haben in ein leichtes Spiel: Aufgekratzte Hautstellen können sich infizieren und zu entzündlichen Haut- und Lymphbahnenerkrankungen sowie zu entzündlich-rheumatischen Erkrankungen von Haut, Herz, Gelenk und Gehirn führen.

Wie man Krätze am besten behandelt, lesen Sie  hier,

Foto: miamariam/fotolia.com

Hauptkategorie: Medizin
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