. Schizophrenie-Studie

Angehörige leisten einen Teilzeitjob als Unterstützter

Angehörige von Menschen, die an einer Schizophrenie leiden, sind erheblichen emotionalen, physischen und auch finanziellen Belastungen ausgesetzt. Das geht aus einer großen internationalen Studie hervor, die von der European Federation of Associations of Families of People with Mental Illness (EUFAMI) in Zusammenarbeit mit der Universität Leuven/Belgien durchgeführt wird.

Doppeltes Ich - doppelte Sorgen: Das gilt auch für die Angehörigen!

Die Studie wurde zum World Mental Health Day, der am 10. Oktober stattfand, vorgestellt. Viele der betreuenden Angehörigen seien oft jahrelang nicht in der Lage, eine Auszeit zu nehmen und erreichten häufig ihre persönliche Belastungsgrenze, sagte die deutsche Repräsentantin der EUFAMI, Janine Berg-Peer, auf der Pressekonferenz.

Studie offenbart, wie belastend die Pflege für die Angehörigen von Schizophrenie-Patienten ist

Die ersten Forschungsergebnisse des noch andauernden „EUFAMI Carers' Survey“ liegen laut einer Pressemitteilung jetzt vor und basieren auf Befragungen in Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien, Großbritannien, Australien und Kanada. Die Studie wurde in Zusammenarbeit mit der interdisziplinären Forschungsstelle LUCAS der belgischen Universität Leuven durchgeführt und ausgewertet. Aus Deutschland liegen laut den deutschen Organisatoren Ergebnisse von 60 befragten Angehörigen von Schizophreniepatienten vor. Die Ergebnisse offenbarten nicht nur den unglaublichen Einsatz, den die Betreuer schizophrener Patienten zeigen. „Sie verdeutlichen uns auch, wie belastend die Pflege für das Leben der Angehörigen ist“, sagte Hilde Lauwers, Forschungskoordinatorin am Zentrum für Versorgungsforschung und Beratung (LUCAS) an der belgischen Universität Leuven.“

 

Angehörige kümmern sich im Schnitt 19 Stunden pro Woche

So kümmert sich laut Studie die Angehörigen durchschnittlich 19 Stunden (Deutschland) bzw. 23 Stunden pro Woche (international) um ein Familienmitglied mit Schizophrenie – das entspricht einem Teilzeitjob. Der Ländervergleich zeige auch, dass Angehörige in Deutschland insgesamt unzufriedener mit der professionellen Unterstützung durch Ärzte und Pflegepersonal sind, dafür aber zufriedener mit Patienten- und Angehörigen-Verbänden als die Gesamtheit der Befragten. „Das Fachpersonal im Gesundheitswesen sollte stärker dafür sensibilisiert werden, die Funktion und Leistung von Angehörigen anzuerkennen“, folgert Berg-Peer. Sie wies in ihrem Fazit zum World Mental Health Day 2014 auf die Dimension des Betreuungsaufwands hin: „In der EU kümmern sich täglich schätzungsweise zehn Millionen Menschen um ihre schwer psychisch erkrankten Angehörigen. Sie sind engagiert und durch die familiäre Nähe in hohem Maße emotional selbst betroffen.“ Die Arbeitskraft all dieser Menschen sei ein Rettungsanker für die Gesellschaft. „Wir müssen sicherstellen, dass ihr Beitrag anerkannt wird, sie geschützt und unterstützt werden und dass ihre Stimmen gehört werden.“

Foto: Johannesspreter - Fotolia.

Autor: Cornelia Wanke
Hauptkategorie: Medizin
 

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