. Ein Jahr Ebola-Ausbruch

Analyse von Ärzte ohne Grenzen: Ebola-Epidemie durch weltweite Untätigkeit eskaliert

Ein Jahr nach Ausbruch der Ebola-Epidemie hat Ärzte ohne Grenzen eine schonungslose Analyse vorgelegt. Darin legt die Hilfsorganisation offen, wie ineffizient und langsam die internationale Gemeinschaft auf die Krise reagiert hat.
Analyse von Ärzte ohne Grenzen: Ebola-Epidemie durch weltweite Untätigkeit eskaliert

Ärzte ohne Grenzen im Ebola-Einsatz: Ausbruch von beispielloser geografischer Verbreitung

Seit einem Jahr grassiert die Ebola-Epidemie in Westafrika. Nun hat die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen eine kritische Analyse der globalen Bekämpfung der Krankheit veröffentlicht. Eine "weltweite Allianz der Untätigkeit" habe zum bislang tödlichsten Ausbruch von Ebola beigetragen, heißt es in dem Bericht „Pushed to the limit and beyond“. Der Ausbruch sei von den Regierungen der betroffenen Länder genau wie von der Weltgesundheitsorganisation lange ignoriert worden. Insbesondere in den ersten Monaten seien die eindringlichen Warnungen nicht erhört worden. In dieser Zeit habe sich das Virus völlig unkontrolliert verbreiten können.

Ebola-Ausbruch wurde lange ignoriert

„Dass die Epidemie dermaßen außer Kontrolle geraten konnte, liegt am Versagen zahlreicher Institutionen“, sagt Christopher Stokes, Geschäftsführer der Brüsseler Einsatzzentrale von Ärzte ohne Grenzen, von wo aus die Ebola-Hilfe koordiniert wurde. „Dieses vermeidbare Versagen hatte schlimme Konsequenzen.“ So starb bereits im Dezember 2013 die erste Person an Ebola. Drei Monate später wurde der Ebola-Ausbruch von der WHO offiziell bekannt gegeben. Zu diesem Zeitpunkt hatte Ärzte ohne Grenzen vor einem Ausbruch von beispielloser geografischer Verbreitung gewarnt. Es dauerte aber weitere fünf Monate bis die Weltgesundheitsorganisation eine globale Notsituation ausrief. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits mehr als 1.000 Menschen gestorben. Bis heute hat die Epidemie rund 10.000 Todesopfer gefordert, darunter 500 medizinische Helfer.

 

Ärzte mussten Patienten wegen Überfüllung abweisen

Ärzte ohne Grenzen schickte nach eigenen Angaben in den letzten zwölf Monaten 1.300 internationale Mitarbeiter in die betroffene Region und beschäftigte weitere 4.000 einheimische Mitarbeiter. Mangels ausreichender Ressourcen und Unterstützung waren den Mitarbeitern jedoch die Hände gebunden. Ende August sei das größte Ebola-Behandlungszentrum der Geschichte in Liberias Hauptstadt Monrovia völlig überfüllt gewesen. „Die Mitarbeiter mussten schwerkranke Patienten am Eingang abweisen, in vollem Bewusstsein, dass diese vermutlich nach Hause gehen und andere anstecken würden“, heißt es wörtlich.

Die Epidemie habe brutal ein kollektives Scheitern aufgezeigt, für das tausende Menschen mit dem Leben bezahlten, schlussfolgern die Autoren. Die Mängel reichten von den schwachen Gesundheitssystemen in den betroffenen Ländern bis zur Lähmung der Hilfe von internationaler Seite. Die internationale Präsidentin von Ärzte ohne Grenzen Joanne Liu drückt es so aus: „Die Ebola-Epidemie hat schonungslos offengelegt, wie ineffizient und langsam die internationalen Gesundheits- und Hilfssysteme auf Notfälle reagieren.“

Auch Ärzte ohne Grenzen hätte früher Ressourcen mobilisieren sollen

Der Bericht basiert auf Interviews mit zahlreichen Mitarbeitern von Ärzte ohne Grenzen, die im Ebola-Einsatz waren, und enthält auch eine selbstkritische Reflektion. Innerhalb der Organisation seien die Erfahrungen mit Ebola auf eine relativ kleine Expertengruppe beschränkt gewesen. Trotzdem hätte sie früher mehr Ressourcen mobilisieren sollen. Notgedrungen hätten sich die Teams auf Schadensbegrenzung konzentriert. „Es war unmöglich, alles Nötige gleichzeitig zu tun.“

Foto: © Fabio Basone/MSF

Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
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