. TK-Studie

Ambulante Versorgung: Städter zufriedener als Landbevölkerung

Menschen in ländlichen Regionen spüren bereits den Ärztemangel. Sie sind mit dem Versorgungsnetz deutlich unzufriedener als Menschen, die in Städten leben. Das zeigt eine Meinungsumfrage der Techniker Krankenkasse (TK).
Ambulante Versorgung: Städter zufriedener als Landbevölkerung

TK-Meinungspuls 2014: Stadt- Landgefälle klar erkennbar

Das Netz an Haus- und Fachärzten bekommt in ländlichen Regionen Löcher. Das hat eine Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankasse ergeben. So sind nur 40 Prozent der Landbevölkerung mit dem Versorgungsangebot zufrieden. Von den Menschen, die in Städten und Ballungsräumen leben, sind dagegen 60 Prozent zufrieden. „Im TK-Meinungspuls stellt bereits jeder fünfte Befragte, der auf dem Land wohnt, ein löchriges Angebotsnetz fest. In den Großstädten sieht nur jeder Elfte Defizite", sagt TK-Chef Jens Baas. Die Umfrage zeigt jedoch, dass die große Mehrheit der Menschen bereit ist, für eine bessere Behandlungsqualität weitere Wege in Kauf zu nehmen. Menschen auf dem Land sind der Umfrage zufolge dabei etwas eher bereit länger zu fahren als Großstädter. Und sie sind auch besonders betroffen, denn junge Mediziner zieht es immer weniger in die eigene Praxis auf dem Land.

Menschen sind aufgeschlossen gegenüber der Landschwester

Die Meinungsforscher haben deshalb auch die Menschen zu alternativen Lösungsansätzen befragt: Drei von vier Befragten (73 Prozent) könnten sich vorstellen, dass medizinisches Fachpersonal wie Krankenschwestern und –pfleger einige Aufgaben von Landärzten übernehmen - etwa Hausbesuche zur Routinekontrolle bei chronisch Kranken. Bei der Telemedizin zeigten sich die Deutschen deutlich skeptischer. Nur jeder dritte Deutsche (37 Prozent) kann sich vorstellen, mit einem Arzt per Videogespräch zu kommunizieren, wenn er dadurch längere Wege vermeiden und schneller Zugang zu einem Spezialisten bekommen kann.

Insgesamt stellen die Deutschen ihren Ärzten ein gutes Zeugnis aus. Mit ihrem letzten Arztbesuch waren sieben von zehn Befragten rundum zufrieden. Die meiste Kritik äußerten die Befragten an der Aufklärung über Risiken und Nebenwirkungen von Medikamenten. Und auch wenn es um Chancen, Risiken und Behandlungsalternativen geht, fühlten sich die Deutschen nicht mehr so gut informiert. Nur jeder dritte fühlte sich bei seiner letzten ernsteren medizinischen Behandlung voll und ganz aufgeklärt. Dabei schnitten die Ärzte im Krankenhaus genauso schlecht ab wie die niedergelassenen Mediziner.

Jeder zweite fürchtet um die Versorgungsqualität

Die Meinungsumfrage zeigt auch, dass viele um die Finanzierbarkeit, den Leistungsumfang und die Versorgungsqualität fürchten. So rechnen 85 Prozent der Menschen in Deutschland mit steigenden Krankenkassenbeiträgen. Zudem geht mehr als die Hälfte (54 Prozent) davon aus, dass der Leistungsumfang in Zukunft eingeschränkt werden muss, und knapp jeder Zweite fürchtet eine sinkende medizinische Versorgungsqualität (47 Prozent). Hier sind die Menschen auf dem Land deutlich pessimistischer als Menschen in der Großstadt.

Foto: © Marco2811 - Fotolia.com

Hauptkategorie: Gesundheitspolitik
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Gesundheitssystem , Ärzte , Ärztemangel

Anzeige
 

Weitere Nachrichten zum Thema Ärztemangel

| Die Idee der Landarztquote sieht vor, dass Studienanwärter, die sich verpflichten, später als Landarzt zu arbeiten, leichter einen Medizinstudienplatz erhalten. Dieser Vorschlag stieß bisher auf verfassungsrechtliche Bedenken. Nun wurde ein neues Gutachten zum Thema erstellt.

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
Die Kinderrheumatologin PD Dr. Kirsten Minden von der Charité und dem Deutschen Rheumaforschungszentrum Berlin erklärt die jüngsten Fortschritte in der Kinderrheumatologie und wo noch Defizite sind.
. Weitere Nachrichten
Tollwut-Impfstoffe ohne Wirkstoff, gepfuschte Kombi-Impfstoffe für Kinder – China wird von einem Impfstoffskandal erschüttert. Deutschland ist davon nicht betroffen, versichert das Paul-Ehrlich-Institut. Das chinesische Unternehmen Changchun Changsheng habe keine Zulassung in Europa.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

St. Joseph Krankenhaus Berlin-Tempelhof, Wüsthoffstraße 15, 12101 Berlin, Konferenzraum1
. Interviews
Dr. Iris Hauth, Chefärztin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin-Weißensee, berichtet in Ihrem Buch "Keine Angst!" über Ursachen und Behandlung von Depressionen - und wie man sich davor schützen kann.
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.
Noch zu wenige Versicherte nehmen die Darmkrebsvorsorge wahr. Die AOK Nordost geht deshalb neue Wege. Stefanie Stoff-Ahnis, Mitglied der Geschäftsleitung der AOK Nordost und verantwortlich für das Ressort Versorgung, erläutert das Engagement, das soeben mit dem Felix Burda Award ausgezeichnet wurde.