. Seelische Gesundheit

Altersdepressionen werden besser erforscht

Depressionen im Alter bleiben oft unbehandelt. Jetzt will eine multizentrische Studie die Wirksamkeit einer spezifischen Psychotherapie für alte Menschen untersuchen. Das Bundesforschungsministerium fördert das Vorhaben mit 1,9 Millionen Euro.
Altersdepressionen: Neue Studie untersucht Wirksamkeit einer speziellen Psychotherapie für ältere Menschen

Altersdepressionen: Neue Studie untersucht Wirksamkeit einer speziellen Psychotherapie für ältere Menschen

Mit rund 1,9 Millionen Euro fördert das Bundesforschungsministerium (BMBF) die weltweit größte multizentrische Studie zur Psychotherapie der Altersdepression. In der Studie werden an sieben deutschen Zentren insgesamt 248 ältere Personen mit Depressionen acht Wochen lang psychotherapeutisch behandelt. Die eine Gruppe erhält eine spezifisch für die Altersdepression entwickelte Verhaltenstherapie, die andere Gruppe eine unspezifisch unterstützende Therapie.

Spezifischer Psychotherapie fürs Alter

„Sollte die Studie die Wirksamkeit von spezifischer Psychotherapie im Alter belegen, würde ein sofort implementierbares wirksames Behandlungsverfahren für diese häufig komplex zu therapierende Patientengruppe zur Verfügung stehen“, sagt Studien-Koordinator Prof. Frank Jessen vom Universitätsklinikum Köln.

Laut Jessen wurden psychotherapeutische Konzepte, die spezifisch die Themen des alten Menschen aufgreifen bisher nur unzureichend in klinischen Studien geprüft. „Da medikamentöse antidepressive Therapien im höheren Alter häufig auf Grund von Kontraindikationen oder Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten nur begrenzt eingesetzt werden können und auch in ihrer Wirksamkeit schwächer sind als im jüngeren Lebensalter, wären nachgewiesen wirksame psychotherapeutische Strategien zur Behandlung der Altersdepression von großem Wert“, so Jessen.

Altersdepressionen oft nicht erkannt

Experten gehen davon aus, dass nur etwa 10 bis 20 Prozent der Altersdepressionen überhaupt diagnostiziert werden und nur ein Bruchteil davon adäquat behandelt wird. Das liegt zum einen daran, dass Stimmungstiefs von den Betroffenen oft als normale Alterserscheinung abgetan werden. Außerdem ist unter vielen Psychotherapeuten und Ärzten bis heute die Auffassung verbreitet, dass Psychotherapie im Alter nichts nütze.

Das ist inzwischen widerlegt. „Die vielfältig vorhandenen Psychotherapiemethoden wirken auch bei älteren Menschen so gut, dass in der Regel schon nach kurzer Zeit eine erhebliche Besserung eintritt“, sagt Dr. Jürgen Ortmann von den Fliedner Kliniken Berlin.

Das Deutsche Bündnis gegen Depressionen verweist darauf, dass mit zunehmendem Alter die Suizidrate steigt und fordert, Depressionen im Alter genauso konsequent zu behandeln wie in jüngeren Jahren. Die neue Studie wird nun tiefere Erkenntnisse liefern, von welcher therapeutischen Strategie ältere Menschen besonders profitieren. 

Autor: ham
Hauptkategorien: Demografischer Wandel , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Alter , Depression , Psychotherapeuten

Weitere Nachrichten zum Thema Depressionen

| Wer im Alter von über 50 Jahren erstmalig an einer Depression erkrankt, hat ein besonders hohes Risiko, auch noch dement zu werden. Das zeigt eine Analyse niederländischer Forscher. Was allerdings Ursache und was Wirkung ist, lässt sich schwer beantworten.

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Bei Frauen mit genetisch bedingtem Lungenhochdruck kann Östrogen eine Rolle bei der Erkrankung spielen. Experimente zeigen nun, dass Medikamente, die das Östrogen hemmen, der Erkrankung vorbeugen und auch zu ihrer Behandlung dienen können.
Knapp drei Millionen Tiere sterben in Deutschland jedes Jahr für die Forschung – viele davon umsonst, weil sich die Ergebnisse aus Tierversuchen oft nicht auf Menschen übertragen lassen. Nun wurde ein Modellsystem ausgezeichnet, das Tierversuche in der Schlaganfallforschung ersetzen soll.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender

Vivantes Klinikum im Friedrichshain, Raum 12.109/110 im Erdgeschoss, Landsberger Allee 49, 10249 Berlin
. Kliniken
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.
Kinder suchtkranker Eltern sind besonderen Belastungen ausgesetzt und haben ein hohes Risiko, später selbst eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen zu entwickeln. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler über die Situation betroffener Kinder und die Notwendigkeit von Unterstützungsangeboten gesprochen.
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.