Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
26.11.2012

Alte Menschen erkennen Unterzuckerung oft nicht

Bei alten Menschen kann eine Unterzuckerung gravierende Folgen haben, auch weil Symptome nicht ernst genommen werden. Darauf wiesen Diabetologen bei der 6. Diabetes Herbsttagung am 16. November in Berlin hin.
Alte Menschen erkennen Unterzuckerung oft nicht

Unterzuckert? Viele ältere Menschen schieben die Symptome auf ihr Alter zurück.

Jeder dritte bis vierte der über 75-jährigen leidet an Diabetes. Doch gerade Patienten dieser Altersgruppe sind besonders gefährdet, eine Unterzuckerung zu erleiden, weil sie die Symptome einer Hypoglykämie häufig falsch deuten. „Typische Warnzeichen der Unterzuckerung wie Zittern oder Schwindel bringen sie oft nicht mit dem Diabetes in Verbindung, sondern schieben sie auf ihr Alter oder andere Erkrankungen“, erklärte Dr. Ann-Kathrin Meyer, Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Geriatrie der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) auf der Herbsttagung in Berlin. Über diese Symptome und die Gefahr der Unterzuckerung sollte der behandelnde Arzt unbedingt aufklären.

Eine Hypoglykämie, umgangssprachlich Unterzuckerung genannt, kann insbesondere für alte Menschen gravierende Folgen haben. Die Sturzgefahr steigt ebenso wie das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall. Nach Ergebnissen der Live-Geri-Studie, in der Daten aus 32 ambulanten und 40 stationären Pflegeeinrichtungen ausgewertet wurden, hatten 6,2 Prozent der Senioren eine schwere Hypoglykämie.

Diabetes-Therapie bei alten Menschen muss individualisiert sein

Alte Menschen benötigten aber andere Therapieempfehlungen als jüngere Diabetes-Patienten, berichtete Meyer. Alten Menschen beispielsweise zur Behandlung des Diabetes mehr Bewegung oder eine Ernährungsumstellung zu empfehlen, sei oft nicht praxistauglich. Viele ältere Patienten seien durch eine Hüft- oder Knie-Arthrose stark eingeschränkt oder wenig flexibel, gefestigte Ernährungsgewohnheiten aufzugeben. „Deshalb sollte die Therapie in erster Linie bei der Gabe der Medikamente ansetzen und auf die optimale Einstellung des Blutzuckers abzielen“, betonte Meyer.

Die optimale Einstellung des Blutzuckers sollte sich ebenfalls nach dem Alter richten. Während für Ältere der Nüchtern-Blutzucker bei Werten zwischen 120 und 180 mg/dl liegen sollte, gelten für Jüngere Werte zwischen 60 und100 mg/dl. Der Langzeitwert, auch HbA1c-Wert genannt, sollte bei Senioren um 7 bis maximal 8 Prozent betragen und ist damit ebenfalls deutlich höher als die pauschale Empfehlung eines Wertes von unter 6,5 Prozent. „Alte Menschen mit Diabetes zu behandeln, erfordert ein dauerhaft auslotendes Vorgehen“ sagte Meyer. Ihr Therapie-Motto lautet: “Start low, but go and go for enough.“ Niedrig beginnen, langsam steigern bis zu dem Punkt, an dem die optimale Dosis gefunden wird. Mit diesem Therapieverfahren ließen sich die meisten Komplikationen vermeiden beziehungsweise rechtzeitig erkennen.

Foto: © DOC RABE Media - Fotolia.com

 
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Alter , Personalisierte Medizin
 

Weitere Nachrichten zum Thema Diabetes

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
 
Weitere Nachrichten

Wegen niedriger Corona-Fallzahlen wird die Forderung nach einem Ende der Maskenpflicht immer lauter. Nun plädiert auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn für eine schrittweise Lockerung des Mund-Nasen-Schutzes.

 
Interviews
Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.


Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.
Logo Gesundheitsstadt Berlin