. Herz

Alkohol fördert Herzrhythmusstörungen

Alkohol fördert Herzrhythmusstörungen. Bei einer Untersuchung von Besuchern des Münchner Oktoberfestes traten diese bei 30 Prozent der Teilnehmer auf.
Oktoberfest

Alkohol fördert Herzrhythmusstörungen, das zeigte sich bei Oktoberfest-Besuchern

Die entsprechende Studie von Forschern des Klinikums der Universität München und des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislaufforschung (DZHK) wurde in der Zeitschrift European Heart Journal veröffentlicht. Unter Leitung von Dr. Stefan Brunner und Dr. Moritz Sinner von der Medizinischen Klinik und Poliklinik I des Klinikums der Universität München wurde im Jahr 2015 an allen 16 Festtagen auf dem Münchener Oktoberfest 3.028 freiwillige Teilnehmer untersucht.

Dabei hatten die Teilnehmer unterschiedliche Mengen an Alkohol konsumiert. Die Alkoholspiegel reichten von 0 bis 3,0 Promille, der laut Studien-Design für die Teilnahme maximal erlaubten Alkoholmenge. Das Alter der Teilnehmer lag im Mittel bei 35 Jahren, 30 Prozent der Teilnehmer waren Frauen. Die Forscher registrierten Elektrokardiogramme (EKGs) mit einem tragbaren, Smartphone-basierten System, um den Herzrhythmus zu analysieren. Der Alkoholspiegel wurde mit einem Atemalkoholmessgerät erfasst.

Alkohol fördert Herzhythmusstörungen

Die Häufigkeit der Herzrhythmusstörungen in der Allgemeinbevölkerung liegt bei circa 1 bis 4 Prozent. In ihrer Studie fanden die Forscher Herzrhythmusstörungen bei 30,5 Prozent der Teilnehmer. In 25,9 Prozent der Fälle lag dabei eine Sinustachykardie vor, bei der das Herz schneller als normal schlägt. Die Atemalkoholkonzentration war dabei signifikant mit einem erhöhten Risiko für Herzrhythmusstörungen verbunden. Pro zusätzlichem Gramm pro Kilogramm Alkohol erhöhte sich das Risiko für Herzrhythmusstörungen um 75 Prozent.

Mediziner vermuten seit seit langem, dass durch Alkohol ausgelöste Herzrhythmusstörungen unter Umständen zu Vorhofflimmern führen können. Besteht Vorhofflimmern über einen längeren Zeitraum, können Schlaganfälle oder eine Herzschwäche die Folge sein. Der vermutete Zusammenhang zwischen dem Genuss großer Alkoholmengen über einen kurzen Zeitraum und dem Auftreten von Herzrhythmusstörungen bei sonst Herzgesunden wird als „Holiday Heart Syndrome“ bezeichnet.

 

Zusammenhang auch bei gewohnheitsmäßigem Alkoholkonsum

In einer anderen Studie (KORA S 4) hatten die Forscher den Einfluss von gewohnheitsmäßigem Alkoholkonsum bei 4.131 Teilnehmern untersucht. Auch bei mittlerem, regelmäßigen Alkoholkonsum zeigte sich eine signifikante Assoziation zwischen der täglichen Alkoholmenge und Sinustachykardie. Die Wahrscheinlichkeit hierfür erhöhte sich um drei Prozent pro zusätzlichem Gramm Alkohol pro Tag. Der Effekt war aber deutlich schwächer verglichen mit dem Einfluss von akutem Alkoholkonsum.

Die respiratorische Sinusarrhythmie spiegelt ein Ungleichgewicht in der autonomen Nervenversorgung des Herzens wider – also im unbewussten Kontrollsystem, welches die Körperfunktionen wie Herzschlag oder Atmung kontrolliert. „Es ist bekannt, dass Vorhofflimmern auftreten kann, wenn Patienten eine durch ein autonomes Ungleichgewicht ausgelöste Sinustachykardie entwickeln“, sagt Dr. Sinner.

Studien mit Langzeit-EKG geplant

Die Forscher nehmen an, dass die auf dem Oktoberfest erfassten Herzrhythmusstörungen oftmals nur zeitlich begrenzt waren und diese zu einem Ende kamen, wenn die Teilnehmer wieder nüchtern wurden. Sollten Teilnehmer bereits eine zugrundeliegende Herzerkrankung aufweisen, könnte die durch den Alkohol ausgelöste Herzrhythmusstörung auch fortdauern. „Um diese Fragen endgültig beantworten zu können, werden wir weitere Forschungsergebnisse mit längerer Erfassung des EKGs nach Alkoholkonsum benötigen“, so die Autoren.

Foto: karepa/fotolia.com

Autor: bab
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Alkohol
 

Weitere Nachrichten zum Thema Alkohol

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Die Corona-Pandemie hat unser Leben radikal verändert. Familien leben auf engem Raum zusammen. Alleinstehenden brechen die sozialen Kontakte weg. Experten befürchten eine Zunahme häuslicher Gewalt. Über Hilfestellungen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem renommierten Psychiater und Stressforscher Prof. Dr. Mazda Adli gesprochen.
Der Deutsche Ethikrat hält die gegenwärtigen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Epidemie in Deutschland für gerechtfertigt. Jedoch müssten die Restriktionen bald schrittweise gelockert werden. Wie das geschehen kann, hat das Gremium in seiner Ad-hoc-Empfehlung "Solidarität und Verantwortung in der Corona-Krise" beschrieben.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Friedrich von Bodelschwingh-Klinik, Landhausstraße 33 – 35, 10717 Berlin

Friedrich von Bodelschwingh-Klinik, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Landhausstraße 33 – 35, 10717 Berlin Mehrzweckraum, EG
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Interviews
Work-Life-Balance, geregelte Arbeitszeiten – in altersgemischten Stationsteams prallen Welten aufeinander. Wie sich der Generationenkonflikt im Krankenhaus lösen lässt, weiß Professor Wolfgang Kölfen, Chefarzt und Kommunikationsberater aus Mönchengladbach.
Die Universitätsmedizin Essen ist Smart Hospital und aktiv am Aufbau des virtuellen Krankenhauses in Nordrhein-Westfalen beteiligt. Über die Chancen der digitalen Transformation und die Hürden auf diesem Weg hat Gesundheitsstadt Berlin mit der Digital Change Managerin der Universitätsmedizin Dr. Anke Diehl gesprochen.