. Demografischer Wandel

Ärztestatistik 2017: Deutschlands Ärzte werden immer älter

Die Bundesärztekammer hat die Ärztestatistik 2017 vorgelegt. Danach ist die Zahl der Ärzte zwar gestiegen, aber im niedergelassenen Bereich gesunken. Unterdessen werden Deutschlands Ärzte immer älter.
Ärztestatistik 2017, Ärztemangel

Ärztestatistik 2017: Weniger niedergelassene, aber mehr Ärzte im pensionsreifen Alter

Im vergangenen Jahr waren in Deutschland 385.149 Ärztinnen und Ärzte ärztlich tätig. Gegenüber 2016 ist das ein Plus von 6.542 Ärzten. Doch der niedergelassen Bereich hat nicht davon profitiert. Hier ist die Zahl 1,1 Prozent auf 118.356 gesunken. Diese Zahlen hat jetzt die Bundesärztekammer für das Jahr 2017 vorgelegt. Dazu erklärte der Präsident der Bundesärztekammer Frank Ulrich Montgomery: „Die Zahl der Ärztinnen und Ärzte in Deutschland steigt, aber wer nur Köpfe zählt, macht es sich zu einfach. Die Realität ist komplexer. Uns fehlen Arztstunden. Und wenn wir nicht endlich entschieden gegensteuern und mehr Ärzte ausbilden, dann wird sich dieser Mangel verschärfen.“

Zu der komplexen Realität gehört ein wachsender Behandlungsbedarf in einer alternden Gesellschaft: So meldet das Statistische Bundesamt 19,5 Millionen Behandlungsfälle in den Krankenhäusern sowie rund eine Milliarde Arztkontakte jährlich in den Praxen.

Ärzte arbeiten mehr als andere Berufsgruppen

Geschultert wird dies augenblicklich von niedergelassenen Ärzten, die im Schnitt mehr als 50 Stunden pro Woche arbeiten. In den Krankenhäusern sieht es ähnlich aus: Nach Erhebungen des Marburger Bundes sind 40 Prozent der Ärzte im Krankenhaus 49 bis 59 Stunden pro Woche im Einsatz, jeder fünfte hat sogar eine durchschnittliche Wochenarbeitszeit von 60 bis 80 Stunden, inklusive aller Dienste und Überstunden. Zum Vergleich: Das Statistische Bundesamt beziffert die durchschnittliche Wochenarbeitszeit aller Erwerbstätigen in Deutschland auf 35,6 Stunden.

„Ein großer Teil unserer Ärzte arbeitet am Limit. Gleichzeitig sind gerade in der jungen Generation viele nicht mehr bereit, sich auf Kosten der eigenen Gesundheit aufzureiben“, sagte Montgomery mit Blick darauf, dass sich immer mehr Ärzte für eine Festanstellung im ambulanten Bereich entscheiden.

Es gibt viel mehr älter als jüngere Ärzte

Derweil zeigt die Ärztestatistik 2017 noch ein weiteres Problem: ,Deutschlands Ärzte werden immer älter. Der Anteil der unter 35-jährigen Ärzte ist zwar um 0,1 Prozentpunkte auf 18,9 Prozent gestiegen, aber gleichzeitig ist der Anteil der über 59-Jährigen auf 18,4 Prozent angewachsen (Vorjahr: 17,9 %). Weiterhin ist der Anteil der 40- bis 49-Jährigen von 23,3 Prozent auf 22,7 Prozent zurückgegangen und der Anteil der 50-bis 59-Jährigen von 28,4 Prozent auf 28,2 Prozent gesunken. Dennoch gibt es viel mehr 50- bis 59-Jährige (108.559) als 40- bis 49-Jährige (87.280).

Das Durchschnittsalter der Krankenhausärztinnen und -ärzte stieg um 0,1 Jahre auf 41,7 Jahre. Während der Anteil der Krankenhausärztinnen und -ärzte, die jünger als 35 Jahre sind, bei 33,4 Prozent stagniert, erhöhte sich der Anteil der über 59-Jährigen auf 7,3 Prozent (Vorjahr: 7 Prozent). Bei den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten stagnierte der Anteil der unter 40-Jährigen bei 2,7 Prozent. Zugleich ist der Anteil der mindestens 60-Jährigen von 32,6 Prozent auf 33,9 Prozent gestiegen.

Der demografische Wandel hat die Ärzteschaft selbst erfasst, kommentierte Montgomery diese Zahlen. „Diese Entwicklungen tragen dazu bei, dass in Zukunft trotz steigender Arztzahlen in Deutschland Ärzte fehlen werde“, warnte er. Das Kernproblem sei, dass Deutschland zu wenige Ärzte ausbilde. „Bund und Länder stehen gemeinsam in der Pflicht, die Zahl der Medizinstudienplätze um mindestens zehn Prozent zu erhöhen“, forderte Montgomery.

Zuwanderer lösen Ärztemangel nicht

Zuwanderer sind für ihn nicht die Lösung, um den Ärztemangel auszugleichen. Die zugewanderten Kollegen fehlten in ihren Herkunftsländern. Auch seien enorme Anstrengungen nötig, die für eine gute Patientenversorgung notwendigen Fachsprachen-Kenntnisse zu prüfen, sagte Montgomery. Zugleich forderte er, dass ausländische Ärzte aus Nicht-EU-Staaten einen Nachweis über ihre Kenntnisse und Fähigkeiten durch Teilnahme am medizinischen Staatsexamen erbringen sollten, um in Deutschland eine Zulassung zu erhalten. „Patienten haben einen Anspruch auf eine qualitativ hochwertige Behandlung“, sagte Montgomery. Deshalb müsse auch bei zugewanderten Medizinern aus dem Ausland zweifelsfrei geklärt werden, dass sie über die gleichen Fähigkeiten und Kenntnisse verfügten, wie ihre in Deutschland ausgebildeten Kollegen.

Daneben gibt es noch das Problem der Abwanderung: Nach der Ärztestatistik haben im vergangenen Jahr 1.965 Ärztinnen und Ärzte Deutschland verlassen. Die beliebtesten Auswanderungsländer waren die Schweiz, Österreich und die USA.

Foto: Pixabay

Autor: ham
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