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Ärzte operieren erfolgreich "inoperablen" Bauchspeicheldrüsenkrebs

Mittwoch, 13. Januar 2021 – Autor:
Die Diagnose „inoperabler Bauchspeicheldrüsenkrebs“ macht jede Hoffnung auf Heilung zunichte. In einer Studie wurden die Patienten dennoch operiert. Bei mehr als einem Drittel war der Eingriff ein voller Erfolg.
Das Pankreaskarzinom gilt häufig als inoperabel. Eine Chemotherapie macht Hoffnung auf die rettende Operation

Das Pankreaskarzinom gilt häufig als inoperabel. Eine Chemotherapie macht Hoffnung auf die rettende Operation – Foto: ©santypan - stock.adobe.com

Bauchspeicheldrüsenkrebs ist höchst aggressiv und gehört zu den Krebserkrankungen mit der schlechtesten Prognose. 95 Prozent der Patienten versterben binnen fünf Jahren. Eine Operation ist die einzige Chance auf Heilung. Doch da das Pankreaskarzinom lange keine Beschwerden macht, wird es meist erst im fortgeschrittenen Stadium entdeckt. Oft gilt es dann als inoperabel.

Die Operation von Pankreaskarzinomen gehört aufgrund der Lage des Organs und seiner Beziehung zu lebensnotwendigen Gefäßen zu den schwierigsten chirurgischen Eingriffen. Ärzte können dann versuchen, den Tumor mit einer Chemotherapie so zu verkleinern, dass anschließend doch noch operiert werden kann. Bislang war jedoch unklar, welche Chemotherapeutika-Kombinationen die besten Voraussetzungen dafür schaffen.

Chemotherapie soll Operation ermöglichen

In der NEOLAP-Studie wurde diese Frage unter Beteiligung von 28 Krebszentren untersucht. Im Rahmen der Studie erhielten 165 Patienten mit unbehandeltem, nicht-operablen Pankreaskarzinom zunächst zwei Monate eine Chemotherapie-Kombination bestehend aus Gemcitabin und nab-Paclitaxel. Blieben Progress oder Unverträglichkeit aus, spaltete sich die weitere Behandlung randomisiert in zwei unterschiedliche Arme auf: Eine Patientengruppe erhielt zwei weitere Monate lang Gemcitabin und nab-Paclitaxel, die andere zwei Monate Folfirinox. Folfirinox ist ein intensives Chemotherapie-Schema, das drei Wirkstoffe kombiniert.

 

Operiert, obwohl der Bildbefund dagegen sprach

Im Anschluss an die Chemotherapie wurden alle Studienteilnehmer operiert, und zwar auch solche, die aufgrund der Bildgebung weiterhin als inoperabel galten. Die Ergebnisse machen Hoffnung: Co-Autor Prof. Christoph Germer vom Universitätsklinikum Würzburg fasst sie zusammen: „Während der Operation zeigte sich, dass bei vielen dieser vorbehandelten Patienten der jeweilige Tumor soweit geschrumpft oder in Narbengewebe umgewandelt war, dass er sicher von den lebensnotwendigen Gefäßen gelöst und komplett entfernt werden konnte“, berichtet Prof. Germer.

Jeder dritte Patient kurativ statt palliativ behandelt

Im Arm der mit Gemcitabin und nab-Paclitaxel vorbehandelten Patienten war bei 36 Prozent der Patienten eine solche vollständige Entfernung des Tumors möglich (R0-Resektion), im Folfirinox-Arm bei 44 Prozent. Bei den anderen Patienten wurde der Eingriff als inoperabel frühzeitig beendet. „Zusammenfassend bedeutet das, dass wir rund einem Drittel der Patienten mit lokal fortgeschrittenem Pankreaskarzinom eine kurative Behandlungsoption anbieten konnten, die ansonsten nur noch palliativ therapiert worden wären – ein bedeutender Fortschritt“, unterstreicht Erstautor Prof. Volker Kunzmann, der die Studie im Jahr 2014 initiiert hatte.

Die Chemotherapie-Schemata der beiden Armen zeigten bei der Wirksamkeit für die Vorbereitung der Operation keine signifikanten Unterschiede. Kunzmann zufolge können sich die behandelnden Ärzte also in Abhängigkeit von der individuellen Verträglichkeit für einen der vorgeschlagenen Vorbehandlungswege entscheiden. Die Ergebnisse wurden im Dezember 2020 in der Fachzeitschrift „The Lancet Gastroenterology & Hepatology“ veröffentlicht.

In der 2018 abgeschlossenen Studie waren die Ärzte vom Standard abgewichen. Die Ergebnisse sind indes so bedeutend, dass das Behandlungskonzept bereits in die neuen Leitlinien zur Behandlung des Pankreaskarzinoms aufgenommen wurde.

Foto: © Adobe Stock/santypan

Hauptkategorie: Medizin
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