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16.09.2013

Ärzte haben gefährdete Diabetiker-Füße zu wenig im Blick

In Deutschland leiden rund 300.000 Diabetiker an einem Diabetischen Fußsyndrom. Im schlimmsten Fall droht den Betroffenen eine Amputation. Doch nur die wenigsten wissen von ihrem das Nervenleiden.
Diabetischer Fuß: Eine bessere Frühdiagnostik könnte Diabetikern viel Leid ersparen

Diabetischer Fuß: Eine bessere Frühdiagnostik könnte Diabetikern viel Leid ersparen

Ein chronisch erhöhter Blutzucker kann Nerven irreversibel schädigen. Etwa jeder dritte Diabetiker bekommt in Folge seiner Zuckerkrankheit eine so genannte diabetische Neuropathie. Unbehandelt kann diese Nervenschädigung schwerwiegende Folgen nach sich ziehen, die häufigste Folge ist das Diabetische Fußsyndrom, kurz Diabetischer Fuß. Offizielle Schätzungen gehen davon aus, dass in Deutschland rund 300.000 Diabetiker von einem Diabetischen Fußsyndrom betroffen sind.

Obwohl die diabetische Neuropathie eine häufige Folge von Diabetes ist, wird sie oft lange nicht erkannt. Viele Betroffene wissen gar nichts von ihrem Nervenleiden. Eine Studie aus der Region um Augsburg, an der 1.100 Senioren im Alter zwischen 61 und 82 Jahren teilgenommen haben, hat dies jetzt untermauert: Nur neun Prozent der Patienten, bei denen die Wissenschaftler eine Neuropathie nachwiesen, waren sich ihrer Erkrankung bewusst. Selbst bei bereits bekanntem Typ-2-Diabetes war die Häufigkeit unbekannter Neuropathie-Fälle erstaunlich hoch: 77 Prozent dieser Patienten gaben an, nichts von ihrem Nervenleiden gewusst zu haben.

Untersuchung der Füße erfolgt nur bei jedem vierten Diabetiker

Offensichtlich hapert es an der Frühdiagnose. „Ärzte haben die gefährdeten Diabetiker-Füße zu wenig im Blick“, sagt Studien-Autorin Brenda Bongaerts vom Leibnitz-Zentrum für Diabetesforschung an der Uni Düsseldorf. „Bei etwa einem Viertel der Patienten mit bekanntem Typ-2-Diabetes wurden nie die Füße untersucht, obwohl eine jährliche Untersuchung von Fachgesellschaften empfohlen wird.“. Eine frühzeitige Diagnose stelle aber die Weichen für den Therapieerfolg und die Prognose der Patienten.

Im schlimmsten Fall drohen den betroffenen Diabetikern eine Amputation der Zehen, Füße oder ganzer Unterschenkel. Rund 28.000 Amputationen gehen jedes Jahr in Deutschland auf das Diabetische Fußsyndrom zurück. Rund 90 Prozent der Patienten über 75 Jahre versterben an den Folgen.

Dabei ist die Diagnostik des Diabetischen Fußsyndroms relativ einfach. Bereits in früheren Stadien kann der Arzt die Nervenerkrankung meist durch einfache Tests nachweisen, indem er etwa das Vibrationsempfinden oder das Berührungsempfinden an den Füßen überprüft. Patienten können eine diabetische Neuropathie an Symptomen wie Kribbeln, Brennen, Schmerzen und Taubheit in den Füßen erkennen. Auch Wunden, Risse, Druckstellen oder eine sehr trockene Haut können Zeichen eines Diabetischen Fußsyndroms sein.

 

Gute Stoffwechseleinstellung gehört zur Basistherapie

Die effektivste Basismaßnahme gegen diabetische Folgeerkrankungen sei eine gute Stoffwechseleinstellung, erklärte der Diabetologe Dr. Alin Stirban aus Neuss auf einer Pressekonferenz anlässlich des diesjährigen Kongresses der Deutschen Diabetes-Gesellschaft in Leipzig. Hier spiele neben der medikamentösen Behandlung auch der Lebensstil eine große Rolle: „Durch eine gesunde Ernährung, Bewegung, wenig Alkohol und Verzicht auf das Rauchen werden nerven- und gefäßschädigende Faktoren reduziert, so Stirban. Ganz wichtig: „Diabetiker sollten ihre Füße regelmäßig kontrollieren und Auffälligkeiten immer ihrem Arzt mitteilen", rät Stirban.

Foto: © Visionär - Fotolia.com

Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
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