Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Ärzte beklagen schlechte Arbeitsbedingungen

Hohe Arbeitsverdichtung, wirtschaftlicher Druck: Die Stimmung in der Ärzteschaft ist nicht gut und schlägt sich auch auf die Gesundheit von Klinikern. Das zeigt eine Umfrage des Marburger Bundes unter 6.500 Mitgliedern.
MB Monitor 2019: Viele Klinikärzte sind unzufrieden und überlastet

MB Monitor 2019: Viele Klinikärzte sind unzufrieden und überlastet

Wenn dreiviertel der Klinikärzte das Gefühl haben, dass ihr Job ihre Gesundheit beeinträchtigt, dann sollten die Alarmglocken schrillen. Nach einer Umfrage des Marburger Bundes, denkt sogar jeder fünfte über einen Jobwechsel nach. An der online-Befragung beteiligten sich rund 6.500 angestellte Ärzte, allesamt Mitglieder des Marburger Bundes. Die Ergebnisse wurden jetzt im MB-Monitor 2019 veröffentlicht. Als Ursachen werden Überstunden, fehlendes Personal und zunehmender Zeitdruck angegeben, aber auch der wachsende ökonomische Druck belastet die Ärzte.

Viele gehen über ihre Grenzen

Knapp die Hälfte der Befragten (49 %) sagt, sie seien häufig überlastet; jeder zehnte stimmt der Aussage zu: „Ich gehe ständig über meine Grenzen“. 15 Prozent waren durch ihre Arbeit schon einmal so stark psychisch belastet, dass sie sich in ärztliche bzw. psychotherapeutische Behandlung begeben mussten, etwa wegen eines Burnouts.

„Die Arbeitsbedingungen in den Kliniken müssen sich grundlegend verbessern. Nur dann können Ärztinnen und Ärzte ihre Patienten so versorgen, wie es ihren ärztlichen Vorstellungen entspricht“, sagt dazu die Vorsitzende des Marburger Bundes Dr. Susanne Johna. Dann steige auch die Arbeitszufriedenheit.

 

Hoher Verwaltungsaufwand macht unzufrieden

Besonders genervt sind die Ärzte demnach vom hohen Verwaltungsaufwand. Die viel gerühmte Digitalisierung hat offenbar noch keinerlei Entlastung gebracht: Ganz im Gegenteil: Der tägliche Zeitaufwand für Datenerfassung, Dokumentation und organisatorische Tätigkeiten ist im Vergleich zu früheren Befragungen des Marburger Bundes sogar gestiegen. Heute geben 35 Prozent der Krankenhausärzte an, mindestens vier Stunden am Tag mit administrativen Tätigkeiten zu verbringen. Im Jahr 2013 waren es gerade mal acht Prozent.

Ein Skandal, findet Johna. „Wenn nur die Hälfte an Zeit für unsinnige und überflüssige Schreibarbeit eingespart werden könnte, hätten wir schon viel für die Patientenversorgung gewonnen“, sagt sie. Entlastung könnten gut geschulte Verwaltungskräfte auf den Stationen schaffen und eine bessere, anwenderfreundliche IT-Ausstattung.

Flucht in den Teilzeitjob

Durch solche entlastenden Maßnahmen könnten Ärzte auch wieder mehr Freizeit haben: Der durchschnittliche Arzt arbeitet im Vollzeitjob 56,5 Stunden pro Woche. Dass immer mehr in Teilzeit flüchten, zeigt die Umfrage ebenfalls: 26 Prozent der Befragten geben an, einen Teilzeitvertrag zu haben. „Die Verringerung der tariflichen Wochenarbeitszeit um etwa 8 bis 10 Stunden scheint oft für viele Ärztinnen und Ärzte die einzige Möglichkeit zu sein, regelmäßig mindestens einen freien Tag in der Woche zu haben“, kommentiert Jona den zu beobachtenden Trend. „Diese private ‚Arbeitszeitreform‘ ist ein klares Indiz dafür, dass die Krankenhäuser zu wenig in eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben investieren.“

Das müsse sich dringend ändern. „Wer auf Dauer an seinen eigenen Ansprüchen scheitert und keine Zeit hat für Gespräche mit Patienten, für kollegialen Austausch und nach der Arbeit für Familie und Freunde, fängt irgendwann an, die eigene Tätigkeit in Frage zu stellen.“

Foto: MB Monitor 2019

Autor: ham
Hauptkategorie: Gesundheitspolitik
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Krankenhäuser , Gesundheitspolitik , Ärzte
 

Weitere Nachrichten zum Thema Klinikärzte

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
Die Universitätsmedizin Essen ist Smart Hospital und aktiv am Aufbau des virtuellen Krankenhauses in Nordrhein-Westfalen beteiligt. Über die Chancen der digitalen Transformation und die Hürden auf diesem Weg hat Gesundheitsstadt Berlin mit der Digital Change Managerin der Universitätsmedizin Dr. Anke Diehl gesprochen.
 
Weitere Nachrichten
Der Wirkstoff Nusinersen zur Behandlung von spinaler Muskelatrophie (SMA) hat nach Einschätzung des IQWiG einen erheblichen Zusatznutzen für Kinder mit SMA Typ1. Die Kinder mit einem frühen Krankheitsbeginn profitieren demnach von einer lebensverlängernden Behandlung.

Der AstraZeneca-Impfstoff ist jetzt auch für Senioren zugelassen. Damit könnten die älteren Corona-Risikogruppen schneller durchgeimpft werden. Über Härtefalle, die aus ärztlicher Sicht eine vorzeitige Impfung benötigen, entscheidet in Berlin eine neue Clearingstelle.

Frust-Essen, mehr Alkohol, unfreiwillige Häuslichkeit, weniger Bewegung: Die COVID-19-Pandemie hinterlässt auch bei Gesunden ihre Spuren. 43 Prozent der Verbraucher haben zugenommen – um 5,5 Kilo im Schnitt. Bei jedem Siebten sind es sogar 10 Kilo oder mehr. Das zeigt eine INSA-Umfrage des rbb für sein Sendegebiet Berlin/Brandenburg.
 
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin