. Altersmedizin

Ältere Patienten brauchen eine spezielle Behandlung

Ältere Patienten können heute in geriatrischen Fachabteilungen altersgerecht behandelt werden. Ein Blick in die Geriatrie am Ev. Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge (KEH) zeigt, wie Patienten profitieren, auch solche mit der Nebendiagnose Demenz.
Geriatrie am Ev. Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge in Berlin-Lichtenberg: Haben spezielle Angebote für Patienten mit der Nebendiagnose Demenz

Geriatrie am Ev. Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge in Berlin-Lichtenberg: Haben spezielle Angebote für Patienten mit der Nebendiagnose Demenz

Ältere Patienten haben ganz andere Bedürfnisse als junge. Oft liegen Begleiterkrankungen vor, die bei der Behandlung berücksichtigt werden müssen, etwa Herzleiden, Stoffwechselerkrankungen oder eine Demenz. Außerdem führen akute Erkrankungen häufig zu Einschränkungen in der Mobilität und Alltagskompetenz. Aus diesem Grund hat das Evangelische Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge (KEH) vor  vier Jahren eine eigene Abteilung für  Altersmedizin geschaffen. In der Geriatrie, wie die Fachabteilung korrekt heißt, werden jedes Jahr rund 800 Patienten mit den verschiedensten Erkrankungen behandelt. Die Patienten sind 70 Jahre oder älter und kommen entweder von anderen Stationen des Hauses – darunter auch eine Stroke-Unit – oder werden von externen Kliniken  sowie niedergelassenen Ärzten überwiesen.

Patienten so schnell wie möglich mobilisieren

Stürze und Schlaganfälle sind die häufigsten Gründe für eine Behandlung. Aber auch Patienten mit „inneren“ Erkrankungen wie Herzschwäche oder einer Lungenentzündung werden am KEH altersgerecht versorgt. Was „altersgerecht“ bedeutet, versucht Chefarzt Prof. Dr. Hans-Peter Thomas am Beispiel einer Lungenentzündung zu verdeutlichen: „Eine Antibiotikabehandlung reicht nicht“, sagt er, denn ein älterer Mensch werde durch so einen Befund extrem geschwächt. „Frühzeitige Mobilisierung ist das A & O, um unsere Patienten wieder auf die Beine zu bringen. Sonst drohen Muskelabbau und stetige Verschlechterung des Allgemeinzustands.“

Um eine solche Abwärtsspirale zu vermeiden, arbeiten neben erfahrenen Altersmedizinern und speziell geschulten Pflegekräften auch Physio- und Ergotherapeuten sowie Psychologen und Logopäden in der KEH- Geriatrie. Letztere kümmern sich um jene Patienten, die in Folge eines Schlaganfalls ihr Sprachvermögen ganz oder teilweise verloren haben oder Schluckstörungen aufweisen. „Ziel des ganzheitlichen Behandlungsansatzes ist immer die Wiederherstellung der Alltagskompetenzen und größtmögliche Selbstständigkeit“, betont Altersmediziner Thomas.

Zum Konzept gehört auch, dass Co-Morbiditäten erkannt und mit behandelt werden und dass man ein besonderes Augenmerk auf die scheinbar einfachen Dinge legt: Hat der Patient sein Hörgerät angelegt und seine Brille auf? Ist vielleicht der Blutzucker entgleist oder ist der Patient mangelernährt? Hat er genug Wasser getrunken und wirklich seine Tabletten genommen?

All das hilft, die Patienten zu stabilisieren, aber auch kognitive Defizite besser einzuschätzen. Nach Auskunft von Chefarzt Prof. Thomas sind akute Verwirrtheitszustände nach Operationen oder Schlaganfall durchaus häufig und haben gravierende Folgen: Die Aufenthaltsdauer im Krankenhaus verlängert sich,  durch  Komplikationen wie Stürze, Wundliegen, Infekte, Ernährungsprobleme und Lungenentzündungen. Im Unterschied zur Demenz ist ein Delir immer ein akutes Geschehen, bildet sich aber meistens auch wieder zurück, oft jedoch mit bleibenden Schäden. „Hier ist es wichtig, klar Demenz und Delir zu unterscheiden, weil die Patienten ein anderes Therapiekonzept brauchen“, erklärt der Geriater.

Spezielle Angebote für Patienten mit Demenz

Auf Patienten mit der Nebendiagnose Demenz ist man am KEH ausreichend vorbereitet. Pflegekräfte haben entsprechende Schulungen durchlaufen und Geronto-Psychiater sind ebenfalls im Haus.

Für Patienten mit Demenz stellt ein Krankenhausaufenthalt in der Regel eine erheblich größere Belastung dar als für kognitiv Gesunde, da sie sich nur sehr schwer oder gar nicht auf die neue Umgebung einstellen können. Die ungewohnten Bedingungen, beschleunigte Abläufe und fremde Personen irritieren diese Patienten, die dadurch oftmals ihre Sicherheit und Selbstständigkeit verlieren. Die negativen Folgen sind vielfältig: Verwirrtheit, Unruhe, Aggressivität und Stürze treten gehäuft auf. Der Krankheitsverlauf wird ungünstig beeinflusst und der Klinikaufenthalt verlängert sich. Auch die Betreuungsintensität nimmt zu. Patienten mit Demenz profitieren deshalb von einer besonderen Umgebung, Pflege und Behandlung, um gut durch den Krankenhausaufenthalt geführt zu werden.

„Schulungen für Angehörige sind ein wichtiger Baustein, da die Lernfähigkeit des Patienten mitunter stark limitiert ist“, erklärt Thomas. Zudem gibt es in der Geriatrie des KEH spezifische Angebote, wie die neu eingerichtete Station für Demenzpatienten. Uhren an den Wänden und eine besondere Kennzeichnung der Zimmer sind liebevolle Details, die den Patienten mehr Orientierung geben – ganz gleich, mit welcher Akuterkrankung sie in die Klinik kommen.

„Alterstraumatologie“

Ein besonderes Angebot gibt es auch für Patienten nach Unfällen und Stürzen: Auf der Station für Alterstraumatologie, wo Unfallchirurgen und Altersmediziner die Patienten gemeinsam betreuen, steht nicht der Knochenbruch, sondern der ganze Mensch mit all seinen Facetten im Mittelpunkt. Darüber hinaus ist die Tagesklinik für Patienten, die keiner vollstationären Versorgung (mehr) bedürfen, eine gute Alternative. Von der Wundversorgung, über eine COPD-Therapie und Sturzprävention bis hin zur Diagnostik und Therapie von Depressionen und einem speziellen Angebot für Schmerzpatienten – praktisch alle alterstypischen Leiden werden hier von einem interdisziplinären Team behandelt. Abends dürfen die Patienten wieder nachhause gehen.

Verbesserte Schnittstellen zwischen ambulant und stationär

„Ich denke, dass die Interdisziplinarität ein besonderes Kennzeichen unserer Klinik ist“, betont Hans-Peter Thomas, der auch großen Wert auf reibungslose Zusammenarbeit mit externen Akteuren legt. Noch in der Klinik wird nämlich die nahtlose Weiterbehandlung durch ambulante Pflegedienste, Physiotherapeuten oder Ernährungsberater sichergestellt. Außerdem werden benötigte Hilfsmittel für das Leben zuhause organisiert und die weiterbehandelnden Ärzte informiert, oft sogar persönlich.

Weil es an der Schnittstelle zwischen ambulant und stationär häufig hapert, entwickelt Prof. Thomas gemeinsam mit anderen Experten gerade ein entsprechendes Konzept. Es fließt in das neue Projekt „Gesundheit 80plus“ von Berlins Gesundheitssenator Mario Czaja ein und wird vieles enthalten, was am KEH bereits Praxis ist. 

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