. Verhaltensauffälligkeiten

ADHS-Patienten benötigen oft auch als Erwachsene Therapie

ADHS ist keine reine Kinderkrankheit. Auch viele Erwachsene sind davon betroffen. Doch obwohl viele von ihnen noch eine Therapie benötigen, ist die Langzeitprognose bei ADHS insgesamt eher günstig.
ADHS bei Erwachsenen

ADHS ist für die Betroffenen und ihre Familien eine Herausforderung

Wenn Erwachsene von ADHS betroffen sind, besteht die Erkrankung meist seit der Kindheit oder Jugend. Dennoch sind weit weniger Erwachsene von der Störung betroffen als Kinder, denn ADHS geht mit zunehmendem Alter häufig von alleine zurück. Man geht heute davon aus, dass etwa ein Drittel der Betroffenen, die als Kind unter ADHS litten, als Erwachsene keine Probleme mehr damit haben, ein weiteres Drittel noch unter mäßigen Symptomen leidet und das letzte Drittel weiterhin mit starken Ausprägungen der Erkrankung zu kämpfen hat. Mit der Kölner Adaptiven Multimodalen Therapiestudie (KAMT), bei der 75 Betroffene über einen Zeitraum von 17,5 Jahren beobachtet wurden, konnten nun neue Zahlen vorgelegt werden, die auf eine eher noch positivere Prognose hinweisen.

Langzeitbeobachtung von ADHS-Patienten

Für die Studie wurden 75 sechs- bis zehnjährige Kinder zunächst rund sechs Monate lang in der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universitätsklinik Köln therapeutisch behandelt. Sie erhielten entweder eine rein verhaltenstherapeutische Behandlung oder zusätzlich eine medikamentöse Therapie. Je nach Behandlungserfolg wurden die Therapien dann weitergeführt oder neu kombiniert.  

Um die Entwicklung der Betroffenen zu beobachten, wurden innerhalb der folgenden 17,5 Jahre zu verschiedenen Zeitpunkten Befragungen durchgeführt. Es zeigte sich, dass nach der sechsmonatigen Intensivtherapie eindeutig positive Effekte zu verzeichnen waren, und zwar sowohl bei den ADHS-Patienten, die nur eine Verhaltenstherapie erhalten hatten, als auch bei denjenigen mit einer kombinierten Therapie. Innerhalb der folgenden acht Jahre konnten die Erfolge bei individuell angepasster Langzeittherapie stabilisiert werden.

Im Erwachsenenalter ging die Symptomatik bei vielen Betroffenen wie erwartet zurück, doch 20 Prozent litten immer noch an behandlungsbedürftigen Auffälligkeiten. Allerdings genügten bei den meisten dieser Patienten gelegentliche unterstützende Maßnahmen. Insgesamt gingen die Studienautoren davon aus, dass etwa 35 Prozent der Patienten weiterhin immer wieder professionelle Hilfe benötigen werden.

 

Prognose eher günstig

Die Studie zeigt auch, dass ADHS im Erwachsenenalter keinesfalls unproblematisch ist, vor allem, wenn keine Behandlung erfolgt. Immerhin 23 Prozent der Studienteilnehmer erfüllten im jungen Erwachsenenalter noch vollständig die Kriterien für eine ADHS, meist vom unaufmerksamen Typ, rund 18 Prozent zeigten immer noch klinisch auffällige Verhaltensweisen. Das bedeutet aber auch, dass bei den übrigen Teilnehmern die Problematik vollständig oder zumindest teilweise zurückgegangen war.  

Im Vergleich zur Gesamtbevölkerung zeigte sich auch ein erhöhter Anteil beim Substanzmissbrauch, insbesondere in Bezug auf Zigaretten und Drogen. 18 Prozent der befragten Erwachsenen gaben an, sie benötigten noch psychotherapeutische oder psychiatrische Behandlung, meist wegen Psychosen oder zum Alkohol- oder Drogenentzug. Psychopharmaka nahmen 16,7 Prozent ein, darunter vorwiegend Neuroleptika und Antiepileptika.

Die Studie zeigt damit, dass für die meisten ADHS-Betroffenen die Langzeitprognose eher günstig ist. Dennoch sind viele Betroffene auch als Erwachsene noch auf therapeutische Hilfe angewiesen. Die möglichen Sekundärfolgen der Erkrankung wie beispielsweise Substanzmissbrauch und Komorbiditäten zeigen, wie wichtig es ist, dauerhaft auf eine adäquate Behandlung zu achten.

Foto: © Kitty - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorie: Medizin
 

Weitere Nachrichten zum Thema ADHS

 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Die Digitalisierung des Gesundheitswesens kann in Zukunft die medizinische Versorgung verbessern und zu mehr Patientensicherheit führen – das sehen zumindest viele Gesundheitsexperten so. Der Innovationsausschuss des G-BA will entsprechende Projekte nun stärker fördern.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Kliniken
. Interviews
Dr. Iris Hauth, Chefärztin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin-Weißensee, berichtet in Ihrem Buch "Keine Angst!" über Ursachen und Behandlung von Depressionen - und wie man sich davor schützen kann.
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.
Noch zu wenige Versicherte nehmen die Darmkrebsvorsorge wahr. Die AOK Nordost geht deshalb neue Wege. Stefanie Stoff-Ahnis, Mitglied der Geschäftsleitung der AOK Nordost und verantwortlich für das Ressort Versorgung, erläutert das Engagement, das soeben mit dem Felix Burda Award ausgezeichnet wurde.