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Acht Gründe für eine FSME-Impfung

Wer gerne draußen in der Natur ist, kennt es: Eine Zecke hat sich in der Haut festgebissen. Die Borreliose ist die häufigste Krankheit, die Zecken übertragen können, aber hier braucht die Übertragung Zeit. Die Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME) dagegen ist seltener – aber sie wird beim Zeckenbiss sofort übertragen. Einer von acht Gründen, sich zu Beginn der Outdoor-Saison dagegen impfen zu lassen.
Zecke sitzt auf einem grünem Blatt.

Die Zecke gehört zu den gefährlichsten Tieren in Deutschland, da sie zahlreiche ernste Krankheiten übertragen kann. Wegen möglicher Langzeitschäden gefürchtet ist vor allem die Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME).

Die Zecke gehört zu den gefährlichsten Tieren in Deutschland, da sie zahlreiche ernste Krankheiten übertragen kann. Deutlich seltener als Borreliose, aber von zunehmender Bedeutung und besonders bedrohlich ist die Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME). Die durch Viren ausgelöste Erkrankung befällt die Hirnhäute und das zentrale Nervensystem. Sie ist nicht mit Medikamenten heilbar und kann neurologische Langzeitschäden verursachen: Lähmungen zum Beispiel, Gedächtnisprobleme, Schluck- und Sprechstörungen. In schweren Fällen kann die Krankheit sogar tödlich verlaufen.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt Personen, die in FSME-Risikogebieten leben oder dorthin reisen, sich gegen FSME impfen zu lassen. „Mit einer Impfung kann man sich gut schützen“, sagt Gerhard Dobler, Leiter des Nationalen Konsiliarlabors für Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME) am Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München. „Vor allem in den Risikogebieten könnten dadurch die Krankheitszahlen drastisch gesenkt werden, denn leider sind in Deutschland schätzungsweise nur rund 20 Prozent der Bevölkerung geimpft, und die Tendenz ist eher stagnierend. Dabei wird die Impfung von den Krankenkassen bezahlt und ist gut verträglich.“ Der Aufbau eines Impfschutzes ist gerade jetzt wichtig, am Beginn der Outdoor-Saison. Acht Gründe für eine FSME-Impfung:

1. Neuer Höchststand bei FSME-Fällen

Die Zahl der FSME-Fälle in Deutschland hat im vergangenen Jahr den höchsten Stand seit Einführung der Meldepflicht im Jahr 2001 erreicht. Das Robert-Koch-Institut (RKI) registrierte 704 Fälle.

 

2. Fünf neue Risikogebiete

Außerdem wurden fünf neue FSME-Risikogebiete ausgewiesen: Landkreis Weimarer Land, Landkreis Fulda, Landkreis Dillingen an der Donau, Landkreis Mittelsachsen sowie Stadtkreis Dessau-Roßlau. Damit gibt es deutschlandweit 169 Risikogebiete. Sie liegen fast alle am Nordrand des deutschen Hauptrisikogebiets, das flächendeckend die Länder Bayern und Baden-Württemberg umfasst, außerdem kleinere Regionen im Süden Hessens, Thüringens und Sachsens. Das bedeutet: Die Zecke breitet sich Richtung Norden aus. Auch in höheren Lagen wurden zuletzt steigende FSME-Infektionen gemeldet.

3. Klimawandel: Zecken jetzt praktisch ganzjährig aktiv

Die immer milderen Winter führen dazu, dass Zecken mittlerweile ganzjährig aktiv sind. Die in Deutschland vorherrschende Zeckenart, der „Gemeine Holzbock“, wird ab 7 Grad plus aktiv. Viel kälter wird es an manchen Orten im Winter gar nicht mehr.

4. FSME-Risiko auch im Ausland

Das FSME-Hauptrisikogebiet in Zentraleuropa kann als dicker Halbkreis beschrieben werden, der sich – im Uhrzeigersinn – um die Zentralalpen legt, die nur vereinzelte lokale Risikogebiete kennen. Er beginnt im Westen mit der Schweiz. Dann folgen Süddeutschland, Tschechien, die Niederungen im östlichen Österreich sowie weite Teile der Slowakei, Ungarns und Sloweniens.

5. FSME-Viren werden sofort übertragen

Die Zecke bohrt mit ihrem Beißwerkzeug ein Loch in unsere Haut, betäubt die betreffende Hautpartie, sodass wir nichts merken, und versenkt dann ihren Rüssel in der Wunde: Zecken stechen also am Ende, sie beißen nicht. Um das Blut zu verdauen, filtert sie die nahrhaften Bestandteile aus dem Blut heraus und gibt die Flüssigkeit, die sie nicht benötigt, über ihren Stechapparat an uns zurück. Das geht beim Saugen immer wieder hin und her. Generell sollte man deshalb eine Zecke so bald wie möglich entfernen (oder von einem Arzt entfernen lassen), nachdem man sie entdeckt hat.

Borreliose, mit rund 12.000 Fällen jährlich die in Deutschland von Zecken am häufigsten verursachte Krankheit, wird nach Aussage von Medizinern etwa 12 bis 24 Stunden nach dem Beginn des Zeckenstich-Vorgangs übertragen. Die Borreliose-Bakterien sitzen im Darm der Zecke und brauchen Zeit, um bis zu den Stechwerkzeugen und im Anschluss in die Blutbahn des Menschen zu gelangen. Die Viren, die eine FSME-Erkrankung verursachen, werden bei einem Zeckenstich dagegen sofort übertragen, da sie sich im Speichel der Zecke befinden.

6. FSME-Impfung in der Regel gut verträglich

Nach Einschätzung des Robert Koch Instituts ist die FSME-Impfung sogar für Kinder ab einem Jahr, Schwangere und Stillende bedenkenlos möglich. Denn geimpft wird mit inaktivierten Viren und nicht mit lebenden. Dennoch kann es zu den für Impfungen typischen Reaktionen kommen: Am häufigsten sind Rötungen rund um die Impfstelle, aber auch Fieber und ein allgemeines Krankheitsgefühl.

7. FSME-Impfung wird meistens von der Krankenkasse bezahlt

Die FSME-Impfung übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung normalerweise dann, wenn Versicherte in einem Risikogebiet leben oder Urlaub in einem Risikogebiet machen wollen und deshalb eine Reiseschutzimpfung benötigen. Für Leute, die jetzt, nach den Corona-Lockerungen, relativ kurzfristig verreisen wollen: Ein FSME-Schnellschutz (der freilich nicht ganz so sicher ist wie die reguläre Impfung) kann binnen 14 Tagen aufgebaut werden.

8. FSME: Gravierende neurologische Langzeitfolgen

Gegen die Entzündung der Hirnhaut und des Zentralen Nervensystems gibt es kein Medikament. Man kann allenfalls die Symptome wie zum Beispiel das Fieber lindern. Mit Glück erlebt man bei einer FSME-Erkrankung nur das erste Stadium, das sich ähnlich wie eine Sommergrippe anfühlt. Wer weniger Glück hat, bei dem tritt nach etwa einer Woche das zweite Krankheitsstadium ein und das Virus greift auf das Zentralnervensystem über. Das passiert bei rund 10 Prozent der Betroffenen und häufiger bei Männern und älteren Menschen.

Bei weniger schweren Fällen kommt es zu einer Hirnhautentzündung (Meningitis), die man an hohem Fieber, starken Kopfschmerzen und dem typischen steifen Nacken erkennt. In schweren Fällen bekommen Patienten eine Gehirn- und Rückenmarkentzündung, mit Folgen wie Bewusstseins-, Sprach- und Schluckstörungen, psychischen Veränderungen oder Lähmungen. Vereinzelt verläuft FSME sogar tödlich.

Foto: AdobeStock/Michael

Hauptkategorie: Medizin
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