. Palliativmedizin

Würdevolles Sterben im Krankenhaus oft nicht möglich

Das Sterben in deutschen Krankenhäusern geht häufig nicht würdevoll vor sich. Das ist die Meinung vieler Ärzte und Pfleger, wie eine aktuelle Umfrage jetzt ergab. Experten fordern eine bessere Ausstattung und entsprechende Trainingsmaßnahmen für das Personal.
Sterben in Würde

Der Wunsch nach einem würdevollen Tod geht nicht immer in Erfüllung.

Auf die Frage, wo Menschen sterben wollen, werden die meisten „zu Hause“ antworten. Doch mehr als die Hälfte der Schwerkranken stirbt im Krankenhaus. Da stimmt es besonders nachdenklich, dass über 50 Prozent der Ärzte und Pfleger ein würdevolles Sterben in deutschen Krankenhäusern nicht für möglich halten. Das ist zumindest das Ergebnis einer Umfrage, die Forscher vom Universitätsklinikum Freiburg an zehn baden-württembergischen Krebszentren durchgeführt haben. Die Ergebnisse wurden im Fachmagazin Cancer veröffentlicht.

Für die Analyse beantworteten über 1.100 Ärzte und Krankenpfleger Fragen unter anderem zur Ausstattung ihres Krankenhauses, zur Aus- und Weiterbildung der Angestellten, aber auch, ob Freunde und Familie in den Sterbeprozess einbezogen wurden, wie die medizinische Behandlung der Patienten aussah, und schließlich, ob sie den Tod des Betroffenen als würdevoll empfunden haben.

Würdevolles Sterben im Krankenhaus: Zu wenig Zeit für Sterbende

Zwar waren 57 Prozent der Befragten der Meinung, dass Patienten in ihrer Einrichtung würdevoll sterben können. Doch das bedeutet, dass immerhin 43 Prozent diese Ansicht nicht teilten. Etwa die Hälfte der Befragten gab an, selten genügend Zeit für sterbende Patienten zu haben, 55 Prozent hielten die Räumlichkeiten für Sterbende für unbefriedigend. Nur 19 Prozent der Befragten fühlten sich durch ihre Ausbildung gut auf den Umgang mit Patienten an ihrem Lebensende vorbereitet – Ärzte sogar noch weniger als Pfleger.

„Fortschritte in der modernen Medizin haben es möglich gemacht, den Zeitpunkt des Todes hinauszuzögern“, erklären die Studienautoren. Und gerade in Krankenhäusern werde der Tod gewöhnlich als etwas wahrgenommen, das es zu vermeiden gilt, Daher werden lebenserhaltende Maßnahmen oft bis zum Todeszeitpunkt eingesetzt – oft mit unerfreulichen Konsequenzen für sterbende Patienten. Dies ist nach Meinung der Forscher insbesondere bei Krebserkrankungen der Fall, die etwa ein Viertel aller Todesfälle bei Erwachsenen ausmachen.

Mehr Fortbildungen in der Palliativmedizin gefordert

Anders sieht es offenbar auf speziellen Palliativstationen aus. Hier berichten Mitarbeiter insgesamt über vorteilhaftere Bedingungen für Menschen an ihrem Lebensende. So waren 95 Prozent bei der Umfrage der Ansicht, dass ein würdevolles Dahinscheiden in ihrer Einrichtung möglich sei.

Beim übrigen Krankenhauspersonal wünschten sich fast alle Teilnehmer der Umfrage mehr Fortbildungen im Bereich der Palliativmedizin. Auch die Studienautoren fordern, das Personal mit besseren Mitteln auszustatten, um für sterbende Patienten adäquat sorgen zu können. Ärzte und Pflegepersonal sollten durch verbesserte Trainingsmaßnahmen auf die Bedürfnisse sterbender Menschen und deren Familien vorbereitet werden.

Foto: © sudok1 - Fotolia.com

Autor: red

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