Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
15.08.2016

Wie Nachtschichten das Krebsrisiko erhöhen können

Epidemiologische Studien zeigen, dass Nachtschichten das Krebsrisiko erhöhen können. Warum das so ist, war bisher unklar. Wissenschaftler haben den Zusammenhang nun genauer untersucht.
Chronobiologie

Kommt unsere innere Uhr durcheinander, kann das Krankheiten auslösen

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft Nachtarbeit als „wahrscheinlich krebs­er­re­gend“ ein. Hinweise darauf haben tierexperimentelle Studien, aber auch epidemiologische Untersuchungen geliefert. So konnte gezeigt werden, dass Krankenschwestern, die über 30 Jahre in Nachtschichten gearbeitet hatten, ein um rund 50 Prozent er­höhtes Risiko hatten, an Brustkrebs zu erkranken. Doch weder konnte bisher ein kausaler Zusammenhang bewiesen werden noch gab es Belege für pathogenetische Mechanismen, welche die Erhöhung des Krebsrisikos erklärten.

Krebswachstum bei gestörtem Tag-Nacht-Rhythmus schneller

Manche Wissenschaftler vermuten, dass eine eingeschränkte Syn­these des antioxidativ wirksamen Melatonins oder eine Störung physiologischer Repa­ra­turpro­zesse das erhöhte Risiko für Krebs durch regelmäßige Nachschichten erklären könnten. Forscher der New York University School of Medicine haben die Zusammenhänge nun genauer analysiert. Dafür untersuchten sie Mäuse, die aufgrund eines genetischen Defekts an einem nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinom litten.

Die Tiere wurden in zwei Gruppen eingeteilt. Während eine Gruppe jeweils zwölf Stunden bei Licht und Dunkelheit lebte, wurde die zweite Gruppe alle zwei bis drei Tage zusätzlich acht Stunden lang dem Licht ausgesetzt. Es zeigte sich, dass die Mäuse mit dem gestörten Tag-Nacht-Rhythmus ein wesentlich schnelle­res Tumorwachstum aufwiesen.

 

Nachtschichten führen zur Fehlfunktion von Genen

Die Forscher führten nun noch ein zweites Experiment durch. Dazu setzten sie wieder Mäuse jeweils zwölf Stunden lang Licht und Dunkelheit aus. Diesen Tieren fehlten jedoch die Gene BMAL1 und PER2, welche die zirkadiane Rhythmik steuern. PER2 codiert zudem für ein Protein, dessen Ex­pression bei einigen Leukämie-Patienten erniedrigt ist. Auch weisen Patienten mit Lungenkrebs häufig eine erniedrigte Ex­press­i­on der beiden Gene im Tumorgewebe auf.

Wie sich zeigte, war auch bei diesen Tieren das Tumorwachstum deutlich schneller. Durch das Aus­schal­ten der Gene kam es in den Zellen der Tiere zu einer Akkumulation von MYC, einem Gen, welches das Wachstum und die Vermehrung von Zellen befördert. Die Forscher schließen aus ihrer Daten, dass eine Störung der inneren Uhr, wie sie beim Menschen durch Nachtschichten hervorgerufen wird, eine Fehlfunktion von Genen verursacht, die das Zellwachstum steuern. Es werden jedoch noch weitere Studien erwartet, welche die Zusammenhänge genauer klären und eventuell zu neuen Therapie- beziehungsweise Präventionsansätzen führen sollen.

Foto: © JENS - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Krebs
 

Weitere Nachrichten zum Thema Tag-Nacht-Rhythmus

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Alkohol ist ein Zellgift, das offenbar auch Herzrhythmusstörungen auslösen kann. Eine aktuelle Studie des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf zeigt, dass sich selbst bei ansonsten gesunden Menschen das Risiko für Vorhofflimmern signifikant erhöht. Demnach haben schon kleine Mengen einen negativen Effekt.

Schwere Unfälle oder Tumor-Erkrankungen können das Gesicht massiv entstellen. Dank computerassistierter Techniken kann der langwierige und sehr belastende Zeitraum für die Wiederherstellung des Gesichts abgekürzt werden. Meist muss nur noch einmal operiert werden – auch weil Implantate mittels 3-D-Drucker schnell und patientenindividuell hergestellt werden können.

Weil Corona so oft asymptomatisch verläuft, kann über die Dunkelziffer nur spekuliert werden. Licht ins Dunkel bringt nun eine Studie Helmholtz Zentrums München. Danach waren in zweiten Corona-Welle waren drei- bis viermal mehr Kinder in Bayern mit SARS-CoV-2 infiziert, als über PCR-Tests gemeldet.
 
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin