. Bilingualität

Zweisprachige Menschen erholen sich schneller von Schlaganfall

Zweisprachigkeit erhöht die Chance, einen Schlaganfall ohne kognitive Einschränkungen zu überstehen. Das hat eine Studie aus Indien gezeigt. Offenbar führt Bilingualität zu einer Art „kognitiver Reserve“, durch die Schäden im Gehirn ausgeglichen werden können.
Zweisprachigkeit schützt vor Folgen von Schlaganfall

Durch Zweisprachigkeit wird die Verknüpfung von Hirnarealen gefördert

In Indien ist Zweisprachigkeit sehr verbreitet – eine gute Gelegenheit zu überprüfen, ob bilinguale Menschen sich nach einem Schlaganfall schneller erholen als diejenigen, die nur eine Sprache sprechen. Der Gedanke ist naheliegend, denn durch das Beherrschen von zwei oder mehr Sprachen sind verschiedene Gehirnareale besser miteinander vernetzt. Möglicherweise, so die Idee, können dadurch Funktionsausfälle im Gehirn besser kompensiert werden. Und tatsächlich haben Studien bereits gezeigt, dass Zweisprachigkeit demenzbedingte Schäden des Gehirns über mehrere Jahren lang ausgleichen kann.

Weniger kognitive Einbußen durch Bilingualität

Eine Forschergruppe um Subhash Kaul Mehr vom Nizam Institute of Medical Sciences (NIMS) in Hyderabad wollte nun überprüfen, ob Zweisprachigkeit auch die Folgen eines Schlaganfalls reduzieren kann. Mehr als die Hälfte der Patienten, die im Schlaganfall-Register des Instituts eingetragen waren, benutzten vor der Erkrankung zwei oder mehr Sprachen. Nach dem Schlaganfall hatten 10,5 Prozent der bilingualen Patienten die Sprachfähigkeit verloren, bei den anderen waren es mit 11,8 Prozent kaum mehr.

Die Bilingualität schützt also nach einem Schlaganfall offenbar nicht vor Aphasie. Doch andere kognitive Schäden waren bei den zweisprachigen Menschen deutlich geringer ausgeprägt. So wiesen 49,0 Prozent der bilingualen Patienten kognitive Einschränkungen auf, bei den monolingualen Patienten waren es 77,7 Prozent. Zudem war der Anteil der Patienten mit normalen kognitiven Fähigkeiten bei denjenigen, die zwei Sprachen beherrschten, mit 40,5 Prozent sogar doppelt so hoch wie bei den monolingualen Probanden; hier waren es nur 19,6 Prozent.

Zweisprachigkeit hält Gehirn flexibel

Die Forscher vermuten, dass die Schutzfunktion der Mehrsprachigkeit darin liegt, dass die Menschen im Alltag ständig zwischen den Sprachen wechseln müssen. Das stelle hohe Ansprüche an das Gehirn und verstärke die kognitiven Reserven. Frühere Studien hatten bereits Hinweise geliefert, dass durch Zweisprachigkeit auch das Einsetzen einer Demenz hinausgezögert werden kann. Untersuchungen konnten zudem zeigen, dass durch das Erlernen von Sprachen eine Vielzahl von Hirnarealen miteinander verknüpft wird. Diese Verbindungen können später offenbar helfen, Demenzsymptomen wie Gedächtnisverlust oder Verwirrtheit entgegenzuwirken.

Foto: © Naeblys - Fotolia.com

Autor: red

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