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Zwei Drittel der Krebserkrankungen Zufall?

Zufällige Mutationen bei der Zellteilung sind verantwortlich für etwa zwei Drittel der Krebserkrankungen (66 Prozent). Das berichten Forscher der Johns Hopkins University.
Krebszellen

Einige durch Zufall entstehende Krebsarten sind nicht vermeidbar, bei anderen hilft vorbeugen aber doch

Ihre aktuelle Studie erschien im Fachmagazin Science. Weiter tragen danach Umwelt- und Lebensstil-Faktoren wie Rauchen und Fettleibigkeit in 29 Prozent der Fälle zu Krebs-Mutationen bei, in 5 Prozent der Fälle sind sie vererbt. Das stellt die bisherige Theorie in Frage, dass Krebs vor allem auch das Produkt von Vererbung und Umwelteinflüssen sei.

Der Krebsforscher Bert Vogelstein und der Biomathemiker Cristian Tomasetti hatten in einer 2015 erschienenen Studie bereits betont, dass zufällige Mutationen der Grund seien, dass einige Organe anfälliger für Krebs sind als andere. So erneuern sich ständig Stammzellen im Dickdarm, wo Tumoren häufiger sind als im Gehirn, wo solche Zellteilungen seltener vorkommen.

Daten aus 69 Ländern und 32 Krebsarten

Die Untersuchung war umstritten, weil sie nahelegte, dass die meisten Krebsarten aus Zufall entstehen und also nur ein Fehler der Natur oder - noch einfacher gesagt - Pech wären. Dazu kam: Die Analyse beinhaltete keine Brust- und Prostatakarzinome. Zudem wurden nur Erkrankungen in den USA betrachtetet. In anderen Teilen der Welt könnten andere Umweltfaktoren wie Infektionen das Krebsrisiko beeinflussen, hieß es bei den Kommentatoren.

In ihrer neuen neuen Studie untersuchten Vogelstein, Tomasetti und ihr Hopkins-Kollege Lu Li nun Daten aus 69 Ländern über 32 Krebsarten, darunter auch Brust- und Prostata-Krebs. Einbezogen wurden außerdem Krebs von Blase, Gebärmutterhals, Darm, Speiseröhre, Kopf und Hals, Niere, Leber, Leukämie, Lunge, Haut, Non-Hodgkin-Lymphom, Eierstock, Bauchspeicheldrüse, Magen, Schilddrüse, Gebärmutter. Auch diesmal fanden die Forscher eine starke Verbindung zwischen Krebs und Gewebe mit vielen sich teilenden Stammzellen.

Krebs ist das Ergebnis von Gen-Mutationen

Das Team verwendete DNA-Daten und epidemiologische Studien, um das Verhältnis von Mutationen in Krebszellen zu berechnen, die durch Vererbung oder Umwelt- und Lebensstilfaktoren verursacht wurden. Verbleibende Mutationen wurden zufälligen genetischen Veränderungen - also Fehlern bei der Kopie der DNA-Stränge - zugeschrieben. Solche Fehler treten unvermeidlich auf, wenn sich die Zellen teilen. In der Regel ist der Krebs das Ergebnis einer Reihe von vielen bei der Zellteilung angesammelten Mutationen. Manche Menschen weisen eine Vielzahl von Krebs-assoziierten Mutationen auf, bekommen aber  keinen Krebs, bis einige einzige Mutation die Zelle zum Entarten bringt.

Zwei Drittel der Krebserkrankungen Zufall?

Dabei stellten die Forscher bei der Tumorgenese aber deutliche Unterschiede bei den einzelnen Krebsarten fest, die die Aussage "Krebs ist vor allem Zufall" in dein anderes Licht rückt. Bei Bauchspeicheldrüsenkrebs entstehen laut der Studie 77 Prozent der kritischen Mutationen durch Zufall, 18 Prozent durch Umwelteinflüsse und fünf Prozent sind vererbt. Bei Tumoren der Prostata und im Gehirn wird der Einfluss der Zufallsmutationen auf 95 Prozent geschätzt, bei Lungenkrebs hingegen nur auf 35 Prozent. Das heißt bei zwei Drittel der Krebserkrankungen der Lunge ist das Auftreten kein Zufall.

Lungenkrebs und andere Tumortypen, die stark mit umweltbedingten Mutationen assoziiert sind, könnten durch die Vermeidung des Karzinogens, also krebsförderdernder Faktoren wie Rauchen, vermieden werden. Es gibt keine Möglichkeit, einigen Krebsen zu entgehen, sagt Vogelstein. Andere Krebse können letztlich aber doch durch verschiedene Kombinationen von erblichen, ökologischen und zufälligen Mutationen entstehen. Das bedeutet, dass rein rechnerisch der Verzicht auf Rauchen und Alkohol, die Verringerung von starkem Übergewicht und anderen gesundheitsschädlichen Faktoren wie zu viel UV-Strahlung in 30 Prozent der Fälle helfen kann, Krebs vorzubeugen. Ein gesunder Lebensstil kann sich auf den Fall lohnen, um das Krebsrisiko zu senken.

Foto: Axel Kock/fotolia.com

Autor: bab
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