Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
04.05.2019

Zwei Drittel der Darmkrebs-Todesfälle mit unzureichender Vorsorge

Die Darmkrebs-Füherkennung wurde ausgebaut: Männer haben bereits ab 50 Jahren Anspruch auf eine Vorsorge-Darmspiegelung. Zwei Drittel der Darmkrebs-Todesfälle hatten keine oder eine unzureichende Vorsorge, das zeigt eine US-Studie.

Männer können jetzt schon ab 50 die Darmspiegelung zur Darmkrebs-Vorsorge in Anspruch nehmen

Die Darmkrebs-Füherkennung wurde ausgebaut: Männer haben jetzt bereits ab 50 Jahren Anspruch auf eine Vorsorge-Darmspiegelung. Früher war dies ab 55 Jahren der Fall. Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) empfiehlt, die Früherkennungsangebote unbedingt zu nutzen.

Wie wichtig die Früherkennung ist, zeigt eine aktuelle Auswertung von US-Daten: In etwa 76 Prozent der Darmkrebs-Todesfälle waren die Betroffenen zuvor überhaupt nicht oder nur unzureichend auf Darmkrebs gescreent worden.

Zwei Drittel der Darmkrebs-Todesfälle mit unzureichender Vorsorge

Bei der Auswertung von 1.750 Darmkrebs-Todesfällen in Kalifornien stellte sich heraus, dass etwa zwei Drittel der Verstorbenen keine ausreichende Darmkrebsfrüherkennung durchlaufen hatten. Etwa 34 Prozent hatten nie an einem Screening per Koloskopie oder Bluttest teilgenommen. Weitere 33 Prozent hatten Früherkennungsangebote wahrgenommen, diese dann aber nicht in den empfohlenen Abständen wiederholt. Etwa acht Prozent hatten auffällige Testergebnisse nicht weiter abklären lassen.

Demgegenüber hatten rund 24 Prozent der an Darmkrebs Verstorbenen die Früherkennung leitliniengereicht durchgeführt. Grund für den tödlichen Ausgang ihrer Erkrankung könnte etwa sein, dass Tests falsch-negative Ergebnisse lieferten, so die Vermutung der Autoren. In der Untersuchung berücksichtigt wurden Menschen im Alter zwischen 55 und 90 Jahren, die zwischen 2006 und 2012 an Darmkrebs verstorben waren.

 

Männer erkranken früher an Darmkrebs als Frauen

In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 60.000 Menschen neu an Darmkrebs. Das Programm zur Früherkennung sieht vor, dass Männer und Frauen zwischen 50 und 54 Jahren einmal jährlich einen immunologischen Test (iFOBT) auf okkultes, also nicht sichtbares, Blut im Stuhl von den Krankenkassen erstattet bekommen, heißt es weiter in einer Mitteilung der DGVS.

Ab 55 Jahren haben Versicherte alle zwei Jahre Anspruch auf einen immunologischen Test, sofern sie keine Darmspiegelung durchführen lassen. Die Darmspiegelung ist die zuverlässigste Methode - mit der höchsten Sensitivität und Spezifität - zur Früherkennung von Darmkrebs. Frauen wird die Vorsorgedarmspiegelung ab dem Alter von 55 Jahren von den Krankenkassen erstattet. Männer haben nun bereits ab 50 Jahren einen Anspruch darauf, denn sie erkranken häufig früher als Frauen.

Darmspiegelung nur alle zehn Jahre nötig

Die Untersuchung (Koloskopie) sollte alle zehn Jahre wiederholt werden. "Dank der Verabreichung eines Beruhigungsmittels verläuft eine Darmspiegelung völlig stress- und schmerzfrei. Sie wird ambulant durchgeführt, und der Patient wird zu Beginn der Untersuchung in einen Dämmerschlaf versetzt, aus dem er erst nach Abschluss der Untersuchung wieder geweckt wird", sagt Prof. Christian Trautwein, Mediensprecher der DGVS und Direktor der Medizinischen Klinik III der RWTH Aachen. 

Darmkrebs wächst sehr langsam, meist über einen Zeitraum von zehn bis 15 Jahren. Während einer Darmspiegelung erkennt der Arzt Krebsvorstufen oder Polypen, aus denen sich ein bösartiger Tumor entwickeln kann und entfernt diese, bevor der Krebs überhaupt entsteht. Die Krankenkassen werben daher verstärkt für diese Untersuchung. Ab Juli 2019 werden alle Versicherten ab dem 50. Lebensjahr zur Teilnahme am Darmkrebs-Screening eingeladen. Ein gesunder Lebensstil kann das Erkrankungsrisiko deutlich senken.

Foto: janina dierks/fotolia.com

Foto: ©Janina Dierks - stock.adobe.com

Autor: bab
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Darmspiegelung (Koloskopie)
 

Weitere Nachrichten zum Thema Darmkrebs

14.07.2019

Seit dem 1. Juli 2019 laden die gesetzlichen Krankenkassen schriftlich zur Darmkrebs-Früherkennung ein. Wer 50 Jahre oder älter ist, könnte also bald Post von seiner Krankenkasse bekommen.

27.05.2019

Patienten, die an Darmkrebs erkrankt sind, weisen spezifische Veränderungen ihres Mikrobioms auf – und zwar über drei Kontinente hinweg. Das könnte ein neuer Ansatz für die Früherkennung dieser Krebsart sein.

 

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
Noch zu wenige Versicherte nehmen die Darmkrebsvorsorge wahr. Die AOK Nordost geht deshalb neue Wege. Stefanie Stoff-Ahnis, Mitglied der Geschäftsleitung der AOK Nordost und verantwortlich für das Ressort Versorgung, erläutert das Engagement, das soeben mit dem Felix Burda Award ausgezeichnet wurde.
 
Weitere Nachrichten
In Israel gelten nur noch Personen mit dritter Impfung als vollständig geimpft. Und tatsächlich sinken die Fallzahlen im Land. Das Vorgehen ist jedoch wissenschaftlich umstritten.


Saubere Hände sind nicht nur in der Corona-Pandemie wichtig. Zahlreiche Erkrankungen lassen sich mit gründlicher Händehygiene vermeiden: Erkältungen, Magen-Darm-Probleme – und sogar Wurm-Erkrankungen. Mit kreativen Ideen kann man Kinder dazu motivieren, dass Hände waschen für sie in bestimmten Situationen des Alltags zum festen Ritual wird.
 
Kliniken
Interviews
Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.

Logo Gesundheitsstadt Berlin