. Statistik

Zuwanderung: Zahl der GKV-Versicherten um eine Million gestiegen

Die Migrationswelle geht auch an der Gesetzlichen Krankenversicherung nicht vorbei: 2016 ist die Zahl der Versicherten in Deutschland um eine Million gestiegen. Das ist aber nur ein Grund, warum die Kassen eine Milliarde Euro mehr für Arzneimittel ausgegeben haben.
Zugewandert und krankenversichert: GKV versorgt jetzt eine Million mehr Menschen als 2015

Zugewandert und krankenversichert: GKV versorgt jetzt eine Million mehr Menschen als 2015

72 Millionen Menschen waren 2016 in Deutschland gesetzlich krankenversichert. Ein Jahr zuvor waren es nur 71 Millionen. Damit ist die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) innerhalb von nur zwölf Monaten um eine Million Versicherte gewachsen. Das deckt sich mit den jüngsten Schätzungen des Statistischen Bundesamts, wonach aktuell 82,8 Millionen Menschen in Deutschland leben und damit 978.000 mehr als Ende 2015. Ursache ist Zuwanderung. Denn ohne den Zuzug wäre Deutschlands Einwohnerzahl sogar gesunken.

Mit der Migrationswelle lässt sich auch der Rekord-Zuwachs der GKV erklären. Viele Bundesländer teilen inzwischen gleich nach der Erstregistrierung die elektronische Gesundheitskarte aus, so dass Flüchtlingen praktisch alle Leistungen des Gesundheitssystems zustehen. Berlin zum Beispiel hat die Chipkarte im Januar 2016 eingeführt.

Eine Milliarde Euro mehr für Medikamente

Zu den Leistungen für Asylsuchende gehören natürlich auch Medikamente. Rund eine Milliarde mehr als im Vorjahr gab die GKV 2016 für Arzneimittel aus, und zwar 34,1 Milliarden Euro. Das entspricht einem Ausgabenzuwachs von 3,8 Prozent. Neben der Zunahme der Zahl der Versicherten spielen aber noch andere Gründe eine Rolle. Die demografische Situation und der medizinische Fortschritt gelten als weitere Kostentreiber.

„Wenn eine Million mehr Patienten versorgt werden und innovative Arzneimittel gegen lebensbedrohliche Krankheiten verordnet werden, kann man keine rückläufigen Ausgaben erwarten“, erklärte Fritz Becker vom Deutschen Apothekerverband (DAV).

Nach vorläufigen Zahlen wurden 2016 einige hochpreisige Arzneimittel wie Immunsuppressiva und bestimmte Krebsmedikamente verstärkt verordnet. Die Ausgaben für Hepatitis-C-Medikamente sanken jedoch.

 

Kosten werden weiter steigen

Erste Berechnungen des Deutschen Apothekerverbandes zeigen eine Korrelation zwischen der gestiegenen Zahl der Versicherten und der Anzahl der auf Rezept abgegebenen Medikamente. Erstere stieg 2016 um 1,2 Prozent, letztere um 1 Prozent. Für das kommende Jahr erwartet der Verband eine Ausgabensteigerung von 3,3 Prozent, was einer weiteren zusätzlichen Milliarde Euro allein für Arzneimittel entspricht.

Da Armutsmigranten und Kriegsflüchtlinge in der Regel in Deutschland (noch) keine sozialbeschäftigungspflichtige Arbeit haben, kommt der Steuerzahler für die Kosten auf. In diesem Jahr wird allerdings zusätzlich der Gesundheitsfonds angezapft, der sich aus Beiträgen der Versicherten speist: 1,5 Milliarden werden aus den Ersparnissen der Kassen für die Versorgung von Asylsuchenden entnommen. Von der Öffentlichkeit nahezu unbemerkt wurde die fachfremde Entnahme im PsychVVG geregelt. Das Gesetz ist bereits seit 1. Januar in Kraft.

© Kara - Fotolia.com

Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Berlin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Flüchtlinge
 

Weitere Nachrichten zum Thema Zuwanderung

| Die Bundesregierung entnimmt dem Gesundheitsfonds der gesetzlichen Krankenkassen mehr als eine Milliarde Euro für die Versorgung von Flüchtlingen. Das Vorhaben ist im neuen Gesetz zur Vergütung für psychiatrische und psychosomatische Leistungen (PsychVVG) untergebracht.
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
. Weitere Nachrichten
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Interviews
Dr. Iris Hauth, Chefärztin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin-Weißensee, berichtet in Ihrem Buch "Keine Angst!" über Ursachen und Behandlung von Depressionen - und wie man sich davor schützen kann.
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.
Noch zu wenige Versicherte nehmen die Darmkrebsvorsorge wahr. Die AOK Nordost geht deshalb neue Wege. Stefanie Stoff-Ahnis, Mitglied der Geschäftsleitung der AOK Nordost und verantwortlich für das Ressort Versorgung, erläutert das Engagement, das soeben mit dem Felix Burda Award ausgezeichnet wurde.