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Zuviel Fruchtsaft ist ungesund

Dienstag, 28. Mai 2019 – Autor:
Dass der Genuss von zuckerhaltigen Limonaden ein Gesundheitsrisiko darstellt ist bekannt. Doch auch der Konsum von vermeintlich gesunden, 100-prozentigen Fruchtsäften, erhöht das Sterberisiko. Das zeigt eine US-Studie.
Fruchtsaft, Orangensaft, Säfte

Auch 100-prozentige Fruchtäfte enthalten viel Zucker - und sollten daher nur in Maßen konsumiert werden – Foto: ©Markus Mainka - stock.adobe.com

Dass der Genuss von zuckerhaltigen Limonaden ein Gesundheitsrisiko darstellt ist bekannt. Doch auch der Konsum von vermeintlich gesunden, 100-prozentigen Fruchtsäften, erhöht das Sterberisiko. Das zeigt eine US-Studie, die jetzt im Fachmagazin Jama Network Open erschien.

Für die Untersuchung werteten Forscher der Emory-Universität in Atlanta und der Universität von Alabama Daten von Probanden aus,  die an einer Schlaganfall-Studie teilgenommen hatten. Die Regards-Studie (Reasons for Geographic und Racial Differences in Stroke) suchte nach Faktoren, die zu einer erhöhten Schlaganfall-Mortalität bei Menschen im Südosten der USA und in der afroamerikanischen Bevölkerung beitragen.

Mehr als 70 Prozent der Probanden litten an Übergewicht

Eingeschlossen in die Regards-Studie waren insgesamt 30.183 schwarze und nicht-hispanische, weiße Erwachsene ab 45 Jahren. Personen mit koronarer Herzkrankheit, Schlaganfall oder Diabetes schlossen die Forscher aus, so dass an der aktuellen Untersuchung 13.440 Probanden - Durchschnittsalter 64 Jahre, 59 Prozent Männer, 71 Prozent litten an Übergewicht oder Adipositas - teilnahmen. Sie wurden im Schnitt sechs Jahre nachbeobachtet.

Die Forscher bewerteten ihren Softdrink- und Fruchtsaftkonsum anhand eines Lebensmittelfragebogens und verglichen die Antworten mit dem empfohlenen Grenzwert für den täglichen Zuckerkonsum im Verhältnis zur aufgenommenen Gesamtenergiemenge. 100-prozentige Fruchtsäfte enthalten keinen zugesetzten Zucker aber natürlichen Fruchtzucker.

 

Zuviel Fruchtsaft ist ungesund

In der Nachbeobachtungszeit gab es 1.000 Todesfälle, die auf verschiedenen Erkrankungen und 168 Todesfälle, die auf eine koronare Herzkrankheit zurückzuführen waren. Das Risiko, an einer koronaren Herzkrankheit zu sterben, war bei denen, die viele zuckerhaltige Getränke zu sich nahmen (mehr als 10 Tageseinheiten Zucker) um 44 Prozent erhöht im Vergleich zu denjenigen, die weniger als 5 Tageseinheiten Zucker über zuckrige Getränke konsumierten.

Das generelle Sterberisiko stieg um 11 Prozent mit jeder weiteren Softdrink-Portion und um 24 Prozent für jede weitere Fruchtsaft-Portion. Fazit: Zuviel Fruchtsaft zu trinken ist ebenso ungesund wie der übermäßige Konsum von Softdrinks. Wird er in Maßen getrunken, sei 100-prozentiger Fruchtsaft aber dennoch Cola und anderen Erfrischungsgetränken vorzuziehen, da er Vitamine und Mineralstoffe enthalte, so die Forscher.

Maßvoller Konsum schützt vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Auch eine aktuelle Studie aus den Niederlanden (European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition-Netherlands) beschäftigte sich mit den gesundheitlichen Effekten von reinem Fruchtsaft - und zwar als Alternative zu frischem Obst. Untersucht wurde, ob der Konsum von 100-prozentigem Fruchtsaft vor kardio-vaskulären Erkrankungen schützen könnte. Beobachtet wurden 34.560 Teilnehmer (26 Prozent Männer, 74 Prozent Frauen) im Alter von 20 bis 69 über einen Zeitraum von fast 15 Jahren.

Ergebnis: Wer keinen Saft zu sich nahm, hatte die höchsten Risiken für Herzinsuffizienz, pAVK, koronare Herzkrankheit oder Schlaganfall. Bei bis zu sieben Gläsern Saft a’ 150 ml pro Woche reduzierte sich das Risiko für die koronare Herzkrankheit um bis zu 17 Prozent, für Schlaganfall um bis zu 24 Prozent. Ein moderater Konsum von purem Fruchtsaft hatte also günstige Wirkungen. Getrunken wurden vor allem Orangen- und Grapefruitsaft. Die gesundheitsfördernde Wirkung von frischem Obst sei jedoch besser belegt und der Verzehr daher vorzuziehen, resümierten die Forscher. Die Studie erschien im Fachmagazin British Journal of Nutrition.

Foto: markus mainka/fotolia.com

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