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Zusammenhang zwischen Paracetamol und ADHS nicht belegt

Donnerstag, 30. Oktober 2014 – Autor: Cornelia Wanke
Führt die Einnahme von Paracetamol in der Schwangerschaft zu später zu Verhaltensstörungen wie ADHS bei den Kindern? Zwei wissenschaftliche Studien (Brandlistuen, Liew) wurden hierzu vielfach diskutiert- sie zeigen einen Zusammenhang zwischen Paracetamol und ADHS. Doch die Ergebnisse sind seit der Veröffentlichung bereits umstritten, betonen Experten.

ADHS durch Paracetamol? Bisher gibt es dafür keine stichhaltigen Beweise!

Medizinische Experten, unter Ihnen Neurowissenschaftler oder die Beauftragten der europäischen Arzneimittelzulassungsbehörde (EMA), haben die Einzelheiten der Studien analysiert. Das Ergebnis: Ein Zusammenhang zwischen Paracetamol und ADHS gilt als nicht bewiesen, heißt es dazu in einer kürzlich veröffentlichten Pressemitteilung von bene-Arzneimittel. Paracetamol bleibe Mittel der Wahl in der Schwangerschaft. Seit dem Frühjahr 2014 wird diskutiert, ob die Verwendung von Paracetamol in der Schwangerschaft zu körperlichen bzw. geistigen Verhaltensstörungen beim Kind führt bzw. ADHS auslöst. Ausgangspunkt sind zwei skandinavische Studien, die das vermeintlich beweisen (Brandlistuen 2013, Liew 2014).

Paracetamoleinnahme in der Schwangerschaft und ADHS

Die Europäische Arzneimittelbehörde habe folglich die Studien in einem Sicherheitsbewertungsverfahren untersucht - das Ergebnis des Expertenkomitees wurde im Juni 2014 präsentiert. Die Aussage wörtlich: „Ein kausaler Zusammenhang zwischen Paracetamoleinnahme und ADHS konnte nicht festgestellt werden. Die Empfehlung zur Verwendung von Paracetamol in der Schwangerschaft bleibt aufrecht.“ Auch die Experten des deutschen Zentrums für Embryonaltoxikologie der Charité in Berlin (Embryotox), die offizielle Stelle zur Arzneimittelbewertung in dieser Hinsicht, kam wohl zu dem gleichen Ergebnis: „Es bleibt spekulativ, wie Paracetamol zu den Verhaltensauffälligkeiten führen soll", wird Embryotox zitiert.

 

Bisher zitierte Studien weisen laut Experten erhebliche Schwächen auf

Beide Studien zeigen laut Pressmitteilung auch erhebliche Schwächen: Unbekannte Dosierungen von Paracetamol, unbekannte Dauer der tatsächlichen Paracetamol-Einnahme, nicht ausreichendes Datenmaterial zur Bewertung der Entwicklung der Kinder nennen hier die Experten. Die Liste ließe sich fortsetzen. So sei die Diagnose „ADHS“ nicht etwa aus ärztlichen Berichten entnommen worden, sondern auf Basis eines Gesprächs mit den Eltern erstellt. Eine Analyse der klinischen-psychologischen Expertin Cooper des Institutes für Neurowissenschaften aus Wales sieht ebenso Auffälligkeiten im Studiendesign und kommt zu dem Schluss; „Die Ergebnisse sollten vorsichtig interpretiert werden, die Empfehlung zur Einnahme von Paracetamol sollte sich nicht ändern.“

Embryotox unterstreicht, dass die Studienergebnisse ein „interessantes Signal“ darstellen - sie sollten weiter überprüft werden. Die Ergebnisse reichten aber keineswegs aus, um die Empfehlung von Paracetamol als Analgetikum der Wahl in der Schwangerschaft aufzuheben oder einzuschränken.

Foto: Fotolia

Hauptkategorie: Medizin
 

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