. Obstruktive Schlafapnoe

Zungenschrittmacher hilft gegen Schnarchen

Schnarchen ist nicht nur lästig, sondern kann auch die Gesundheit gefährden, wenn eine Obstruktive Schlafapnoe dahinter steckt. Abhilfe könnte in Zukunft ein Zungenschrittmacher schaffen - jedenfalls bei einem Teil der Patienten.
Schnarchen schadet Gesundheit

Schnarchen kann nicht nur der Partnerschaft, sondern auch der Gesundheit schaden.

Wer nachts schnarcht und tagsüber oft müde ist oder mit Kreislaufproblemen und Kopfschmerzen zu kämpfen hat, leidet möglicherweise an einer Obstruktiven Schlafapnoe (OSA). Dabei erschlafft die Muskulatur im Schlaf so stark, dass die Zunge in den Rachen sackt und die oberen Atemwege versperrt. Die Folgen sind neben dem Schnarchen Atemaussetzer, die solange anhalten, bis Stresshormone den Körper aufgrund des Sauerstoffmangels wecken. Auf Dauer kann das ernsthafte Folgen für die Gesundheit haben: Das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko steigt, und aufgrund der dauernden Erschöpfung nimmt auch die Gefahr für Unfälle zu. Vielen Patienten kann mit CPAP-Atemmasken (Continuous Positive Airway Pressure) geholfen werden, doch einige kommen mit der umständlichen Prozedur nicht zurecht und bleiben daher unbehandelt.

Zungenschrittmacher stimuliert Muskeln

Einem Teil der Patienten, die bisher keine Lösung für ihr Problem gefunden haben, könnte in Zukunft ein neuartiger Zungenschrittmacher helfen, der unter dem Schlüsselbein implantiert wird. Mittels eines Sensors zwischen den Rippen misst das Gerät den Druck in der Lunge und sendet kurz vor dem Einatmen ein Signal an einen Nerv, der sich unter der Zunge befindet. Diese milde Stimulation verhindert das Erschlaffen der Zungenmuskulatur.

Das neue System wird schon seit einigen Jahren an Patienten getestet. Bei der diesjährigen Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie (DGHNO KHC) in Dortmund wurde die erste große internationale Studie zur Wirksamkeit der Behandlung von Dr. Joachim Maurer von der Universitäts-HNO-Klinik Mannheim vorgestellt. Für die Studie wurden 124 Patienten mit dem Zungenschrittmacher behandelt. Es zeigte sich, dass der Schrittmacher die Atemaussetzer um 68 Prozent und den Sauerstoffabfall im Blut um 70 Prozent reduzieren konnte. Auch die Tagesschläfrigkeit nahm unter der Behandlung ab und die Lebensqualität verbesserte sich. „Bei 70 Prozent zeigt die Behandlung genau so gute Ergebnisse wie die Atemmasken, bei 20 Prozent zeigt sich Besserung, die noch optimierbar ist - bei lediglich zehn Prozent der Patienten schlägt die Behandlung nicht an“, so Maurer.

 

Gerät nur für wenige Schnarch-Patienten geeignet

Viele Betroffene bleiben jedoch skeptisch. „Das ist ein immenser Eingriff in den Körper und dazu extrem teuer", moniert Hartmut Rentmeister, Vorstand des Allgemeinen Verbands für Chronische Schlafstörungen Deutschland (AVSD). Dabei sei unklar, ob die Krankenkassen die Behandlung jemals bezahlen würden. Bisher werden die Kosten für die Therapie auf rund 20.000 Euro geschätzt. Zudem kritisiert Rentmeister, dass das Gerät nur bei einer ganz bestimmten Patientengruppe eingesetzt werden könne.

Auch Maurer räumt ein, dass nur wenige der Betroffenen mit dem Zungenschrittmacher behandelt werden können. Zwar ist die Obstruktive Schlafapnoe weit verbreitet, die Therapie komme aber nur für Patienten infrage, die die Standardtherapien wie CPAP oder Kieferschienen nicht vertragen. Weitere Ausschlusskriterien seien große Tonsillen, kleiner Kiefer, Herzinsuffizienz und Übergewicht. Die zentrale Schlafapnoe, bei der das Atemzentrum betroffen ist, sei ebenfalls nicht auf diesem Wege behandelbar. Daher kommen derzeit nur ein bis zwei Prozent der Betroffenen für diese Form der Therapie infrage, so Maurer. Er sei jedoch optimistisch, dass mit weiterem Erkenntnisgewinn bald auch mehr Patienten mit dem Zungenschrittmacher behandelt werden können und damit möglicherweise langfristig auch die Kosten sinken.

Foto: © apops - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorie: Medizin
 

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