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22.06.2021

Zuckerlimonaden: Schon kleine Mengen können zu Fettleber führen

Der Konsum von zucker- und fettreichen Lebensmitteln stimuliert und beschleunigt die Entstehung einer nicht-alkoholischen Fettleber – und zwar schon in haushaltsüblichen Mengen. Das zeigt eine Studie der Universität Zürich. Als besonders schädlich erwies sich eine Zuckerart, die immer wieder als relativ „gesund“ dargestellt wird: Traubenzucker.
Glas mit Cola, drumherum Zuckerwürfel.

Maximal 50 Gramm Zucker, besser nur 25, empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation am Tag. In einem einzigen Liter Cola befinden sich um die 100 Gramm – oder 35 Zuckerwürfel.

Ein übermäßiger Konsum von gezuckerten Getränken ist ungesund – diese Erkenntnis ist nicht neu. Eine jetzt publizierte Studie der Universität Zürich aber zeigt, dass der regelmäßige Konsum bereits handelsüblicher Mengen an Frucht- und Haushaltszucker in Softdrinks die körpereigene Fettproduktion in der Leber verdoppeln und Folgeerkrankungen wie Fettleber oder Diabetes (Typ 2) stimulieren und beschleunigen kann.

80 g Zucker: Fettproduktion in der Leber verdoppelt sich

Für ihre Studie untersuchten die Schweizer Wissenschaftler eine Gruppe von normalgewichtigen jungen Männern mit einem Body-Mass-Index (BMI) von unter 24. Die insgesamt 94 Teilnehmer mussten für die Studie täglich – zusätzlich zu ihrer regulären Ernährung – 80 Gramm Zucker zu sich nehmen – in Form von Softdrinks, die mit Frucht-, Trauben- oder Haushaltszucker gesüßt waren. Zum Vergleich: Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt für eine ausgewogene und gesunde Ernährung, den täglichen Zuckerkonsum auf maximal 50 Gramm – besser noch auf 25 Gramm – zu reduzieren. Das Ergebnis dieses Experiments: Bei den Teilnehmern der Frucht- und Haushaltszucker-Gruppe war die körpereigene Fettproduktion in der Leber doppelt so hoch wie bei den Teilnehmern der Kontrollgruppe.

 

Ein Liter Cola enthält aber schon 90 g

Die in der Studie verabreichte Dosis an Zusatzzucker zur täglichen Ernährung war offenbar gering gewählt – und entwickelt trotzdem schon eine krankheitsfördernde Wirkung. „Die Züricher Studie zeigt, dass 80 Gramm Zucker täglich ernsthafte gesundheitliche Probleme verursachen können“, sagt Barbara Bitzer, die Geschäftsführerin der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), „doch das steht in keinem Verhältnis zur Realität.“ Bereits in einem einzigen Liter Cola seinen im Durchschnitt bereits mehr als 90 Gramm Zucker enthalten.

Zuckerkonsum macht Adipositas, Typ-2-Diabetes, Fettleber

„Besonders erschreckend war für uns, dass der häufig für gesund erklärte Traubenzucker eine so deutliche Steigerung in der Fettsynthese hervorgerufen hat“, sagt Heiner Wedemeyer, Mediensprecher der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). „Das ist problematisch, weil diese Fette in die Leber eingelagert werden und mittelfristig zu ihrer Verfettung führen.“ Der Konsum von zucker- und fettreichen Lebensmitteln stimuliert und beschleunigt die Entstehung von Adipositas, Typ-2-Diabetes, einer Fettleber und anderen Folgeerkrankungen. Nach Erkenntnissen der DGVS leidet schon jetzt fast jeder Dritte Deutsche an einer nicht-alkoholischen Fettleber.

Lebensmittelindustrie: „Freiwilligkeit funktioniert nicht"

Die „Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten“ (DANK) hat die Studie zum Anlass genommen, die Politik erneut zum Handeln aufzurufen. „Es ist völlig unverständlich, dass Deutschland diese Erkenntnisse mit Rücksicht auf die Lebensmittelindustrie bewusst ignoriert und lediglich auf eine freiwillige Zuckerreduktion setzt“, sagt DANK-Sprecherin Bitzer. Für die Expertin ist klar: Gesundheitliche Interessen müssen Vorrang vor den Gewinnbestrebungen der Hersteller haben, doch dafür muss die Politik endlich verbindliche Maßnahmen implementieren.

Großbritannien: Hohe Steuer auf Zucker-Getränke wirkt

Als Beispiele für einen Erfolg entschlossener politischer Maßnahmen verweist die DANK auf Großbritannien. Dort sei es gelungen, mithilfe einer Steuer auf Getränke, die den Grenzwert von 5 Gramm Zucker je 100 ml überschreiten, den Zuckergehalt in Softdrinks binnen zwei Jahren um durchschnittlich 34 Prozent zu senken. „Solche Beispiele zeigen, dass eine Softdrinksteuer nach britischem Vorbild wirkt“, so Bitzer weiter.

Experten fordern bessere Lebensmittelkennzeichnung

Das Wissenschaftsbündnis DANK setzt sich daher für ein umfassendes Maßnahmenpaket ein, das Lebensmittelhersteller vermehrt in die Pflicht nimmt und es den Verbrauchern erleichtert, sich gesund zu ernähren und zu verhalten. Zu den vorgeschlagenen Maßnahmen zählen unter anderem:

  • eine Erhöhung der Mehrwertsteuer um zehn Prozentpunkte auf 29 Prozent für besonders zuckerreiche Erfrischungsgetränke
  • eine verbindliche Kennzeichnung aller Lebensmittel mit dem im vergangenen Jahr eingeführten und wirksamen „Nutri-Score“ (ein System zur Nährwertkennzeichnung von Lebensmitteln mithilfe einer fünfstufige Farb- und Buchstabenskala von grün bis rot und A bis E, wie man sie etwa vom Energieverbrauch bei Kühlschränken her kennt)
  • ein Verbot von Werbung für ungesunde Lebensmittel und Getränke, die sich an Kinder richtet.

Werbung für Ungesundes nimmt gezielt Kinder ins Visier

Nach einer erst im März dieses Jahres veröffentlichten Studie der Universität Hamburg setzt die Lebensmittelindustrie bei der Vermarktung von dick machenden Produkten offenbar gezielt auf die Beeinflussung von Kindern. 70 Prozent der untersuchten Lebensmittelwerbespots im Fernsehen richteten sich durch Aufmachung oder Sendeumfeld demnach speziell an Kinder. 92 Prozent der Lebensmittelwerbung, die Kinder in Internet und TV wahrnehmen, bezogen sich auf ungesunde Produkte wie Fast Food, Snacks oder Süßigkeiten.

Foto: AdobeStock/vchalup

Autor: zdr
Hauptkategorie: Medizin
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