. Ernährungsmythen

Zucker sorgt nicht für bessere Laune

Während Kakao Stoffe enthält, die glücklich machen können, verbessert Zucker nicht die Laune. Das zeigt zumindest eine Meta-Studie aus Großbritannien.
Gummibörchen, Süßigkeiten, Naschen, Süßes, Zucker

Der Griff zur zuckerhaltigen Süßigkeit könnte kurzfristig die Laune heben, meinen viele. Sie liegen falsch, sagen Forscher

Viele kennen das Gefühl, bei Stress oder Erschöpfung schnell mal "etwas Süßes" zu brauchen, ob Schokoriegel oder ein Teilchen vom Bäcker. Doch während Kakao Stoffe enthält, die glücklich machen können, verbessert Zucker nicht die Laune. Das zeigt zumindest eine Meta-Studie aus Großbritannien.

Anhand von Daten aus 31 bereits veröffentlichten Studien mit fast 1.300 Erwachsenen untersuchten Dr. Konstantinos Mantantzis von der Humboldt-Universität Berlin, Dr. Sandra Sünram-Lea von der Lancaster University und Dr. Friederike Schlaghecken und Prof. Elizabeth Maylor von der University of Warwick den Einfluss von Zucker auf verschiedene Aspekte der Stimmung wie Wachsamkeit, Depression, Gelassenheit, Müdigkeit, Verwirrung, Anspannung und Ärger.

Zucker macht müde und verringert die Aufmerksamkeit

Die vorliegenden Studien waren randomisiert und kontrolliert, die Teilnehmer waren gesunde Erwachsene, die die den Zucker beziehungsweise die Kohlenhydrate oral zu sich nahmen. Beobachtet wurden die Auswirkungen bis zu 30 Minuten, bis zu 60 Minuten und mehr als 60 Minuten nach der Aufnahme.

Ergebnis: Innerhalb von einer Stunde nach dem Verzehr erhöhte Zucker die Müdigkeit und verringert die Aufmerksamkeit. Zucker verbessert also nicht die Stimmung. Vom berühmten "Zucker-Hoch" kann daher keine Rede sein. "Die Idee, dass Zucker die Stimmung verbessern kann, hat die Populärkultur so stark beeinflusst, dass Menschen auf der ganzen Welt zuckerhaltige Getränke zu sich nehmen, um wacher zu werden beziehungsweise Müdigkeit zu bekämpfen", sagt Dr. Mantantzis.

 

Die Zucker-Dosis spielte keine Rolle

Die Ergebnisse zeigten jedoch deutlich, dass diese Behauptung nicht zu belegen sind. Wenn überhaupt dürfte man sich nach dem Zucker-Konsum eher schlechter fühlen, so der Forscher in einer Mitteilung der Universität von Warwick. Der Zuckerkonsum hatte keinen Einfluss auf die Stimmung unabhängig davon, wie viel Zucker konsumiert wurde und ob die Menschen nach dem Konsum anspruchsvolle Aktivitäten ausübten.

Wer glaube, mit dem Genuss zuckerhaltiger Getränke oder Snacks "schnell Kraftstoff nachfüllen" zu können, irre, betonte auch Dr. Sünram-Lea Die Untersuchung wurdee im Fachmagazin Neuroscience & Biobehavioral Reviews veröffentlicht.

Bei Kindern könnte Zucker anders wirken

Die Auswirkung von Zucker könne bei Erwachsenen mit bestehenden Grunderkrankungen und bei Kindern anders ausfallen. Es sei  auch möglich, dass Personen mit Stimmungsstörungen empfindlicher auf Kohlenhydrate reagierten. Auch ist bislang unklar, inwieweit Zucker Wechselwirkungen mit anderen Nahrungsmitteln erzeugt. Das müsse nun weiter erforscht werden, so die Autoren.

Der weltweite Anstieg von Fettleibigkeit, Diabetes und metabolischem Syndrom in den letzten Jahren zeige die Notwendigkeit evidenzbasierter Ernährungsstrategien zur Förderung einer gesunden Lebensweise. Die Einschränkung des Zucker-Konsums spiele dabei eine große Rolle. Das Bundesernährungsministerium will hierzulande unter anderen eine Zuckerreduktionsstrategie auf den Weg bringen.

Foto: stockfotos-MG/fotolia.com

Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Ernährung
 

Weitere Nachrichten zum Thema Zucker

| Wieviel Zucker am Tag ist erlaubt? Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat eine neue Obergrenze veröffentlicht. Um die rote Linie nicht zu überschreiten, müsste der durchschnittliche Verbraucher seine Zuckerzufuhr um mindestens 25 Prozent senken.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Nach neuesten Schätzungen der UN wird die Bevölkerung bis zum Jahr 2100 von heute 7,7 Milliarden Menschen auf 10,9 Milliarden anwachsen. Das ist zwar etwas weniger als bislang angenommen. Doch für den Erdball ist das Bevölkerungswachstum eine Katastrophe.
Durchfall gilt als häufigste Reisekrankheit überhaupt. Mehr als ein Drittel der Fernreisenden ist davon betroffen. Weil die Erreger meist über Essen und Trinken in den Organismus gelangen, kann man durch ein paar Vorsichtsmaßnahmen das Erkrankungsrisiko senken. Hat es einen erwischt, muss man aber gut für sich sorgen.
Ein neues Erste-Hilfe-System soll Laien die Versorgung Schwerverletzter erleichtern: die sogenannte Trauma-Box. Nun wird die erste Box dieser Art für den öffentlichen Raum in Berlin angebracht.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Friedrich von Bodelschwingh-Klinik Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Landhausstraße 33 – 35, 10717 Berlin Mehrzweckraum, EG
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Interviews
Das massenhafte Auftreten des Eichenprozessionsspinners hat in diesem Jahr bei besonders vielen Menschen zu allergischen Reaktionen der Haut führt. Die giftigen Brennhaare der Raupen können aber auch sprichwörtlich ins Auge gehen. Am Universitätsklinikum Münster mussten diese Woche sechs Menschen am Auge operiert werden. Dr. Lamis Baydoun, Oberärztin der UKM-Augenklinik, berichtet, was vorgefallen ist.
Mit der Digitalisierung des Gesundheitswesens sind viele Chancen verbunden. Bei manchen Bürgern löst das Thema aber auch Ängste und Sorgen aus. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Prof. Dr. Erwin Böttinger, einem der weltweit führenden Forscher im Bereich Digital Health, über die elektronische Patientenakte und andere digitale Lösungen gesprochen.