. Endoprothesen

Zu viele Künstliche Hüft- und Kniegelenke?

Der künstliche Hüft- und Kniegelenkersatz steht in Deutschland seit Jahren in der Kritik. Zu viel, oft überflüssig und zu teuer, heisst es. Doch gerade für alte Menschen ist eine Endoprothese oft die einzige Möglichkeit, mobil zu bleiben.
Zu viele Künstliche Hüft- und Kniegelenke?

Künstliches Hüftgelenk

Als "Operation des 20. Jahrhunderts" wurde der künstliche Hüftgelenkersatz einst bezeichnet. In der Tat müssen heute ältere Menschen mit Hüft- und Kniegelenksverschleiss oder Schenkelhalsbrüchen nicht mehr invalide im Lehnstuhl sitzen, sondern können weiterhin mobil bleiben. Wie Studien zeigen leiden mobile Senioren weniger an chronischen Erkrankungen wie Herz- und Kreislaufproblemen oder Depressionen.

Zahl der Hüft- und Kniegelenksersatzoperationen wieder rückläufig

Doch statt auszurechnen, wie viele Folgekosten dem Staat dadurch erspart bleiben, wird mit grosser Regelmässigkeit der Hüft- und Kniegelenkersatz für eine Mengenausweitung und Kostensteigerung im Gesundheitswesen verantwortlich gemacht. Phillip Missfelder hat vor Jahren bereits einmal die Rentner aufgeschreckt, als er eine zahlenmässige Begrenzung des Gelenkersatzes forderte. Die Barmer GEK hat erst 2010 den vermeintlichen Anstieg der Hüft- und Kniegelenkersatzoperation beklagt und die Vermutung geäussert, dass "Rentner ohne künstliches Knie- oder Hüftgelenk schon bald in der Minderheit sein könnten". Nun hat Gesundheitsminister Bahr in einem Interview mit der Rheinischen Post geäussert: "Deutschland gilt als Weltmeister bei den Endoprothesen für Knie und Hüften. Krankenkassen und Experten bezweifeln, ob die Fallzahlsteigerungen notwendig sind".

Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC) hat jetzt in einer aktuellen Stellungnahme Position zu den Vorurteilen rund um den künstlichen Hüft- und Kniegelenkersatz bezogen. Die Stellungnahme basiert auf dem "Versorgungsatlas" der AOK und DGOC, in dem auch so genannte "Mengenausweitung" und die Versorgungshäufigkeit von Hüft- und Knieendoprothetik auf Länder- und Kreisebene analysiert wird.

Demnach fand tatsächlich zwischen den Jahren 2003 und 2005 ein deutlicher Anstieg von Hüft- und Kniegelenksersatzoperationen statt. Seit 2008 sei jedoch kaum noch eine Zunahme der Operationshäufigkeit festzustellen. Nach offiziellen Daten (Externe Stationäre Qualitätssicherung ESQS) sei sowohl bei der Hüft- als auch bei der Knieendoprothetik von 2009 auf 2010 sogar ein Rückgang von 0,5 bzw. ein Prozent zu beobachten.

Wo viele Orthopäden sind, werden weniger Endoprothesen eingebaut

Eine Mengenausweitung durch eine sogenannte angebotsindizierte Nachfrage wurde immer wieder vermutet. Der Versorgungsatlas zeige allerdings, dass sich diese gerade in Deutschland nicht nachweisen lasse, vielmehr sei das Gegenteil der Fall: "Dort, wo mehr Orthopäden tätig sind, wird weniger operiert. Dies zeigt, dass offenbar mit einer guten konservativen Behandlung in der orthopädischen Fachpraxis die Möglichkeiten des Gelenkerhaltes solange wie möglich ausgeschöpft werden", schreibt die DGOOC  in ihrem Positionspapier.

Auch die Behauptung, dass Deutschland gemeinsam mit der Schweiz Weltmeister hinsichtlich der Versorgung mit künstlichen Hüft- und Kniegelenken ist, wollen die Orthopädischen Chirurgen so nicht stehen lassen. Die Statistiken seien nicht vergleichbar, da in Deutschland die geplanten (elektiven) Hüft- und Kniegelenksersatzoperationen mit denjenigen nach Schenkelhalsbrüchen als auch mit Wechseloperationen zusammengefasst würden.

Last but not least heisst es: "Hüft- und Kniegelenksverschleiss beziehungsweise Schenkelhalsbrüche sind nun mal Erkrankungen und Verletzungen vorwiegend des höheren Lebensalters und Deutschland werde immer älter." Insofern sei die viel kritisierte Mengenausweitung auch mit der demografischen Entwicklung zu erklären.

Foto: depuy/BVMed

Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Hüftgelenk , Chirurgie

Weitere Nachrichten zum Thema Prothese

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.
Kinder suchtkranker Eltern sind besonderen Belastungen ausgesetzt und haben ein hohes Risiko, später selbst eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen zu entwickeln. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler über die Situation betroffener Kinder und die Notwendigkeit von Unterstützungsangeboten gesprochen.
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.